Kleine Geschichte einer Materialseilbahn

Auch im 100. Betriebsjahr noch topfit

Leimen, das ist ist eine kleine Stadt im Nordwesten Baden-Württembergs. Genauso wie das etwa 3 km entfernte Nußloch. Dazwischen verkehrt wacker eine Materialseilbahn. Bereits seit 100 Jahren befördert diese täglich 4.000 bis 5.000 Tonnen Steine zwischen den beiden Gemeinden. Dabei sind einige Teile der Bahn sogar noch älter und blicken auf eine bewegte Geschichte zurück.

Das Werk in Leimen (1909).

Das Werk in Leimen (1909). ©HC-Archiv

Eine Materialseilbahn als wichtiges Bindeglied

Im Jahre 1895 wurde das Heidelberger Portland-Cement-Werk von Heidelberg nach Leimen verlegt. Dort fand man allerdings nicht ausreichend kalkreiches Gestein, den essenziellen Grundstoff des Zements. Die Steinbrüche in Nußloch hingegen lieferten mit ihrem hochprozentigen Kalkgestein den perfekten Rohstoff. Doch wie sollte man diesen nun von A nach B befördern? Eine Materialseilbahn war die günstigste Lösung.

Die Seilbahn beim Zementwerk in Leimen (um 1918).

Die Seilbahn beim Zementwerk in Leimen (um 1918). ©HC-Archiv

Die Bahn wurde 1913-1916 errichtet, 1917 in Betrieb genommen und 1955 komplett erneuert. Zu Beginn beförderte ein ständig umlaufendes Zugseil die Loren auf einer eine Gesamtlänge von 5.363 Metern über 63 Stahlbetonstützen. Schon damals funktionierte der Betrieb selbstständig. Die Loren indessen mussten von Arbeitern befüllt und in die Kuppelstation geschoben werden. Laut HC-Archiv konnten die aus heutiger Sicht relativ kleinen Loren damals jeweils ca. 350 kg Gestein mit einer Stundenleistung von ca. 50 t transportieren.

Arbeiter an der Abfüllschnauze im Verladestollen in Nußloch (um 1935).

Arbeiter an der Abfüllschnauze im Verladestollen in Nußloch (um 1935). ©HC-Archiv

Die Vorzüge einer Materialseilbahn

Schon vor rund 100 Jahren erkannte man die Seilbahn als kostengünstiges, einfaches und zweckmäßiges Transportmittel. So praktisch war die Bahn, dass sie Ende der 1930er Jahre echt Kapazitätsprobleme bekam. Es wurde also über den zusätzlichen Transport mit der Bahn verhandelt und sogar der Bau einer zweiten Seilbahn wurde ins Auge gefasst.

„Leider hat sich für die Zementindustrie inzwischen die Versorgung mit Arbeitskräften und mit Eisen derartig verschlechtert, dass wir uns gezwungen sahen, das Projekt bis auf weiteres zurückzustellen. Sobald dasselbe wieder aufgenommen werden kann, werden wir uns wieder mit Ihnen in Verbindung setzen.“ (Quelle: HC-Archiv)

So musste Dr. Ehrhart Schott 1940 im Angesicht des zweiten Weltkriegs seine Pläne vorerst begraben. 1942 wurde die bestehende Bahn aber immerhin verlängert.

Die 1950er - 80er Jahre

Mit einer Bauzeit von insgesamt zehn Jahren wurde die alte Bahn ab Ende 1950 sukzessive erneuert und die Kapazität verdoppelt. Im November 1963 schließlich fand die erste Probefahrt der komplett umgebauten Bahn statt.

Die neue Seilbahn mit den größeren Loren und die Kurvenstation (1964).

Die neue Seilbahn mit den größeren Loren und die Kurvenstation (1964). ©HC-Archiv

Die bisherige Transportkapazität konnte in Folge von 80 t/h auf 190 - 250 t/h erhöht werden. Die automatische Einstellung und die Justierung der technischen Feinheiten erleichterten zudem den täglichen Betrieb der neuen Seilbahn. Die Transportleistung konnte Ender der 80er Jahre sogar noch einmal auf 360 t/h gesteigert werden.

Die Materialseilbahn Leimen - Nußloch heute

Dass die Materialseilbahn - wenn auch manches Mal etwas laut und rumpelig - untrennbar mit der Landschaft und den Bewohnern verbunden ist, zeigt eine schöne Aktion zum 100-jährigen Jubiläum des Zementwerkes. Rund 200 Schüler bemalten dazu 50 Gondeln mit unterschiedlichen Motiven. Von der ursprünglichen Bahn ist heute nur noch die Trasse erhalten.

Eine bemalte Lore (2005).

Eine bemalte Lore (2005). ©HC-Archiv

Das HC-Archiv beschreibt die Besonderheit mit der ungewöhnlichen Länge und der einzigartigen Kurvenstation, an der die Kipploren auf Schienen fahren. Die 265 Loren laufen mit einer Geschwindigkeit von ca. 10 km/h und transportieren ca. 2.000 kg Material pro Wagen. Dies entspricht einer täglichen Menge von 4.000 bis 5.000 Tonnen Gestein.

So schweben die Loren der Materialseilbahn von HeidelbergCement heute viel leiser und beinahe unmerklich über die Köpfe der Nußlocher und Leimer BürgerInnen - und das soll auch die nächsten Jahre noch so bleiben.

Die Seilbahn in Leimen (2005).

Die Seilbahn in Leimen (2005). ©HC-Archiv

Beitragsbild: Die Seilbahn an der Zementwerksstraße in Leimen. ©HC-Archiv

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