Beschneiung – und täglich grüßt der Neuschnee.

Das mit der Beschneiung ist ja so eine Sache. Man ist nicht so richtig dafür aber auch nicht so richtig dagegen. Man betrachtet es als sinnvoll, gleichzeitig jedoch als etwas Unnatürliches, etwas Künstliches. Räumen wir als mit einer „snowy legend“ auf: Kunstschnee ist kein Kunst-Schnee.

Wir fahren weder auf Plastik Ski, noch atmen wir bei jedem Sturz Chemikalien ein. Trotzdem ist Kunstschnee kein normaler Schnee.  Man könnte es wohl auch „veredelten“ Schnee nennen, eine Art Cuvée aus Schneekristallen. Und wie bei Wein gibt es auch bei Kunstschnee verschiedene Macharten und Lagerungen.

Präparierte Skipiste

Pulvrig weiß und perfekt präpariert sollen sie sein, die Pisten. Foto: Andre Schönherr.

Schneekanonen

Die wohl bekannteste Beschneiungsmethode ist die der Schneekanonen und Schneilanzen, letztere erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da sie zum einen leiser ist als die wuchtige Kanone und zum anderen auch optisch besser in die Umwelt integriert werden kann. Trotzdem lässt sich nicht verleugnen: für Winterromantiker ist der Anblick wohl eher ernüchternd. Statt zarten Flöckchen, die still herniederrieseln, bläst ein gewaltiges Gerät einen Schneesturm hinaus – aber darin liegt auch der Sinn der Sache, nämlich Schnee. Wie das funktioniert? Eine Propellerkanone, die häufigste Variante der Schneekanonen, bläst aus zwei Arten von Düsen Wasser in die Luft. Die einen leiten nur Wasser durch, während die anderen es mit Druckluft vermischen. Dieses Wasser-Luft-Gemisch kühlt sich in der Atmosphäre rasch ab, so dass kleine Tröpfchen gefrieren. Es entstehen Eiskristalle, auch „Keime“ genannt, mit deren Hilfe auch das reine Wasser aus den anderen Düsen zu Schnee verwandelt wird. Dieser Schnee ist ein wenig anders aufgebaut als Naturschnee, denn natürlicher Schnee bildet kleine sechseckige Kristalle, wohingegen technisch gemachter Schnee keine Flocken bildet, sondern aus kleinen, gefrorenen Eispartikeln besteht. Das Verfahren ist beliebt und beschneit die meisten aller Pisten der Alpen, weil das System unter bestimmten Bedingungen schon bei - 1 Grad Celsius funktioniert.

Skipiste präpariert

Schneilanzen im Einsatz, wie hier am Hintertuxer Gletscher. Foto: Kristina Erhard

Schneilanzen

Das gleiche Prinzip wenngleich eleganter und ohne lauten Propeller ist die sogenannte Schneilanze. Ein treffender Name für das, bis zu 12 Meter lange Aluminiumrohr, das senkrecht bzw. schräg an den Pisten aufgestellt wird. Auch hier befinden sich am Kopf der Lanze Wasser- bzw. Nukleatordüsen, durch die Höhe kristallisiert auch hier das zerstäubte Wasser und sinkt zu Boden. Die Schneilanze ist energiesparender als die Propellerkanone, aber im Vergleich dazu hat sie eine kleinere Wurfweite und Schneileistung, sowie eine höhere Windempfindlichkeit.

Skifahren auf präparierter Piste

Beschneien kann man auf vielfältige Weise, aber eines bleibt immer gleich: eine Mischung aus Luft und Wasser - sonst nichts. Foto: Andre Schönherr

Das Wasser für die Anlagen kommt zumeist aus Speicherseen, die zwischen 70.000 und 300.000 Kubikmeter Wasser fassen. Die Befüllung erfolgt in kleinen Mengen ganzjährig aus Bergquellen und Bergbächen, weiters wird das Schmelzwasser am Saisonende dem Speichersee zurückgeführt. Auch das verschneite Wasser wird der Natur nicht entzogen, sondern bei Schneeschmelze „an die Natur zurückgegeben“.

Wasserversorgung einer Beschneiungsanlage

Speicherteiche gewährleisten die Wasserversorgung der Beschneiungsanlagen. Ein wenig Luft dazu und fertig ist der Schnee: ganz so einfach ist es nicht. Foto: Kristina Erhard

Entgegen weit verbreiteter Gerüchte wird das Wasser nicht mit Chemikalien auf bereitet, sondern ganz im Gegenteil. Das Wasser wird vom Speicherteich durch eine Aufbereitungsstation gepumpt, in welcher das Wasser gekühlt wird und mittels UV-Bestrahlung auf – in Tirol gesetzlich verankert - Trinkwasserqualität gebracht wird. Dann erst fließt es durch die Rohre zu den jeweiligen Schneekanonen oder Schneilanzen.

Wasser Beschneiungsanlage

Das Wasser wird mittels UV-Bestrahlung auf Trinkwasserniveau gebracht. Foto: Kristina Erhard

Soviel zu den gängigen Beschneiungsmethoden.

Aber ja, es hat durchaus seine Gründe, dass manchen Beschneiungsmethoden auch ein negatives öffentliches Image anheftet. Natürlich leben hochtechnischen Maschinen nicht nur mit Luft und Liebe. Sie brauchen vor allem auch viel Strom und Wasser. Oben erwähnte Methoden sind hierbei noch die sparsamsten Varianten. Wenn Veranstalter es beispielsweise im Sommer schneien lassen wollen, dann ist das eine aufwendige und teure Angelegenheit. Mit der Kryo-Technik ist das jedoch möglich: dabei wird mithilfe eines kryogenen Mittels, meistens Flüssigstickstoff, ein Raum – beispielsweise ein Zelt – künstlich gekühlt. In diesem Raum kann man es dann wortwörtlich schneien lassen – mit Hilfe der schon beschriebenen Düsentechnik. Diese Methode verwendet man hauptsächlich für Events in Städten. Aber auch „Schneefabriken“ kommen in den Einsatz, zum Beispiel im Pitztal. Diese Produktionsmethode ist ebenfalls nicht temperaturabhängig, verbraucht aber ca. sechsmal mehr Energie als herkömmliche Schneekanonen.

Und die Quintessenz?

Machen wir uns nichts vor, wir wollen Skifahren. Sobald der Sommer vorüber ist und der Schnee die ersten Gipfel anzuckert, spüren wir schon wie es uns unter den Fußsohlen kribbelt. Und so wie uns geht es mittlerweile eben sehr vielen Menschen. Eine viel größere Masse als noch vor dreißig Jahren geht heute regelmäßig Skifahren oder Snowboarden. Das Schneevergnügen ist keiner kleinen Elite vorbehalten. Dementsprechend haben die Skigebietsbetreiber reagiert und beschneien um diesen Andrang auch zufrieden zu stellen, mitunter auch bei Plustemperaturen. Es ist als uns, den Skifahrern überlassen, ob wir unsere Meinung dafür oder dagegen konsequent gestalten. Denn wer nur bei „echtem“ Schnee Skifahren will, soll das tun. Eines ist jedoch Fakt: ca. 60 % der Pisten in den Alpen werden  beschneit.

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