Wie funktioniert Snowfarming?

Spare in der Zeit, so hast du in der Not

Snowfarming wird derzeit allerorten heiß diskutiert. Heiß, ein böses Wort für Wintersportfans dieser Tage, lässt irgendwie an warm denken. Viel zu hohe Temperaturen für einen Winterstart, wie wir ihn uns wünschen. So schön der strahlend blaue Himmel und die vielen Sonnenstunden auch sind: Skibegeisterte, Wintersportgebiete und die Tourismusbranche warten sehnsüchtig auf die dicken weißen Flocken, die die allzu grüne Alpenlandschaft endlich in ihr winterliches Kleid hüllen. Auf der anderen Seite sinken die Werte in den hohen Lagen tagsüber und vor allem nachts weit unter null Grad. Eine effektive Beschneiung der Skipisten und Loipen hat daher in nahezu allen Skigebieten mittlerweile einen erfolgreichen Start in die Skisaison ermöglicht. Und die Pisten versprechen durchaus feinen Skigenuss – inklusive herrlicher Pausen im Liegestuhl.

Nun ist diese Problematik allerdings nichts Neues, das Klima wandelt sich nun einmal und es gilt geeignete Antworten auf die veränderten Rahmenbedingungen zu finden. Und da kommt das Snowfarming ins Spiel. In Skandinavien bereits seit fast 20 Jahren praktiziert, erobert diese Technik der Schneekonservierung seit einigen Jahren auch den Alpenraum. Dabei wird im Winter produzierter technischer Schnee über den Sommer nach dem Prinzip Eiskeller in Depots eingelagert.

Zum Winterbeginn wird der konservierte Schnee aus dem Schneedepot geholt.

Zum Winterbeginn wird der konservierte Schnee aus dem Schneedepot geholt. ©Olympiaregion Seefeld/Snowfarming

Nachhaltig, umweltfreundlich und ressourcenschonend

Die Schneedepots – übrigens nichts als gefrorenes Wasser, also keine chemischen Zusätze – im Tal werden mit Hackschnitzeln oder Sägespänen gut abgedeckt und mit einer Plane vor Regen geschützt. Auf diese Weise wird der Schnee thermisch isoliert, insgesamt können bis zu 80% der Ausgangsmenge bewahrt werden. Auch die Feuchtigkeitsaufnahme durch die Holzdecke wirkt sich positiv aus: Bei Verdunstung des Wassers entsteht nämlich wiederum Kälte, die den Schnee auf Temperatur hält. Die Holzschnitzel werden im Frühjahr verheizt und liefern Energie für die Haushalte der Region.

Auch in der Höhe wird seit mehreren Jahren mit Schneedepots erfolgreich gegen das weitere Abschmelzen der Gletscherränder gearbeitet. Da im Gegensatz zur Tallage nicht die Lufttemperatur und Wärmeströme zur Schneeschmelze führen, sondern die starke Sonnenstrahlung, reicht es hierbei, mit lichtreflektierenden Vliesen zu arbeiten. So werden die Gletscher geschützt und der konservierte Schnee kann im folgenden Winter direkt als erste Grundlage für den Herbstskilauf aufgebracht werden.

Schneedepot, das mit Dämmplatten abgedeckt wird.

Schneedepot, das mit Dämmplatten abgedeckt wird. ©Bergbahn Kitzbühel

 

Kosten und Nutzen

Dass die Produktion und Lagerung der Schneemassen mit einem erheblichen Aufwand und hohen Kosten verbunden sind, liegt auf der Hand. Mehrere Zehntausend Euro verschlingt ein solches Depot, je nach Größe. Dass sich die Investitionen lohnen, da sind sich die zuständigen Betreiber der Wintersportgebiete dennoch einig. Denn die Frühloipen dienen nicht nur den Einheimischen und Gästen, sondern auch den Leistungssportlern. Gerade Austragungsstätten von FIS-Weltcups müssen sich um beste Rahmenbedingungen bemühen. Nicht nur, um einen fairen Wettkampf zu ermöglichen, sondern auch, um die Region bei den Millionen Fernsehzuschauern aus der ganzen Welt möglichst positiv zu bewerben. Gleiches gilt für den Alpinskizirkus sowie das Skispringen.

Wer – wie in Davos – bereits ab Ende Oktober Langlaufen gehen möchte, der muss mittlerweile für Snowfarmingloipen extra zahlen. Außerdem gibt es vielerorts eigene Leistungssportzeitfenster, zu denen die Loipen nur nach Anmeldung genutzt werden dürfen.

Bis sich die Streif wieder in solch herrlicher Winterkulisse präsentiert, testet man auch in Kitzbühel das Snowfarming.

Bis sich die Streif wieder in solch herrlicher Winterkulisse präsentiert, testet man auch in Kitzbühel das Snowfarming. ©Kitzbühel Tourismus

Effizientes Snowfarming durch SNOWPACK

Vom Schweizer WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF ursprünglich für die Lawinenwarnung entwickelt, wird SNOWPACK mittlerweile auch zur Prüfung der Standorteignung für neue Snowfarming-Depots eingesetzt. Mit SNOWPACK ist eine Messung der Schneedeckenschichtung und der Schneemikrostruktur möglich. So können die zu erwartenden Schneeverluste auf Grundlage von meteorologischen Rahmenbedingungen abgeschätzt werden.

Zukünftige Bedeutung des Snowfarmings

Die Praxis des Snowfarmings wird sich mit Sicherheit weiter etablieren und an Bedeutung gewinnen. Die Zwischensaison wird von Jahr zu Jahr kürzer und die Gäste wünschen sich einen möglichst frühen Winterstart. Zur Sicherung des Wintertourismus und des professionellen Wintersports in unseren Breitengraden wird es auch in Zukunft – mehr denn je – notwendig sein, effektive und nachhaltige Antworten auf die verkürzten Winter zu finden. Dass Snowfarming eine praktikable Lösung darstellt, zeigt sich dieser Tage an den vielen Standorten, die jetzt von den Vorräten zehren, die sie in den kalten Tagen des Vorjahres anlegen konnten.

Profi- und Hobbysportler freuen sich über die guten Trainingsbedingungen auf der Frühloipe.

Profi- und Hobbysportler freuen sich über die guten Trainingsbedingungen auf der Frühloipe. ©Olympiaregion Seefeld/Snowfarming

 

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