Die Wiese unter der Piste

Wie Skigebiete immer mehr Verantwortung übernehmen

Prachtvolle Berghänge mit saftig grünen Wiesen und bunten Blumen begeistern dieser Tage viele Wanderer und Besucher der Alpenregionen. Dabei war die Wiese unter der Piste früher nach einem langen Winter teilweise ein gefürchteter Anblick für Bergbauern und Naturschützer: Braune, kahle Stellen, Geröllschneisen und karge Schotterfelder gehören heute zum Glück der Vergangenheit an. Wer im Sommer einmal in den Bergen wandern war, kann bestätigen: Die hügeligen Wiesen der grünen Skipisten sind saftige Weiden für Kühe und Schafe. Die Betreiber der Skigebiete haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Gesunde Pistenvegetation.

Makellose Pistenvegetation am Beispiel des Schlegelkopfes. ©Skilifte Lech

Intakte Bodenoberflächen durch gezielte Kultivierung

Eben dieses Weidevieh und die Bewirtschaftung der Pisten tragen zu einer gesunden Vegetation bei. Denn anders, als viele Besucher glauben mögen, sind die vielfach gepriesenen Almwiesen kein Produkt der Unberührtheit der Natur, vielmehr zeugen sie von Rodung und Bewirtschaftung, was in den Alpen durch den Menschen seit mehr als 7.000 Jahren praktiziert wird. Die bereits kultivierte Landschaft wurde im Laufe der Zeit auch für den Tourismus entdeckt. Doch muss der Skibetrieb nicht schaden, wenn eine entsprechende Bodenpflege und Rekultivierung über die Sommermonate erfolgt. Dung und sogar Kunstschnee helfen den Boden mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Dies fördert die Vielfalt der Pflanzenwelt, die auch als Nahrung und Lebensraum für zahlreiche Tiere der Region dient.

Sommerliche Skipiste als Weidefläche.

Eine gesunde Vegetationsdecke dient dem Weidevieh im Sommer als nahrhafte Futterquelle.

Entwicklungen in der Zukunft und die Verantwortung des Einzelnen

Fakt ist: (die großen) Winterorte wachsen. Skigebiete werden zusammengelegt, Pisten erschlossen und neue Lifte gebaut. Dabei stagniert die Zahl der Wintertouristen, der Wettbewerb nimmt an Härte zu. Fakt ist aber auch, dass die großen Skigebiete auf der anderen Seite mehr Geld zur Verfügung haben und in die Hand nehmen, um ihre Pisten zu pflegen. Der Sommertourismus – und damit die Anforderungen an gepflegte Wanderrouten und blühende Berglandschaften – gewinnt zunehmend an Bedeutung. In dieser Entwicklung liegt auch die Chance für gesunde Böden im Sommer und bedenkenlosen Skispaß im Winter – denn von dem Zustand der Berghänge kann sich jeder Gast vor Ort sein eigenes Bild machen und dementsprechend sein Skifahrverhalten überdenken. So wie beim Wocheneinkauf durch den Verzicht auf unnötige Plastikverpackungen ein Signal durch den Verbraucher gesetzt werden kann, so kann Selbiger mit gutem Gewissen den Winter auf der Piste genießen, indem er Skigebiete mit einem guten und umweltverträglichen Pistenmanagement unterstützt.

Wiesen unter den Skipisten.

Blick auf die grünen Wiesen unter den Pisten.

Qualitätssicherung und Umweltschutz durch gesetzliche Vorgaben

Doch der Schutz unserer Umwelt darf nicht nur in den Händen der Konsumenten und Unternehmer liegen. Dank gesetzlicher Rahmenbedingungen sollen wirtschaftliche Interessen und die Gesundheit der Natur in Waage gehalten werden. Wenn also neue Vorhaben rund um die Erweiterung und Erschließung von Skigebieten umgesetzt werden, haben diese bereits eine intensive behördliche Prüfung bis zur Genehmigung durchlaufen. „Das Bundesgesetz über die Prüfung der Umweltverträglichkeit (Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz, UVP-G 2000) unterwirft bestimmte Vorhaben, bei denen auf Grund ihrer Art, ihrer Größe oder ihres Standortes mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen ist, der Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).“ So der erklärende Wortlaut zur UVP-Pflicht von Skigebieten. Auf diese Weise wird schon vor der Projektumsetzung sichergestellt, dass unter anderem Böden und Wasser nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben beansprucht werden.

Bühende Almenwiesen.

Blühende Wiesen, wie man sie auch nach winterlichem Skibetrieb findet.

Wie aber genau setzen besagte Bergbahnen diese Vorgaben um?

Die Bergbahnunternehmen schützen Wiesen und somit den Pistenuntergrund der Zukunft, indem entweder erst nach ausreichend natürlichem Schneefall oder aber nach entsprechender Beschneiung mit der Pistenpräparierung mit schwerem Gerät begonnen wird. Bevor nicht eine Schichtdicke von mindestens 30 cm Kompaktschnee erreicht ist, wird keine Piste geöffnet, geschweige denn mit Pistenraupen befahren. Diese ausreichend dicke Schneedecke schützt den Pistenuntergrund bzw. den Oberboden und die Vegetation vor Frost, Wechselfrost und mechanischen Schäden durch Pistenfahrzeuge oder Wintersportler. Die landwirtschaftlichen Kulturflächen, die Besucher in Form von artenreichen Bergwiesen im Sommer auf den Pisten vorfinden, zeugen von der Effizienz wie Wichtigkeit oben genannter Vorgehensweise. Dies zeigen auch jüngere Untersuchungen der Pistenvegetation durch das Team um Frau Univ. Prof. Ulrike Pröbstl. Mit diesem Wissen im Hinterkopf ist es ein Leichtes den eigenen Teil zum Schutz der Wiesen unter den Pisten beizutragen: Wenn sichtlich zu wenig Schnee liegt, sollte man sich entscheiden, nur so weit abzufahren, wie die Pisten es offenkundig erlauben. Und im Sommer lässt sich ganz einfach bei einem Spaziergang über die Wiesen der winterlichen Abfahrtshänge feststellen, ob das Skigebiet ausreichend Maßnahmen ergriffen hat, um die Vegetationsschicht auch für die Zukunft zu schützen.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben