SEILBAHN-BETRIEBSSYSTEME

Die Seilbahn in ihren verschiedenen Betriebsformen ist das wichtigste Verkehrsmittel zur Erschließung der Bergwelt geworden. Von der ersten Seilbahn für Personenbeförderung, die von Bozen nach Kohlern 1908 in Betrieb genommen wurde, hat sich die Seilbahntechnik in Komfort, Leistung und Sicherheit bis heute technisch hoch entwickelt.

Seilbahn Bozen-Kohlern

Seilbahn Bozen-Kohlern ©Autonome Provinz Bozen Südtirol

PENDELBAHNEN

Pendelseilbahn
Die Fahrzeuge (Kabinen) werden auf fixem, ruhendem Tragseil mit einem Zugseil im Pendelbetrieb von der Tal- zur Bergstation auf und ab bewegt. Ein- und ausgestiegen wird bei stehenden Fahrzeugen. Das System fährt nur mit 2 Kabinen. Bei neuen Anlagen mit großen Fahrzeugen wird das Tragseil gedoppelt, wobei V-förmige „Seilreiter“ den Abstand der Tragseile sicherstellen und zugleich eine Führung des Zugseils bilden.

Pendelseilbahn Systemzeichnung ©Johanna Putzer | Pendelseilbahn mit doppeltem Tragseil.

Pendelseilbahn Systemzeichnung ©Johanna Putzer | Pendelseilbahn mit doppeltem Tragseil. ©DOPPELMAYR

Standseilbahn
Die Standseilbahn gleicht im Betrieb der Pendelbahn - mit dem Unterschied, dass die Tragseile durch Schienen ersetzt werden. Das Zugseil wird am Boden zwischen den Schienen geführt. Die Schienen sind auf ein Schienenpaar beschränkt, wobei die Kabinen in der Mitte des Laufes über eine Weiche aneinander vorbeigeführt werden. Standseilbahnen erreichen gegenüber den Seilschwebebahnen auf Grund höherer Fahrtgeschwindigkeit und größerem Fassungsvermögen der Fahrzeuge höhere Beförderungskapazitäten, sind aber nur für kürzere Strecken geeignet. Der Trassenbau setzt eine gleichmäßige Hangneigung voraus und erfordert einen größeren technischen Aufwand.

Systemzeichnung | Standseilbahn

Standseilbahn Systemzeichnung ©Johanna Putzer | Standseilbahn ©DOPPELMAYR

UMLAUFBAHNEN

Einseil-Umlaufbahn
Das Tragseil ist zugleich Zugseil und bewegt die aufgeklemmten Fahrzeuge (Schleppteller, Sessel, Gondeln) rundum von der Tal- zur Bergstation. Bei der Version mit fix aufgeklemmten Fahrzeugen erfolgt der Ein- und Ausstieg bei voller Betriebsgeschwindigkeit. In der Version mit kuppelbaren Fahrzeugen werden diese in den Stationen abgeklemmt, zum Ein- und Aussteigen langsam bewegt (0,5 m/s) und dann wieder auf das schnelle Umlaufseil (6,0 m/s) aufgeklemmt.

Systemzeichnung | Einseil-Umlaufbahn

Einseil-Umlaufbahn Systemzeichnung ©Johanna Putzer | Einseil-Umlaufbahn ©DOPPELMAYR

Bei der Einseil-Umaufbahn mit doppeltem Seil wird die Förderleistung durch größere Fahrzeuge gesteigert. Das Trag-/Zugseil wird verdoppelt. Die zwei Seile werden in einem Abstand von 1-3 m geführt. Die technische Herausforderung besteht darin, die beiden Seile exakt synchron laufen zu lassen. Dafür wurde das französische System DMC und das österreichische System DLM entwickelt. Diese Seilschwebebahnen erreichen die höchsten Förderleistungen  (3.500 – 5.000 Pers/h).

Zweiseil-Umlaufbahn
Im Unterschied zur Einseil-Umlaufbahn sind Trag- und Zugseil voneinander getrennt. Die Fahrzeuge (Sessel, Gondeln, Kabinen) werden mit Rollwagen auf fixen, ruhenden Tragseilen durch ein umlaufendes Zugseil bewegt. In den Stationen werden die Fahrzeuge zum Ein- oder Aussteigen auf ein langsam laufendes Fördersystem abgekuppelt und anschließend wieder auf das schnell laufende Streckenseil aufgekuppelt.

Systemzeichnung | Zweiseil-Umlaufbahn

Zweiseil-Umlaufbahn Systemzeichnung ©Johanna Putzer | Zweiseil-Umlaufbahn ©DOPPELMAYR

Wie bei der Einseil-Umlaufbahn wird auch bei der Zweiseil-Umlaufbahn die Förderleistung durch die Verdoppelung des Tragseils deutlich erhöht. Die sogenannte 3S-Bahn ist ein Umlaufbahnsystem mit zwei Tragseilen und einem Zugseil. Die Betriebssysteme mit doppeltem Tragseil haben nicht nur größere Förderkapazitäten sondern auch eine größere Windstabilität. Daher eignen sie sich besonders für hochalpine Anlagen.

3S-Bahn

3S-Bahn ©DOPPELMAYR

Die kuppelbare Seilklemme
Bei den kuppelbaren Umlaufbahnen werden die Fahrzeuge nach der Stationseinfahrt vom laufenden Seil abgekuppelt. Dadurch ist es möglich, die Geschwindigkeit der Fahrzeuge für das Ein- und Aussteigen zu reduzieren. Nach dem Einstiegsbereich wird das Fahrzeug wieder auf die Bahngeschwindigkeit beschleunigt und an das Seil angekuppelt. Wesentliches Konstruktionselement ist die kuppelbare Klemme, die das Fahrzeug mit dem Seil verbindet. Dabei wird die Klemmkraft über ein vorgespanntes Federsystem auf das Seil übertragen. Bei der Stations-Ein- und -Ausfahrt durchfährt die Klemme eine Kuppelschiene, die die Klemme am Anfang vom Seil löst und am Ende wieder anschließt.

Moderne Kuppelklemme der Fa. LST, Teil der MND-Gruppe.

Moderne Kuppelklemme der Fa. LST, Teil der MND-Gruppe. ©Fa. LST


Technik in den Alpen von Elfi Fritsche-Johanna Putzer-Josef Putzer_Folio-VerlagJosef Putzer
Der Blogbeitrag nimmt Bezug auf das Buch „Technik in den Alpen“, welches im Folio-Verlag Wien/Bozen erschienen ist. Die Autoren: Elfi Fritsche, Johanna Putzer, Josef Putzer. Dieses Jugendsachbuch ist auf der Leipziger Buchmesse für den Deutschen Jugendbuchpreis 2017 nominiert worden.

Titelbild: Einseil-Umlaufbahn mit doppeltem Seil. ©DOPPELMAYR

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