Schräg nach oben – Teil II

Schräglage für Touristen, Sportler und Städter

Im ersten Teil habe ich euch ja schon einige kuriose Schrägaufzüge vorgestellt - zum einen mit langer Geschichte, zum anderen Hightech am Stand der Technik. Faszienierend sind sie irgendwie alle, denn im Vergleich zu Bus, Bahn oder Tram bleibt die Benutzung einer Seilbahn in jeglicher Form doch immer ein echtes Erlebnis.

Dabei trifft man neben den bekannten Seilbahnen immer häufiger auf Schrägaufzüge. Und zwar nicht nur in Skigebieten oder bei Skisprungschanzen, sondern allen voran im städtischen Kulturraum. Sei es, um Burgen oder Aussichtspunkte zu erschließen, hügelige Stadtlandschaften anzubinden oder in private Residenzen oder Hotels zu gelangen. Doch warum ist das so?

Scheinbar unsichtbar schmiegt sich der Schrägaufzug am Schlossberg Schwarzenberg in die Historie.

Scheinbar unsichtbar schmiegt sich der Schrägaufzug am Schlossberg Schwarzenberg in die Historie. ©Inauen-Schätti AG

Die Attraktivität der Schrägaufzüge

Der Schrägaufzug ermöglicht es in besonderem Maße, eben genannte topografisch herausfordernde Orte wirtschaftlich, komfortabel und barrierefrei zu erschließen. Im Gegensatz zum Aufzug sind die Führungsschienen des Schrägaufzugs sowohl gegenüber der Senkrechten wie der Waagrechten um mehr als 15° geneigt. Die besonderen Vorteile des Schrägaufzuges liegen im Folgenden:

  • Anbindung an größere Transportsysteme wie Bahn u. Ä.
  • Barrierefreier Tür-zu-Tür Transport
  • Niedrige Betriebs- und Wartungs-/ Lebenszykluskosten
  • Zugänglichkeit für Personen mit Gepäck oder Kinderwagen
  • Leiser und komfortabler Betrieb
  • Geringer Personal- und Energieaufwand
  • Geringer Platzbedarf bei den Stationsgebäuden
  • Umweltfreundliche, bodennahe Fahrbahnführung möglich
  • Hohe Windstabilität

Von der Theorie in die Praxis

Doch wie sehen sie heute also aus, diese mordernen Transportmittel für den Alltag? Zum Beispiel so wie in Le Locle in der Schweiz. Seit 2014 verbindet die Anlage die Innenstadt mit dem Bahnhof, der früher nur beschwerlich über eine lange Treppe zu erreichen war. Heute bringt der Schrägaufzug mit monatlich rund 15.000 Fahrten Reisende und Anwohner bequem ins Zentrum und zurück. Gerade für Schwerbepackte, Familien, Ältere, Behinderte und sonst motorisch eingeschränkte Personen ein hoher Gewinn an Zeit und Lebensqualität.

Elegant vom Bahnhof ins Stadtzentrum von Le Locle.

Elegant vom Bahnhof ins Stadtzentrum von Le Locle. ©Inauen-Schätti AG

2016 ging der Schrägaufzug Webermühle in Wettingen in der Schweiz in Betrieb. Auch er verbindet den Bahnhof und eine Wohnsiedlung mit rund 360 Wohnungen. In der Nacht wird die Anlage mit dem Wohnungsschlüssel bedient. So können 19 Höhenmeter von acht Personen zugleich in kürzester Zeit überwunden werden.

Der Schrägaufzug Wettingen Webermühle ist seit 2016 in Betrieb.

Der Schrägaufzug Wettingen Webermühle ist seit 2016 in Betrieb. ©Inauen-Schätti AG

Ein besonderes Fahrvergnügen bietet der Schrägaufzug Bärenpark in Bern. Die Fahrspur verläuft dabei an der Stützmauer des Bärengeheges - und zwar innerhalb. So ergeben sich bei der Auffahrt spektakuläre Aussichten auf die badenden Bären im Zoo. Zwei Besonderheiten sind der Frontzustieg sowie die leichte Neigungsänderung, welche die Schienen immer weit genug über die Tatzen der Bären führt. 75.000 Fahrten pro Jahr belegen wie beliebt diese Bahn ist.

Bärige Aussichten aus dem Schrägaufzug beim Bärenpark in Bern.

Bärige Aussichten aus dem Schrägaufzug beim Bärenpark in Bern. ©Inauen-Schätti AG

Noch ein schönes Beispiel für eine gelungene Revitalisierung in der Schweiz ist das Château Gütsch hoch über Luzern. Das Hotel, Wohnungen sowie das Naherholungsgebiet Gütschwald sind erst seit 2015 nach achtjähriger Betriebspause wieder per Schrägaufzug zu erreichen. Die Bewohner und Touristen freut's: Die modernisierten Anlagen sind nämlich Teil des städtischen ÖV Netzes und somit als öffentliche Personentransportanlagen konzessioniert. So kann beim Einkauf 82 Meter weiter unten ruhig wieder mehr in den Wagen wandern.

Kultur- und Stadterlebnis für alle

Gerade hügelige Städte bieten oftmals wundervolle Aussichtsplätze, sehenswerte Burgen und Schlösser und versteckte Winkel über den Dächern der Stadt. Doch hinkommen müsste man erst einmal und Zeit und Puste sind sowohl im Alltag wie auch im Urlaub oft knapp. Immer mehr Städte entdecken daher die Vorzüge der schrägen Beförderungsmittel für sich.

Per Schrägaufzug auf Tbilisis Hausberg Mtatsminda.

Per Schrägaufzug auf Tbilisis Hausberg Mtatsminda. ©DOPPELMAYR

In Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, ist der Ausblick vom Hausberg Mtatsminda besonders schön. Seit 2012 führt eine Standseilbahn von der Stadt 235 Meter nach oben zum perfekten Panorama. 750 Personen können pro Stunde befördert werden. Dabei wurden die bestehenden Stationsgebäude im Stil der Jahrhundertwende renoviert und in das neue Konzept raffiniert einbezogen.

Auch "Ljubljanski Grad", die Burg von Ljubljana in der Hauptstadt Sloweniens, wird seit 2006 mit einem spektakulären Schrägaufzug erschlossen, der dank Rundumverglasung schon bei der Auffahrt herrliche Blicke über die ganze Stadt gewährt. Die mächtige mittelalterliche Festung ist Wahrzeichen, Erholungsort und Kulturstätte zugleich und zieht neben zahlreichen Touristen auch die Einheimischen an, die hier gerne Spazieren und sich die Zeit vertreiben. Die 70 Höhenmeter von der Stadt können natürlich auch zu Fuß bewältigt werden - doch dafür ist das Erlebnis der Fahrt dann doch viel zu einmalig ...

>>> Zum ersten Teil des Beitrags.

Titelbild: Schrägaufzug in Ljubljana. ©DOPPELMAYR

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben