Willkommen bei den Seilbahnern

Fachbegriffe in der Seilbahnbranche

Wer sich mit einem eingefleischten Seilbahner unterhält, fühlt sich schnell wie die Abrams bei den Sch’tis. Denn wie jede Branche haben auch die Seilbahnexperten ihre eigene Sprache mit vielen Fachbegriffen. Drei dieser Begriffe aus dem Seilbahnjargon stelle ich euch heute vor.

Heute ist mir klar, dass ich mich beim Eintritt in die Tourismus- und Seilbahnbranche mit nur einem Satz bereits als Newcomer geoutet hatte. Punkt 1 wurde mir vom damaligen Betriebsleiter einer Zillertaler Bergbahn direkt nach meinem Arbeitsantritt nahegelegt zu beachten, Punkt 2 ist einer der Running Gags im Hause eines Südtiroler Seilbahnherstellers und Punkt 3 kenne auch ich erst, seit in Berlin an einer Seilbahn gebaut wird.

1. Sesselbahn vs. Sessellift

Eine heutige, moderne Anlage als Sessellift zu bezeichnen hält einige Tücken parat, denn die automatisch kuppelbaren Anlagen werden in der Fachsprache als Sesselbahn bezeichnet. Sonst wird eine hochtechnologische Anlage im Vergleich zu einer fixgeklemmten Anlage, die bereits seit Jahrzehnten als Sessellift bekannt ist, schnell zum Oldtimer. Im Englischen gibt es diese Unterscheidung im Übrigen nicht, hier werden beide Arten als „chairlift“ bezeichnet – „detachable chairlifts“ (kuppelbar) und „fixed gripped chairlifts“ (fixgeklemmt).

Früher Sessellift, Corvara 1947

Früher fixgeklemmter Sessellift, Corvara 1947 © LEITNER ropeways

Skifahrer auf einer heutigen Sesselbahn

Skifahrer auf einer heutigen kuppelbaren Sesselbahn in Brunn. © LEITNER ropeways

2. Kabinen vs. Gondeln

Nennt man die komfortablen Beförderungsräume Gondeln, antwortet der Seilbahner oft und gerne: „Gondeln gibt´s nur in Venedig.“

Was ist der Hintergrund? „Gondeln“ werden heute in der Fachsprache als Kabinen bezeichnet, dementsprechend gibt es auch keine Gondelbahnen. Diese werden im Übrigen je nach Art ihres Betriebes (Pendelbetrieb oder Umlaufbetrieb) als Pendelbahnen bzw. Umlaufbahnen bezeichnet.

3. Seil vs. Kabel

In Berlin in Mode scheint der Ausdruck „Kabel“ für das Seilbahnseil zu sein. Entsprechend dem Begriff SEILbahn spricht der Seilbahner aber natürlich immer von einem Seil, auch wenn die heutigen Seile vor allem aus hochfestem Stahl bestehen. Ein Highlight in Berlin war die Frage auf einer Bürgerveranstaltung, ob das „Kabel“ denn aus Vogelschutzgründen auch jede Nacht abgebaut werden könne – klar ist, dass die Kabinen und Sessel jede Nacht vom Seil müssen, auch das Seil selbst Nacht für Nacht einzukurbeln, das müsste dann erst noch erfunden werden...

Melanie KaindlMelanie Kaindl
Früher als Head of Marketing bei LEITNER ropeways tätig ist sie heute Inhaberin der Marketing Beratung MOUNT MEL. Auch in ihrer Freizeit ist die staatlich geprüfte Skilehrerin und ehemalige INTERSKI-Fahrerin begeisterte Wintersportlerin.

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