Wenn die Ü‐Bahn die Stadt erobert

Viele lieben ihn, manche fürchten ihn, für einige ist er nur Mittel zum Zweck: Der Weg zur Arbeit, in die Schule oder einfach nur zum Einkaufen in die Stadt. Mit Bus, Tram oder U‐Bahn geht’s meistens NOCH einfach und unkompliziert. Blickt man jedoch über den Tellerrand hinaus, kommt ein immer stärker werdendes Problem auf: Verkehr so weit das Auge reicht. Stoßstange an Stoßstange, veraltete Infrastrukturen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und vor allem geringe finanzielle und räumliche Ressourcen, um eine, für die Einwohner von Großstädten komfortable, zeitsparende und rasche Lösung zu realisieren. Brennpunkte liegen heute schon in Lateinamerika oder auch in der Türkei.

Not macht bekanntlich erfinderisch! Denn wenn die erste und zweite Dimension (Erdoberfläche und ‐untergrund) aufgrund erwähnter fehlender Ressourcen nicht mehr möglich ist, bedient man sich einfach der dritten Dimension. Man geht wortwörtlich in die Luft und setzt auf eine Ü‐Bahn. Mexico City (MEX), Medellín (COL) und Ankara (TUR), um nur einige Beispiele zu nennen, haben es bereits vorgemacht. Sie versuchten in den vergangenen Jahren mit dem (Aus‐)Bau von urbaner Seilbahninfrastruktur der Verkehrsproblematik Einhalt zu gewähren – nachweislich mit Erfolg.

Vorteile urbaner Seilbahnen.

Vorteile urbaner Seilbahnen. ©LEITNER ropeways

Für den Mitteleuropäer, der Seilbahnen großteils aus Skigebieten kennt, mag dies in der Stadt fast so exotisch erscheinen, wie ein Schneemann auf einer Mittelmeerinsel. Dabei ist der Nutzen einer urbanen Seilbahn, nicht nur auf den ersten Blick, doch um vieles größer.

Im Zuge der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 in Berlin durfte die Firma LEITNER die Idee einer urbanen Seilbahn über die Gartenausstellung, inklusive Mittelstation am 102 m hohen Kienberg, realisieren und betreuen. Was anfänglich als Transport für die Besucher gedacht war, entwickelt sich immer mehr als ideale Ergänzung im ÖPNV. Denn nicht nur der Ausblick aus den 65 Kabinen, 6 davon mit Glasfußboden, sorgt für Begeisterung. Auch die Anbindung an die U‐Bahnlinie U5, die fußläufig von der Seilbahnstation Hellersdorf erreichbar ist, wird als großer Mehrwert für die Bewohner und Pendler des Bezirks Marzahn‐Hellersdorf gesehen. Die „IGA‐Seilbahn Gärten der Welt ‐ Berlin“ verbindet auf einer Strecke von knapp 1,5 km die Stationen Blumberger Damm und Hellersdorf.

Lageplan und Linienverlauf.

Lageplan und Linienverlauf. ©LEITNER ropeways

Vorerst für 3 Jahre, mit Option auf weitere 20 Jahre, soll die Seilbahn nun den Hauptstädtern und insbesondere den Bewohnern im Osten von Berlin erhalten bleiben. Als neues Wahrzeichen des Bezirks Marzahn‐Hellersdorf ist sie schon jetzt in aller Munde. Ob das auch so bleibt, haben andere zu entscheiden.

Eines steht gegenwärtig jedoch fest: Die Vorteile einer urbanen Seilbahn, wie auch in Berlin bewiesen, sind für Großstädte mit steigendem Verkehrsaufkommen und der daraus
resultierenden Luftverschmutzung eine realistische Alternative, um den Einwohner den Weg durch den Großstadtdschungel maßgeblich zu erleichtern.

Fakten IGA‐Seilbahn Gärten der Welt ‐ Berlin
Seilbahnsystem: Kuppelbare Einseilumlaufbahn (GD10) mit 65 Kabinen davon 6 mit einem Glasfußboden, 10 Personen pro Kabine
Kapazität: 3.000 Pers. pro Stunde je Richtung
Länge: 1.500m
Maximale Höhe: 35 m
Kabinengewicht: 900 kg / Kabine
Maximale Geschwindigkeit: 6 m/s
Fahrtzeit: 4 Min. 25 Sek. je Richtung
Bauzeit: 6 Monate

Beitragsbild: IGA-Seilbahn Gärten der Welt Berlin. ©LEITNER ropeways

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