Seilbahn mit System (III)

Formen von Luftseilbahnen

Ebenfalls gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich neben der bodenabhängigen Standseilbahn mit der Luftseilbahn noch eine zweite wesentliche Seilbahnart. Luftseilbahnen lassen sich zunächst grundsätzlich hinsichtlich ihrer Betriebsform unterscheiden. Eine Teilmenge bilden daher Luftseilbahnen, deren Fahrzeuge zwischen Tal- und Bergstation hin und her pendeln (Pendelbetrieb). Das Gegenstück hierzu stellen Umlaufbahnen dar, bei denen die Fahrzeuge an einem umlaufenden Seil befestigt sind, das sich stets in die gleiche Richtung bewegt (Umlaufbetrieb).

Luftseilbahnen mit Pendelbetrieb

Beim Pendelbetrieb befährt das Fahrzeug, in aller Regel eine Kabine, immer nur eine Fahrstrecke. Beim Umlaufbetrieb existiert eine Fahrstrecke für jede Richtung, welche beide von den einzelnen Fahrzeugen befahren werden. Luftseilbahnen mit Pendelbetrieb bezeichnet man der Einfachheit halber als Pendelbahnen, solche mit Umlaufbetrieb als Umlaufbahnen.

Pendelbahn mit Meerblick: Žicara – CableCar Dubrovnik, Kroatien.

Pendelbahn mit Meerblick: Žicara – CableCar Dubrovnik, Kroatien. ©DOPPELMAYR

Luftseilbahnen können weiter unterteilt werden in Einseil- und Zweiseilbahnen. Diese Unterscheidung rührt daher, dass Luftseilbahnen immer sowohl die Zug- als auch die Tragefunktion der Fahrzeuge übernehmen. Diese beiden Funktionen müssen allerdings nicht zwingend von einem einzigen Seil übernommen werden, vielmehr besteht die Möglichkeit, die Funktionen auf mehrere Seile aufzuteilen.

Bei Einseilbahnen ist mindestens ein Seil vorhanden, das sowohl die Zug- als auch die Tragefunktion der Fahrzeuge übernimmt. In diesem Fall bezeichnet man die Seile auch allgemein als Förderseile. Davon abzugrenzen sind Zweiseilbahnen, bei denen die Zug- und Tragefunktion auf mindestens zwei Seile aufgeteilt wird. In diesem Fall spricht man nicht mehr vom Förderseil, sondern vom Zug- beziehungsweise Tragseil. Während sich das Zugseil bewegt, befindet sich das Tragseil – ähnlich wie die Schienen einer Standseilbahn – fest an einem Ort. Sowohl beim Pendel- als auch beim Umlaufbetrieb lassen sich Luftseilbahnen damit weiter unterteilen aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben, die die Seile übernehmen.

Die Kabinen der Piz Val Gronda E5 in Ischgl werden über ein separates Trag- und Zugseil geführt.

Die Kabinen der Piz Val Gronda E5 in Ischgl werden über ein separates Trag- und Zugseil geführt. ©DOPPELMAYR

Luftseilbahnen mit Pendelbetrieb

Bei Luftseilbahnen mit Pendelbetrieb lässt sich somit zunächst die Kategorie der Einseilpendelbahnen identifizieren. Bei diesen Bahnen pendeln ein oder zwei Fahrzeuge zwischen den Stationen hin und her und sind dabei an einem oder mehreren Seilen befestigt, die sowohl die Zug- als auch die Tragefunktion übernehmen. Im klassischen Fall handelt es sich dabei um ein einziges Seil. Es existiert allerdings auch eine Variante mit zwei Förderseilen. Bei dieser sind die Fahrzeuge analog zum Funitel-System bei Umlaufbahnen an zwei Förderseilen befestigt. Durch den relativ großen Abstand der beiden Seile ist die Seilbahn deutlich windstabiler als die Variante mit einem einzigen Seil.

