Im Wandel der Temperaturen

Das Klima als allgegenwärtiger Überraschungsfaktor

Letzte Woche durften wir die ersten angezuckerten Berggipfel bewundern, und das noch lange vor offiziellem Herbstbeginn. Doch so schnell der Schnee und der Temperatureinbruch gekommen waren, so schnell waren sie auch wieder Geschichte. Natürlich ist das im Spätsommer ganz normal – allerdings merkte die Tourismusbranche auch in den vergangenen Wintersaisonen starke Temperaturschwankungen und oft unberechenbares Wetter. Die Botschaft der Natur ist nun auch im mitteleuropäischen Österreich angekommen: Das Klima verändert sich, Wetterlagen werden immer extremer und die Skigebiete überlegen sich bereits seit Längerem alternative Möglichkeiten, um die Berge „lebendig“ zu halten.

Erst kürzlich gab sich Klaus Dengg, Geschäftsführer der Zillertaler Gletscherbahnen, in einem Interview mit der Tageszeitung optimistisch, was den inzwischen unbestreitbaren Klimawandel angeht: „Wir sind überzeugt davon, dass unsere Investitionen nachhaltig sind. Selbst pessimistische Klimamodelle gehen davon aus, dass die Gletscher noch mindestens 50 Jahre halten.“ Allerdings sieht auch er klare Veränderungen der Schneeschmelze über die Zeit: „Wer hätte 1995 gedacht, dass wir die Gletscher einmal beschneien müssen.“ Es rattert also doch in den Köpfen der Wirtschafter – 50 Jahre ist schließlich eine ziemlich überschaubare Zeit und man möchte der nächsten und übernächsten Generation doch auch noch die Freuden am Bergsport zeigen können.  So machen sich viele Bergbahnbetreiber Österreichs Gedanken über die Zukunft ihrer Unternehmen unter dem Damoklesschwert des Klimawandels.

Besonders Skigebiete unter 1.500 Höhenmetern haben es immer schwerer, in den Nebensaisonen noch ein lohnendes Geschäft zu machen: Viele vertrauen sich neuen Investoren an, um wirtschaftlich zu bleiben. Ebenfalls viel mehr zum Einsatz kommen künstliche Beschneiungsanlagen und eben jene Liftanlagen, die die SportlerInnen im Winter weiter hinaufbringen. Diese Ad-Hoc-Lösungen sind allerdings nur als Pflaster auf einer tiefen Wunde zu betrachten. Trotzdem geben sich die österreichischen Bergbahnen und Skigebiete optimistisch und wirken engagiert, das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in den Betriebsalltag, Projekte und Ausstattung einzubeziehen. Viele vertrauen bereits auf grünen Strom oder stellen diesen sogar zum Großteil selbst über Fotovoltaikanlagen, Wasserspeicher etc. umweltschonend her. Außerdem werden neue Wege eingeschlagen und individuelle Alternativkonzepte entwickelt. Viele Gebiete konzentrieren sich ebenso auf ein nachhaltiges, intensiveres Sport- und Freizeitangebot im Frühling, Sommer und Herbst. Umweltprojekte und die enge Zusammenarbeit mit Nationalparks, der Forstwirtschaft, der Jägerschaft, der Gastronomie, der Tourismusverbände und allen weiteren Akteuren wird für eine Eindämmung der Folgen und eine Verlangsamung des Klimawandelprozesses als Grundvoraussetzung betrachtet. Denn wie auch alle biologischen Vorgänge in der Natur miteinander verknüpft sind, sind es auch die Handlungen und Einstellungen der gesamten Umwelt-, Wirtschafts- und Tourismusbranche. Die Umstellungen und Herausforderungen lohnen sich jedoch allein schon bei dem Gedanken, dass hoffentlich auch unsere Urenkel noch wissen werden, was ein Schneemann oder eine Skischule sind.

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