Warum blubbert es im Speicherteich?

Von Wollforellen und technischen Finessen

Wilde Spekulationen und abenteuerliche Geschichten ranken sich um die kleinen Luftblasen, die langsam aber stetig im klaren Wasser des Speicherteichs nach oben steigen und an der Oberfläche mit einem leisen, fast ironischen ‚Plop‘ zerplatzen. Woher kommt die Luft? Was lebt da am Grund der stillen Wasser? Wenn euch jetzt jemand von Wollforellen erzählt, dann wird euch ein Bär aufgebunden. Denn nicht ein warm angezogener Fisch, sondern moderne Technik sorgt für das faszinierende Schauspiel. Denn diese „Bergseen“ befinden sich nicht nur rein zufällig inmitten von Skigebieten – es sind angelegte Speicherteiche, die das für die technische Beschneiung notwendige Wasser liefern.

Schneekanone in Action

Schneekanone in Action. ©Demaclenko

Warum der Speicherteich im Winter nicht zufriert

Da zur Schneebereitung flüssiges Wasser und nicht festes Eis benötigt wird, die Speicherteiche aber bei den tiefen Temperaturen unweigerlich zufrieren würden, haben sich findige Tüftler etwas einfallen lassen: Der gesamte Boden eines solchen Wasserspeichers ist mit Leitungen ausgelegt. In die Leitungen wird von außen angesaugte Luft gepumpt. Diese wiederum dringt durch zahlreiche winzige Öffnungen unter Wasser aus und steigt in vielen Bläschen an die Oberfläche. Das Wasser bleibt in Bewegung und friert, wie es die Physik will, auf diese Weise nicht zu. Soviel also zu den Wollforellen.

Vor der Befüllung mit Wasser werden am Grund des Speicherteiches Luftleitungen verlegt.

Vor der Befüllung mit Wasser werden am Grund des Speicherteiches Luftleitungen verlegt. ©Demaclenko

Darum lohnt sich der Aufwand

Aufgrund von Filtersystemen, Grob- und Rückspülfiltern sowie UV- Entkeimungsanlagen entspricht die Qualität des Wassers in den Speicherseen in Tirol den höchsten Anforderungen der Trinkwasservorgaben – und sind daher zum Teil auch als Naherholungsgebiete sehr beliebt. Um möglichst effizient technisch Schnee produzieren zu können, ist die Wassertemperatur von ausschlaggebender Bedeutung. Denn: Je kälter das Wasser, desto höher die Leistung der Schneekanone. Und hier kommen wieder die Luftblasen ins Spiel. Durch die stetige Belüftung und Umwälzung des Wassers in den Schnei-Teichen kann das Wasser tiefstmöglich heruntergekühlt werden ohne zu gefrieren. Wird dieses sehr kalte Wasser in Form von winzigen Tröpfchen mittels der Beschneiungsanlagen nun in die Luft geblasen, kann es dank der niedrigen Wassertemperatur bereits in wenigen Sekunden zu technischem Schnee erstarren. Das Schneezentrum in Tirol leistet auf diesem Gebiet wichtige Grundlagenforschung, um die Schneeproduktion weiter zu optimieren.

Wunderschön gelegen - der Speichersee in San Martino di Castrozza.

Wunderschön gelegen - der Speichersee in San Martino di Castrozza. ©Demaclenko

 

Übrigens: Das Wasser wird nicht „verbraucht“ oder „geht verloren“, vielmehr wird es in Form von Schnee über den Winter zwischengespeichert und fließt im Frühjahr mit der Schneeschmelze wieder zurück in den Boden und landet schließlich wieder in unserem blubbernden Speicherteich.

In diesem Speicherteich am Stubaier Gletscher kann man deutlich die aufsteigenden Luftblasen erkennen.

In diesem Speicherteich am Stubaier Gletscher kann man deutlich die aufsteigenden Luftblasen erkennen.

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