Eine Sonderform dieser Kategorie stellen sogenannte Selbstfahrer oder Seilkletterbahnen dar. Bei diesen existiert lediglich ein Tragseil. Die Kabinen befahren das Tragseil durch einen eigenen Antrieb und somit ohne Zugseil. Das System ist allerdings heute nur noch sehr selten und meist bei Bahnen für Materialtransporte anzutreffen.

Die zweispurige Pendelbahn G-LINK Wagrain befördert die Fahrgäste von einem Berg zum anderen.

Die zweispurige Pendelbahn G-LINK Wagrain befördert die Fahrgäste von einem Berg zum anderen. ©DOPPELMAYR

Die zweite Subkategorie bilden Zweiseilpendelbahnen. Auch bei diesen pendeln die Fahrzeuge zwischen den Stationen hin und her. Die Zug- und Tragefunktion wird allerdings auf mindestens zwei Seile aufgeteilt. So existieren beispielsweise Zweiseilpendelbahnen mit je einem Zug- und einem Tragseil, solche mit einem Zug und mehreren Tragseilen, Varianten mit zwei Zugseilen und einem Tragseil (System Heckel) oder Bahnen mit je zwei Zug- und zwei Tragseilen (System Von Roll).

Eine Sonderform der Zweiseilpendelbahn ist das von der Firma Hölzl entwickelte und im Jahr 2000 erstmals eingesetzte Funifor. Dabei handelt es sich um eine besonders windstabile Variante der Zweiseilpendelbahn, bei welcher der Abstand der Tragseile größer ist als die Kabinenbreite.  Gezogen werden die Fahrzeuge von einem doppelt gelegten Zugseil, das über der Fahrspur zurückgeführt wird. Durch die Rückführung des Zugseils über der Fahrstrecke sind die Antriebe der beiden Fahrzeuge unabhängig voneinander, was auch ein unabhängiges Fahren ermöglicht.

Viel Komfort mit der Funifor Alba – Col dei Rossi im Skiareal Dolomiti Superski.

Viel Komfort mit der Funifor Alba – Col dei Rossi im Skiareal Dolomiti Superski. ©DOPPELMAYR

Luftseilbahnen mit Umlaufbetrieb

Auch bei Luftseilbahnen mit Umlaufbetrieb lässt sich wiederum zwischen Einseil- und Zweiseilbahnen unterscheiden. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal stellt die Befestigung der Fahrzeuge an den Seilen dar. Zum einen existiert hier die Variante mit festen Klemmen (fix geklemmt), zum anderen die Variante mit während des Betriebs automatisch lösbaren Klemmen (kuppelbar).

Luftseilbahnen mit Umlaufbetrieb

Einseilumlaufbahnen mit festen Klemmen sind typischerweise Sesselbahnen mit ein- bis sechsplätzigen Fahrzeugen, die in regelmäßigen Abständen am Förderseil befestigt sind. Speziell in Italien entstand Mitte des 20. Jahrhunderts aber mit dem Korblift auch noch eine weitere Variante dieser Seilbahnart. Diese Anlagen weisen in regelmäßigen Abständen Körbe für zwei Personen auf, in die der Fahrgast in den Stationen zu- und abspringt. Sind die Körbe nicht offen, sondern geschlossene Kabinen, spricht man auch von fix geklemmten Kabinenbahnen. Neben den Anlagen mit kontinuierlichen Abständen der Fahrzeuge existiert auch eine weitere Seilbahnart, bei der die Fahrzeuge zu Gruppen zusammengefasst ans Seil geklemmt werden. Diese Anlagen bezeichnet man als Gruppenumlaufbahnen. Als Fahrzeuge kommen hier in der Regel Kabinen zum Einsatz, es gibt aber beispielsweise auch eine Sonderform mit offenen Sesseln.

Gruppenumlaufbahn.

