Pistentourengehen – so ist es konfliktfrei & gefahrlos möglich

Skitourengehen auf der Piste - Unsinn? Widerspruch in sich? Modeerscheinung? Oder eine neue Sportart? Kaum ein Thema polarisiert und emotionalisiert mehr: Wütende Skifahrer, die sich über Pistentourengeher beschweren, weil sie sich rücksichtslos verhalten und ihnen überdies die Parkplätze verparken. Frustrierte Seilbahner, die von Tourengehern berichten, die völlig ausgezuckt sind. Und Pistentourengeher, die nicht mehr wissen wo sie ihren Sport problemlos betreiben können.

Zeit für eine nüchterne Analyse & zentrale Tipps für sicheres Pistentourengehen. Ein Gastkommentar von Oliver Pichler.

I. Warum gibt es präparierte Skipisten?

Dass es beschneite und täglich frisch präparierte Skipisten gibt hat einen einzigen Grund: Skifahrer und Snowboarder, die dafür bezahlen per Seilbahn nach oben zu gelangen, um dann auf den Pisten talwärts fahren zu können.

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Wer sich ungeregelt auf diesen Pisten in entgegengesetzter Richtung nach oben bewegt, der verhält sich ähnlich wie Geisterfahrer auf Autobahnen.

II. Es braucht einfache klare Regeln. Selbstverantwortung heißt - sie einzuhalten!

Sobald größere Menschenmengen aufeinandertreffen, braucht es einfache, klare Regeln. Nur so funktioniert Miteinander problemlos.

Die Grundfrage - ob, wie und wann das Benützen der Pisten durch Skitourengeher erlaubt ist - kann nur das einzelne Seilbahnunternehmen beantworten. Selbstverantwortung aus Sicht der Skitourengeher heißt - diese Regeln sind einzuhalten.

III. Minimale Tourenplanung

Auch beim Pistengehen ist ein Minimum an Vorbereitung notwendig. Konkret, man muss sich vergewissern, ob die geplante Tour generell und zu der Zeit, zu der man sie machen möchte, möglich ist. Die verlässlichste Informationsquelle ist das jeweilige Seilbahnunternehmen - ein Blick auf die Website oder ein Telefonanruf genügen meist.

IV. Zehn Empfehlungen fürs Tourengehen auf Pisten

Vom Kuratorium für Alpine Sicherheit stammen 10 Empfehlungen fürs Pistentourengehen. Sie zu beherzigen minimiert Konflikt- und Unfallrisiken enorm.

Die Empfehlungen lauten:

  1. Warnhinweise sowie lokale Regelungen beachten.
  2. Der Sperre einer Piste oder eines Pistenteils Folge leisten.
  3. Nur am Pistenrand und hintereinander aufsteigen.
  4. Die Piste nur an übersichtlichen Stellen und mit genügend Abstand zueinander queren.
  5. Frisch präparierte Pisten nur im Randbereich befahren.
  6. Bis 22:30 Uhr oder einer anderen vom Seilbahnunternehmen festgelegten Uhrzeit die Pisten verlassen.
  7. Sichtbar machen. Bei Dunkelheit oder schlechter Sicht Stirnlampe, reflektierende Kleidung etc. verwenden.
  8. Bei besonders für Pistentouren gewidmeten Pisten nur diese benützen.
  9. Hunde nicht auf Pisten mitnehmen.
  10. Ausgewiesene Parkplätze benützen und allfällige Parkgebühren entrichten.

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Quelle & Details: Kuratorium für Alpine Sicherheit

 

V. Sicherheitsvorteile & Gefahren des Pistentourengehens

Es sind zentrale Sicherheitsvorteile, die das Pistengehen so beliebt machen. Bewegt man sich dort, wo es gestattet ist, so gibt es kein Lawinenrisiko. Das Abbrechen der Tour ist jederzeit möglich. Und die Abfahrt auf der Piste ist in der Regel auch viel problemloser. Touren im Dunklen sind, wenn erlaubt, auf Pisten auch ohne Ortskenntnis und Erfahrung mit Nachtabfahren möglich. Und während man sich ins freie Gelände besser nicht alleine begibt, stellt das auf den Pisten kein Sicherheitsrisiko dar.

Die größte Gefahr des Pistengehens besteht - wo es erlaubt ist - in Kollisionen mit talwärts fahrenden Skifahrern oder Tourengehern. Das hintereinander Gehen minimiert das Risiko.

