Ein Speichersee wird zum Naherholungsgebiet.

Man könnte ja durchaus hoffen, dass der Sommer im Anmarsch ist. Wenn dem so wäre, werden Badehosen und Bikinis aus dem Schrank geklaubt, entstaubt und in einen Rucksack verpackt. Auf zum See! Nur zu welchem? Zumindest Tirol ist nicht unbedingt dafür bekannt, mit einer großen Auswahl an Badeseen gesegnet zu sein. Umso besser, dass es neue Optionen gibt: Die Speicherseen der Skigebiete.

Speicherteich wofür?

Ein erfolgreicher Wintertourismus setzt nämlich spezielle klimatische Bedingungen voraus. Von den Bergbahnbetreibern erwarten die Gäste von Anfang bis Ende der Wintersaison perfekte Pistenverhältnisse. Die Hilfe technischer Beschneiungssysteme und den dazugehörigen Speicherseen erlauben den Bergbahnbetreiber ihren Gästen einen fristgerechten Saisonstart ermöglichen und die Folgen von Wärmeeinbrüchen und ausbleibendem Schneefall ausgleichen. In Österreich gibt es laut Alpenverein bundesweit rund 400 davon – die Hälfte davon in Tirol. Der größte Speichersee wurde im Skigebiet Sölden gebaut und besitzt ein Fassungsvermögen von 405.000 Kubikmeter Wasser. Soviel dazu. Aber was passiert im Sommer? Da verwandelt sich manche einer dieser Speicherseen in ein attraktives Naherholungsgebiet und Ausflugsziel, in manchen darf man sogar baden. In manchen? Die spezielle Beschaffenheit und Funktion der Speicherseen birgt bei der Nutzung als Schwimmsee einige Risiken – nicht für den Schwimmer aber für den See und die Beschneiung.

Ein Beispiel für gelungene Doppelnutzung von Speicherteich und Badevergnügen - der Ahornsee in Söll. Foto: Klenkhart & Partner Consulting ZT GmbH

Ein Beispiel für gelungene Doppelnutzung von Speicherteich und Badevergnügen - der Ahornsee in Söll. Foto: Klenkhart & Partner Consulting ZT GmbH

Schnee im Winter, Badevergnügen im Sommer.

Auf den ersten Blick mag der Speichersee nicht wie ein naturbelassener Bergsee aussehen, aber der Blick täuscht. Viele Skigebiete haben ihre Speicherseen für den Sommer als Naherholungsgebiet attraktiv aufgewertet – mit schönen Sitzgelegenheiten, Spazierwegen und Kinderspielplätzen. Schwimmen hingegen darf man in den wenigsten. Das liegt vor allem daran, dass Speicherseen Teil einer viel größeren Anlage sind: der Beschneiungsanlage des Skigebiets. Beim Bau der Speicherteiche müssen strenge Auflagen befolgt werden, es gilt den sogenannten „Schneileitfaden“ zu beachten. Dazu gehören beispielsweise ein komplexes Dichtungssystem und spezielle Überschüttungen. Ein funktionales Abdichtungssystem ist eine Grundvoraussetzung für den kontinuierlichen Betrieb jedes Wasserspeichers. Aber auch die Filteranlage eines Speichersees ist ein komplexes System, immerhin muss der künstlich produzierte Schnee in vielen alpinen Gebieten aus Wasser mit Trinkwasserqualität produziert werden. Durch die unkontrollierte Nutzung als Badeteich können sowohl Abdichtung als auch Filteranlagen beschädigt werden.

Wasser Beschneiungsanlage

Das Wasser wird mittels UV-Bestrahlung auf Trinkwasserniveau gebracht. Foto: Kristina Erhard

Speicherteich versus Badeteich.

Viele Speicherteiche werden landschaftsgerecht gebaut und gestaltet, der Badebetrieb ist dennoch verboten. Zum einen aus oben genannten Gründen, zum anderen aber auch weil sich Fragen der Verantwortung und Haftung ergeben. Ohne Bademeister und Aufsicht kann schnell was passieren, juristisch ist das eine Grauzone. Dennoch: es gibt mittlerweile auch Beispiele einer Doppelnutzung. Ein gutes Beispiel dafür ist der Speicher- und Badeteich ist der Ahornsee im Tiroler Unterland bei Söll.

Der Ahorn –See.

Der Ahornsee wird in einen Badebereich und einen Regenerationsbereich unterteilt, das soll die Wasserqualität und das Speichervermögen gewährleisten. Foto: Klenkhart & Partner Consulting ZT GmbH

Der Ahornsee wird in einen Badebereich und einen Regenerationsbereich unterteilt, das soll die Wasserqualität und das Speichervermögen gewährleisten. Foto: Klenkhart & Partner Consulting ZT GmbH

Im Skigebiet der Berg- und Skilifte Hochsöll GmbH & CoKG wurde durch die Errichtung eines neuen Teiches die Wasserbevorratung der Beschneiungsanlage verbessert und die Beschneiung auf einer bestehenden Abfahrt erweitert. Soweit so gut. Dieser Speicherteich jedoch wird im Sommer auch als Badeteich verwendet. Eines der ersten Erfolgreichen Doppelnutzungsprojekte erfreut seit knapp vier Jahren die Erholungssuchenden im Tiroler Unterland und lässt auf weitere Projekte dieser Art hoffen.

Der „Ahornsee“ am Fuße der Wilden Salve ist nämlich so konzipiert, dass eine Nutzung des Speicherteichs als Badegewässer möglich ist. Der Ahornsee Söll ist als naturnahe, künstlich angelegte Wasserfläche entworfen und in eine offene Speicherwasserfläche und einen bepflanzten Regenerationsbereich gegliedert, der die ökologische Stabilität und Wasserqualität gewährleisten soll. Für die Badenutzung steht auf einer Uferlänge von ca. 65 m ein Flachuferzugang zur Verfügung – auch Treppen und Stege sind vorhanden.

Der Ahornsee ist ein Beispiel von weiteren Speicherseen, die im Sommer als Badeseen genutzt werden sollen. Auch wenn die Mehrzahl der Speicherteiche das Baden (noch) verbietet, sind viele Seilbahnbetreiber bestrebt, eine Doppelnutzung möglich zu machen. Wie sagt man so schön: „Gut Ding braucht Weil‘!“

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