Gruppenumlaufbahn. ©Karwendel Bergbahnen

Sind die Fahrzeuge der Einseilumlaufbahnen während des Betriebs automatisch lösbar am Seil angebracht, spricht man von kuppelbaren Umlaufbahnen. Hierzu zählen die beiden weit verbreiteten Seilbahntypen der kuppelbaren Sesselbahn und der kuppelbaren Kabinenbahn, die bis zu acht- bzw. fünfzehnplätzige Fahrzeuge aufweisen. Diese sind in regelmäßigen Abständen an das einzige Förderseil geklemmt und werden in den Stationen für einen bequemeren Ein- und Ausstieg vom Seil gelöst und abgebremst.

Daneben gibt es aber auch solche Einseilumlaufbahnen, die zwei oder gar noch weitere Seile aufweisen, welche gleichzeitig Zug- wie auch Tragefunktion übernehmen. Hierzu zählen die in den 1980er Jahren entstandenen Systeme DMC (Double Monocable Creissels) und DLM (Double Loop Monocable). Beim DMC werden die Kabinen an zwei parallel geführte Förderseile geklemmt, wobei diese zwei separate Seilschlaufen bilden. Beim DLM-System wird ein einziges Seil in eine doppelte Schlaufe gelegt. Aus diesen beiden Systemen entwickelte sich später auch das Funitel-System, das ab den 90er Jahren sowohl in der DMC- als auch in der DLM-Variante populär wurde.

Höchste Stabilität durch die doppelt gelegte Seilschleife beim Funitel Prihyba-Chopok in Jasna, SVK.

Höchste Stabilität durch die doppelt gelegte Seilschleife beim Funitel Prihyba-Chopok in Jasna, SVK. ©DOPPELMAYR

Die beschriebenen Varianten der Einseilumlaufbahnen sind grundsätzlich in ähnlicher Form auch bei Zweiseilumlaufbahnen anzutreffen. Bei der Variante mit festen Klemmen existieren jedoch bis auf sehr wenige Ausnahmen nur solche Bahnen im Gruppenbetrieb. Deutlich weiter verbreitet ist die kuppelbare Variante, die ihren Ursprung bereits im 19. Jahrhundert in Form von Materialseilbahnen hatte. Bei den kuppelbaren Zweiseilumlaufbahnen lassen sich Formen mit einem Zugseil und einem Tragseil (System Bleichert / Pohlig, System Von Roll), Formen mit zwei Zugseilen und einem Tragseil (System Heckel) und Formen mit einem Zugseil und zwei Tragseilen (System Von Roll) unterscheiden. Letztere Variante wird umgangssprachlich und im Marketing auch als 3S oder Dreiseilumlaufbahn bezeichnet.

Die neue 3S Eisgratbahn von LEITNER ropeways am Stubaier Gletscher.

Die neue 3S Eisgratbahn von LEITNER ropeways am Stubaier Gletscher. ©Stubaier Gletscher

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Titelbild:  Der Skyway Monte Bianco ist eine spektakuläre Luftseilbahn im Aostatal auf die 3.500 Meter hohe Helbronner Spitze. ©DOPPELMAYR


Felix GrossFelix Gross
Aufgewachsen im Flachland im Südwesten Deutschlands zog es Felix Gross schon immer in die Berge. Seit seiner frühesten Kindheit faszinieren ihn Seilbahnen, ihre Technik und ihre Historie. Heute ist er als Fotograf und Buchautor tätig und Herausgeber des Portals www.bergbahnen.org, einer Plattform für Interessierte am Thema Seilbahnen mit Schwerpunkt in der Schweiz. Seine Freizeit widmet der studierte Wirtschaftsinformatiker dem Reisen und Entdecken - insbesondere dem Erforschen längst vergessener nostalgischer Seilbahnen von annodazumal und ihrer Geschichte. Mit Begeisterung berichtet er über seine Abenteuer auf der ganzen Welt.

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