Aus weniger mehr herausholen! Das neue Schneezentrum in Tirol.

Schnee ist das weiße Gold des alpinen Wintertourismus. Rechtzeitig zum Saisonbeginn muss eine ausreichend belastbare Schneedecke vorhanden sein und diese über Monate erhalten werden. Und am Saisonende muss diese – großteils technisch produzierte – Schneedecke wieder entfernt werden, um den Boden für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Diese verschiedenen „Muss“ ökolgisch und ökonomisch zu optimieren sind die Aufgabe des neuen Schneezentrums Tirol.

Wer mit wem?

Seit Anfang Mai 2016 entwickeln in diesem Synergien schaffenden Anwendungszentrum  28 Seilbahnen, Unternehmen, Touristiker, Gemeinden und Forschungseinrichtungen gemeinsam innovative Produkte, Dienstleistungen und Verfahren mit denen die Effizienz der Produktion von technisch erzeugtem Schnee und des Pistenmanagements gesteigert werden können. Gleichzeitig ist es dem Schneezentrum ein Anliegen, dass der Ressourceneinsatz nachhaltig verringert wird. Mit ein Grund, warum das Schneezentrum inkludiert und nicht exkludiert: neben Unternehmen und Hochschulen aus Tirol arbeiten im Schneezentrum Tirol Partner aus Vorarlberg, Salzburg, Kärnten, der Steiermark, dem Burgenland und Wien sowie aus der Schweiz und Norditalien zusammen.

Was und wie?

Dabei dreht sich alles um Wasser, Energie und Umweltschutz. Wie viel Wasser und Energie für die Produktion und das Management des Schnees eingesetzt werden müssen, hängt dabei von vielen Faktoren ab und ist das Kernforschungsgebiet des Schneekompetenzzentrums. Naheliegend für das Schneemanagement sind beispielsweise die Sonneneinstrahlung, die Temperatur und der Wind. Letzterer kann ein besonders mühsamer Zeitgenosse sein: Laufen die Schneeerzeuger, wenn er bläst, landet der Schnee dort, wo man ihn nicht braucht, nämlich abseits der Piste. Durch die Entwicklung neuer Software sollen nun die historischen Wetterdaten mit den aktuellen Daten so verknüpft werden, dass solche "Windprobleme" ausgeschaltet werden können. "Big-Data" soll helfen nur so viel technischen Schnee erzeugen zu müssen, wie tatsächlich notwendig. Zum anderen spielt die Technik eine entscheidende Rolle: Mit der Optimierung etwa der Düsentechnologie könnte der Wirkungsgrad von Beschneiungsanlagen steigen. Mit dem Einsatz der Mittel und Methoden von Mechatronik, IT und vernetzten Systemen soll gezielt an jenen Stellen und zu jenem Zeitpunkt genauso viel beschneit werden, wie nötig. Unter dem Begriff Industire 4.0 soll die Entwicklung ad-hoc vernetzter, dezentraler, echtzeitfähiger und selbst-optimierender Produktions- und Logistiksysteme vorangetrieben werden. Eine zielgerichtete, kompetente Umstellung der Schneeproduktion soll Unternehmen künftig eine zunehmend schlanke, dezentrale und flexible Produktionsplanung und Steuerung ermöglichen Insgesamt können damit die Effizienz sowie der Ressourcen- und Kosteneinsatz deutlich beeinflusst werden. In der Anfangsphase werden sich das Schneezentrum und seine Partner bei ihrer Zusammenarbeit besonders auf zwei Bereiche konzentrieren: Erstens auf das Betreiben, die Begleitung und Umsetzung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten zur Schneeerzeugung, zum Pistenmanagement und zum effizienten Ressourceneinsatz. Zweites Augenmerk liegt auf dem Ausbau des Netzwerkes des Schneezentrums Tirol und dem Know-how-Transfer zwischen den Partnern.

Warum?

Die Kosten für perfekte Pisten, Rodelbahnen, Loipen etc. steigen laufend. Die gesamte Tourismusbranche will alle Möglichkeiten ausschöpfen, um ökologisch verantwortungsvoll zu handeln. Letztendlich muss allerdings ein gewagter Spagat geschafft werden, nämlich WintersportlerInnen bestmögliche Pistenverhältnisse zu bieten und gleichzeitig Wasser und Energie schonend einzusetzen, sowohl aus ökologischen, als auch aus Kostengründen. Diese Brücke zu bauen, ist das Anliegen des neuen Schneezentrums Tirol.


Mag. Michael Rothleitner
Der Leiter des Schneezentrum Tirol, Michael Rothleitner, gilt ebenso als Branchenkenner wie auch als Experte in der Materie. Der studierte Jurist war Beteiligungsmanager und Geschäftsführer mehrerer Unternehmen, zuletzt Vorstand der Mayrhofner Bergbahnen, wo er unter anderem das ökologische Pistenmanagement vorangetrieben hat.

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