Schräg nach oben – Teil I

Alternativ und kurios durch die Vertikalen der Städte

Ich stehe auf der Karlsbrücke in Prag, um mich herum - kein Gedränge, es ist schon spät am Abend und die meisten Touristen sitzen in einem Restaurant beim Abendessen oder trinken ein "pivo", also ein Bier, in einer der zahlreichen Kneipen. Ich hingegen genieße die Ruhe, die frische Abendluft und den Blick über die Stadt. Ganz schön viele Hügel, fällt mir dabei auf.

Wo viele Hügel, da viele Schrägaufzüge

Einer dieser Hügel, eher ein Berg, zieht mich dabei besonders in den Bann: der Petřín. Auf seinem Gipfel (immerhin 327 m) steht doch tatsächlich der Eiffelturm. Zugegebnermaßen nicht der echte aus Paris, aber doch eine verkleinerte Nachbildung. Von der Plattform des 63.5 m hohen Turmes lässt sich ein wunderbarer Ausblick über ganz Prag genießen, denke ich mir.

Schrägaufzug auf den Petřín in Prag.

Schrägaufzug auf den Petřín in Prag. ©dpp

Und so beschließe ich am nächsten Morgen, den Aussichtsturm Petřín zu erklimmen. Ich werde natürlich die Stufen gehen und nicht den Aufzug nehmen, doch dafür gönne ich mir eine Fahrt mit der Petřín-Standseilbahn auf den Berg. Die Bahn wurde bereits 1891 zusammen mit dem kleinen Eiffelturm als Wasserballastbahn eröffnet. Heute fährt sie elektrisch und verfügt über eine Besonderheit für Standseilbahnen: Anstelle von zwei hat sie sogar drei Haltestationen: Die Talstation „Újezd“, die Mittelstation „Nebozízek“ und die Bergstation „Petřín“.

Oben angekommen lese ich in meinem schlauen Buch, dass es einen weiteren Schrägaufzug in der Stadt gibt. Der ist allerdings ein bisschen versteckt gelegen und im Stadtteil Smìchov zu finden: Er verbindet seit 1996 die Gebäude des Hotels Mövenpick. Zwei elektrisch angetriebene Drahtseile befördern die einzige, im 45° Winkel montierte Kabine zwischen den beiden Stationen 51 Meter nach oben. Vorbeischauen lohnt sich, denn jeder kann diese Bahn benutzen und oben im Gartenrestaurant einen leckeren Kaffee und die tolle Aussicht genießen!

Seilbahn zum Mövenpick Hotel in Prag.

Seilbahn zum Mövenpick Hotel in Prag. ©DOPPELMAYR

Und tatsächlich gab es früher einmal noch eine dritte Bahn dieser Art. Sie verkehrte auf den Letná-Hügel - heute weithin sichtbar durch das Metronom, das 1991 anstelle des 1962 zerstörten Stalin-Denkmals als Kunstinstallation errichtet wurde. Genau wie die Standseilbahn auf den Petřín wurde die Letná-Standseilbahn 1891 eröffnet, allerdings im Zuge des Ersten Weltkrieges stillgelegt und nie wieder in Betrieb genommen.

Alternativ und kurios durch die Vertikalen der Städte

Jetzt hat mich die Neugier gepackt - wo auf der Welt verstecken sich wohl weitere solcher kleiner "Schätze"? Ich mache mich also auf die Suche - und werde erst einmal am anderen Ende der Welt fündig. Und zwar in Val­pa­raíso in Chile. In der malerischen Stadt geht es nicht gerade eben zu und so ist es wohl kein Wunder, dass die Menschen neben den zahlreichen Treppen schon bald nach bequemeren Lösungen suchten. So wurden die "Ascensores" – Schrägaufzüge überall gebaut. Von den seit 1883 mehr als 30 errichteten Anlagen sind heute noch 15 erhalten, Anfang 2017 waren neun davon in Betrieb.

Ein gutes Stück weiter nördlich befindet sich im Regierungssitz Boliviens La Paz ein weiterer sehenswerter Schrägaufzug. Hier entsteht derzeit das weltweit grösste urbane Seilbahnnetz, der Schrägaufzug dient als Zubringer zu einer Seilbahnstation und wurde 2015 fertiggestellt.

Schrägaufzug in La Paz, im Hintergrund die Seilbahn.

Schrägaufzug in La Paz, im Hintergrund die Seilbahn. ©Inauen-Schätti AG

Aber auch für spektakuläre Einsatzgebiete eignen sich die Schrägaufzüge hervorragend, wie das Moses Mabhida Sky Car auf dem Stadion im südafrikanischen Durban beweist. Das Dach des 70.000 Zuschauer fassenden Stadions wird von einer 110 Meter und 30 Stockwerke hohen Dachträgerkonstruktion aufgespannt. Mit einer Standseilbahn gelangt man zu einer Aussichtsplattform, die als höchster Punkt der Stadt einen fantastischen Ausblick bis zum Meer eröffnet.

Paris, mon amour...

Von Südafrika geht es wieder zurück nach Europa in bekanntere Gefilde. Welche Stadt, wenn nicht Paris, könnte noch einen weiteren nostalgischen Schrägaufzug zu bieten haben! Wer an Paris denkt, denkt unweigerlich an die Stadt der Liebe, den Eiffelturm und natürlich an den Hügel Montmartre. Die Kuppe ist mit 130 Metern Höhe nicht nur der höchste Punkt der Stadt, sondern auch der Standpunkt der weltbekannten Basilika Sacré-Cœur. Eine Treppe führt zu diesem malerischen Aussichtspunkt und seit 1900 auch ein Schrägaufzug, genannt "Funiculaire de Montmartre". 1991 wurde die Anlage mit ihren zwei Kabinen komplett erneuert und berfördert seitdem bis zu 2.000 Passagiere pro Stunde und Richtung. Das spacige Design der Wagen stammt übrigens von Designer Roger Tallon. Also noch ein Grund für einen baldigen Besuch in Paris ...

Funiculaire de Montmartre in Paris.

Funiculaire de Montmartre in Paris. ©RATP – Denis Sutton

Meine Reise ins Reich der kleinen Schrägaufzüge ist damit noch lange nicht beendet - im zweiten Teil zeige ich euch noch mehr Ziele, in die es sich lohnt einzusteigen. Außerdem geht es dann um die "harten Fakten" rund um den Schrägaufzug!

>>> Weiterlesen.

Titelbild: Moses Mabhida Sky Car auf dem Stadion in Durban, Südafrika. ©DOPPELMAYR

 

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