Seilbahntechnik für einen barrierefreien Aufstieg

Wintersportler mit Mobilitätseinschränkung scheitern wie gewöhnliche Touristen oftmals am barrierefreien Zugang zu den Seilbahnen und Sesselliften. Dass es auch sorgenfreier geht, zeigt die erste kinder- und körperbehindertengerechte Sesselbahn der Schweiz, die intelligent auf die besonderen Anforderungen reagiert.

Mit Handycap die Piste runter. Für Anna Schaffelhuber ist eine rasante Abfahrt eine Lebensaufgabe. Die Rollstuhlfahrerin ist eine der besten Wintersportlerinnen der Welt und auch deshalb gewann sie in Sochi vor drei Jahren fünf Mal Gold bei den Paralympics. Schon lange lassen sich Menschen mit Mobilitätseinschränkung nicht davon abhalten, auch intensiv Wintersport zu betreiben. Ob sie dabei den MonoSki nutzen oder aber einen BiSki respektive den Langlaufschlitten, viele Skigebiete verfügen über ein großes Angebot für Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Und sie bieten in der Regel alle die Möglichkeit, barrierefrei auf die Piste zu kommen.

„Nur wenige Skigebiete bleiben uneinsichtig und bieten keinen rollstuhlgerechten Zugang zu den Liften an“, erklärt uns Stefan Deuschl. Deuschl ist Fachbereichsleiter Wintersport im Deutschen Rollstuhl-Sportverband e. V. (DRS) und weiß aus eigener Erfahrung, dass zwar die Anreise bis zur Bodenstation etwa mit dem Auto oftmals mühelos möglich ist. Doch später finden sich dann weder ein Aufzug noch eine Rampe. „Das Überwinden der Treppenstufen ist für uns ein großes Ärgernis und oftmals nicht zu überwinden“. Mittlerweile aber outen sich immer mehr Skigebiete und bieten rollstuhlgerechte Einrichtungen, wie folgender Link zeigt. https://www.ok-bergbahnen.com/service/barrierefrei/rollstuhlgerechte-einrichtungen.html

Projekt Reisen für alle

Vor allem bei Neubauten beziehungsweise bei zahlreichen Modernisierungen und wo es die Gegebenheiten erlauben, werden die Anlagen so umgebaut, dass nicht nur Ältere, sondern auch Menschen mit gesundheitlichen und körperlichen Einschränkungen die Einrichtungen nutzen können. Das alles geschieht dabei freiwillig. Denn „es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, dass Seilbahnen behindertengerecht gebaut werden müssen“, teilt uns eine Sprecherin vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit.

Dass es in den vergangenen Jahren dennoch einen regelrechten Trend beim Ausbau behindertengerechter Seilbahnen gab, dürfte auch auf das im Jahr 2011 begonnene Projekt „Einführung des Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“ im Sinne eines Tourismus für „Alle in Deutschland“ zurückzuführen sein. Es handelt sich um ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördertes Kooperationsvorhaben des Deutschen Seminar für Tourismus (DSFT) Berlin e. V. und des Vereins Tourismus für Alle Deutschland e.V. - NatKo.). Im Zentrum der Aktivitäten steht ein umfangreicher Kriterienkatalog, der, wird er auch von den Ski- und Sesselliftbetreibern erfolgreich erfüllt, zur Auszeichnung führt. Bundesweit erfüllen bereits mehr als 1.700 Betriebe die dort genannten Anforderungen – darunter auch einige Seilbahnen. [Link: http://www.reisen-fuer-alle.de]

Bildunterschrift: Der weltweit erste kinder- und behindertengerechte Sessellift wurde in Madrisahorn bei Davos in Betrieb aufgenommen. (© ABB)

MonoSki-AthletenInnen haben es oftmals schwer

Zwar wird die Liste der „rollstuhlgerechten“ Einrichtungen von Jahr zu Jahr umfangreicher. Unter anderem wurde soeben im Skigebiet Klosters-Madrisa die erste behindertengerechte 6er-Sesselbahn der Schweiz in Betrieb genommen, die nun unter anderem über einen vollautomatisierten Bügel-Schliess/-Öffnungsmechanismus verfügt. Beim Einstieg erkennt ein Sensorsystem automatisch die Größe der auf den Lift wartende Kinder und Monoskifahrer. Durch einen speziellen Hubtisch werden die Passagiere jeweils auf die korrekte Sitzhöhe angehoben. Die Sesselbügel verfügen über einen speziellen automatischen Schließ- und Öffnungsmechanismus. Dadurch können fünf kleine Kinder den Lift in Begleitung nur eines Erwachsenen nutzen und MonoSkifahrerInnen erstmals komplett eigenständig den Berg erklimmen.

In anderen Fällen aber bereiten solche Sessellifte mit Kindersicherung Probleme, weiß Deuschl. An manchen Systemen bemängelt er, dass „immer genügend Platz zwischen dem Bügel und dem Skigerät bleiben muss, damit der Sicherheitsbügel korrekt schließt“. Eine für Kinder und Jugendliche hilfreiche, vor allem aber eine sicherheitsrelevante Einrichtung. Doch ohne korrektes Schließen, setzt sich der Lift nicht in Bewegung. Hilfreich wäre seiner Ansicht nach ein Mechanismus, der es erlaubt, das Signal zu überbrücken, damit sich der Lift dennoch in Bewegung setzt. „Da sind herkömmliche Sessellifte in der Regel besser“, so Deuschl. Und wenn es mal schwierig wird, hilft das Personal aus. Vorausgesetzt diese sind darauf geschult.

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