Seilbahn mit System (IV)

Formen von Schleppliften

Die dritte wesentliche Kategorie, die unterschieden werden kann, sind die sogenannten Schlepplifte, bei denen oft auch der Begriff Skilift synonym verwendet wird. Sie entstanden im Zuge des Aufstiegs des Wintertourismus ab den 30er Jahren. Aufgrund des schnellen, wirtschaftlich lukrativen Aufschwungs in dieser Branche entstanden von zahlreichen verschiedenen Herstellern unterschiedlichste Systeme.

Schlepplifte mit niedriger Seilführung

Grundsätzlich lassen sich die einzelnen Systeme zunächst in eine hohe und eine niedrige Seilführung einteilen. Die niedrige Seilführung zeichnet sich dadurch aus, dass sich der Fahrgast entweder am Förderseil selbst, oder aber an kleinen Hilfsvorrichtungen festhält und so den Berg hinauf gleitet. Das Förderseil überwindet dabei in der Regel keine Zwischenstützen, weswegen sich diese preisgünstige Art der Seilbahn nur für kurze Hänge mit gleichbleibender Neigung eignet. Je nach Hersteller werden diese Anlagen als Seillifte, Ponylifte oder RopeTows bezeichnet.

Comfort Star - Schlepplift mit niedriger Seilführung und drehbaren Tellern.

Comfort Star - Schlepplift mit niedriger Seilführung und drehbaren Tellern. ©SUNKID

Im Gegensatz dazu weist die hohe Seilführung Zwischenstützen mit Rollen auf. Aus diesem Grund können sich die Fahrgäste nicht direkt am Förderseil festhalten, weswegen hier ausziehbare Bügel oder Teller zum Einsatz kommen, die den Gast befördern. Speziell in den Anfangsjahren des Skitourismus fanden sich zahlreiche technisch sehr unterschiedliche Systeme. Die österreichische Firma Stemag entwickelte ein preisgünstiges Schleppliftsystem, bei dem zwei Bügel zwischen Tal- und Bergstation pendelten. Ein kurioses System entstammte der Firma Wullschleger. Dieses Schleppliftsyste sah Stützen vor, die fest am umlaufenden Förderseil befestigt waren und  auf Kufen im Schnee fuhren. Der Fahrgast musste sich an diesen Stützen festhalten.

Schlepplifte mit hoher Seilführung

Die beiden populär gewordenen Schleppliftkategorien sind Anlagen mit fest am Förderseil befestigten Schleppgehängen und solche mit lösbaren Gehängen. Erstere Kategorie geht auf Ideen des Schweizer Konstrukteurs Ernst Constam zurück, der 1934 den ersten Bügelschlepplift der Welt nach diesem System einweihen konnte. Zahlreiche Abwandlungen anderer Konstrukteure entstanden fortan. Allen voran zu nennen ist ein vollständig kurvengängiges System der Firma Küpfer, das zwei parallel geführte Förderseile aufweist. Die zweite genannte Kategorie mit lösbaren Klemmen wurde vor allem durch die französische Firma Poma populär. Bei diesem System können die Tellerstangen in der Talstation gesammelt werden und werden erst bei Bedarf automatisch ans Förderseil geklemmt. Ein ähnliches System entwickelte auch der Schweizer Béda Hefti in den 1930er Jahren. Diese sogenannten Gurtenschlepplifte starben jedoch bereits in den 70er Jahren desselben Jahrhunderts wieder aus.

Schlepplift mit hoher Seilführung.

Schlepplift mit hoher Seilführung. ©DOPPELMAYR

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Titelbild: Der Seekarlift ist ein klassischer Schlepplift mit T-Bügel. ©DOPPELMAYR


Felix GrossFelix Gross
Aufgewachsen im Flachland im Südwesten Deutschlands zog es Felix Gross schon immer in die Berge. Seit seiner frühesten Kindheit faszinieren ihn Seilbahnen, ihre Technik und ihre Historie. Heute ist er als Fotograf und Buchautor tätig und Herausgeber des Portals www.bergbahnen.org, einer Plattform für Interessierte am Thema Seilbahnen mit Schwerpunkt in der Schweiz. Seine Freizeit widmet der studierte Wirtschaftsinformatiker dem Reisen und Entdecken - insbesondere dem Erforschen längst vergessener nostalgischer Seilbahnen von annodazumal und ihrer Geschichte. Mit Begeisterung berichtet er über seine Abenteuer auf der ganzen Welt.


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