Wirklich gefährlich wird - nicht erlaubtes - Gehen auf den Pisten immer dann, wenn die Präparierung erfolgt. Pistengeräte haben starke Scheinwerfer, das bedingt, dass deren Fahrer abseits ihrer Lichtkegel wenig bis nichts sehen können. Noch unberechenbarer sind die viele hundert Meter langen Seile, an denen die Pistengeräte während der Präparierung hängen, um beim Bergauf-Präparieren mehr Kraft entfalten zu können. Einmal liegen sie unsichtbar im Schnee. Dann sind sie in Bodennähe gespannt. Und im nächsten Moment schnellen sie blitzartig hoch. Akute Lebensgefahr bei Seilwinden-Präparierung ist keine Übertreibung!

 

VI. Gut zu wissen

HARSCHEISEN sind bei Pistentouren öfter nötig als im freien Gelände. Harte steile Pisten zu begehen macht generell wenig Spaß. Besonders ungut wird es ohne Harscheisen. Und Spitzkehren sind dann auch keine gute Idee, denn das erhöht wiederum das Kollisionsrisiko mit Bergabfahrenden.

BEFAHREN FRISCH PRÄPARIERTER PISTEN - Warum sind frisch präparierte Pisten nicht oder nur am äußersten Rand zu befahren? Die Pisten werden am Abend präpariert und werden erst durch mehrstündiges Durchhärten in der Nacht zu den ebenen Pistenteppichen, die sich Skifahrer heute erwarten. Befährt man die frisch präparierten Pisten, so hinterlässt man tiefe Spuren, die dann durchhärten und die Pistenqualität enorm mindern.

Zahlen fürs Pistentourengehen?

Pistengeher benützen Infrastruktur, deren Bereitstellung Kosten verursacht. Erfolgt die Bereitstellung nicht durch öffentliche Einrichtungen wie Gemeinden o.ä., die durch Steuergeld finanziert werden, ist es nur logisch, dass Benützungsentgelte eingehoben werden. Die ARGE Skibergsteigen hat sich diesen Gebühren in einer kürzlich durchgeführen Umfrage gewidmet. Das Ergebnis: 55,1 % der Pistentourengeher halten € 2,-- bis € 5,-- für gerechtfertigt. Je 15,4 % stimmten für € 1,-- bis € 2,-- bzw. € 5,-- bis € 10,--. 5,1 % würden auch mehr als € 10,-- bezahlen und 9 % lehnen Zahlungen ab. "Tourengeher haben mit einer Gebühr per se kein Problem, solange sie sich in einem gewissen Rahmen bewegt", fasst Rainer Lampl von der Arge Skibergsteigen die Erkenntnis einer Umfrage zusammen. Ein Vorteil von Gebühren, die durch Pistenbetreiber eingehoben werden, ist eine versicherungstechnisch und rechtlich viel klarere Situation, sollte es zu Unfällen welcher Art auch immer kommen.

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Links & weiterführende Informationen:

Kuratorium für Alpine Sicherheit - 10 Empfehlungen:
www.alpinesicherheit.at/de/Empfehlungen-fuer-Pistentouren

Infos des Alpenvereins:
https://www.alpenverein.at/portal/natur-umwelt/av-naturschutz/besucherlenkung/pistentouren.php

Spezielle, rechtliche Infos der Naturfreunde:
http://niederoesterreich.naturfreunde.at/service/themen/tipps-von-experten/tipps-fuers-pistengehen/

Guide - Skitouren-Nächte 2018, des ALPIN-Magazins (Achtung - nicht nur Pistentouren):
http://www.kochalpin.at/fileadmin/downloads/ALPIN_201801_Booklet_Pisten.pdf

 

Portrait Oliver Pichler:

Aufgewachsen zwischen Bergen und Seen in Villach (Kärnten) lebt Oliver Pichler heute in Wien, in Villach und überall wo es Spannendes zu erleben, zu recherchieren gibt. Als Journalist, Fachautor und Marketingberater sind Bergsport- & Outdoorthemen, der Tourismus, die Hotellerie und Bergbahnen seine zentralen Kompetenz- und Tätigkeitsbereiche.

Oliver Pichler betreibt seine eigene Firma "Oliver Pichler Media" und schreibt regelmäßig insbesondere für die Publikumsmagazine wie Land der Berge, SPORTaktiv, Alpe Adria Magazin, Lust aufs LEBEN u.a.

 

 

 

 

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