Seilbahn mit System (I)

Klassifizierung von Seilbahnen nach technischen Gesichtspunkten

In über 150 Jahren Seilbahnbau haben sich zahlreiche verschiedene Seilbahnsysteme etabliert. Luftseilbahnen, Skilifte, Sesselbahnen – die Systeme unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Technik teilweise sehr deutlich. In der Umgangssprache werden Bezeichnungen für diese einzelnen Seilbahntypen gerne vermischt und nicht konsistent verwendet. Die folgende Klassifizierung soll daher einen Überblick über die unterschiedlichen Seilbahntypen geben und eine stringente Einordnung der Systeme ermöglichen.

Klassifizierung in drei Hauptkategorien

In ihrer Grundform lassen sich Seilbahnen bezogen auf die Art der Beförderung in drei wesentliche Kategorien einteilen. Zum einen sind dies Standseilbahnen, also solche Seilbahnen, die sich während des Transports von Waren oder Personen durch eine bodengeführte Trassierung auszeichnen. Zur Beförderung der Personen kommen Wagen zum Einsatz, welche zwar von einem Seil gezogen werden, die Tragefunktion übernehmen aber entweder Schienen oder gar der Boden selbst.

Die Standseilbahn am Lac d'Emosson ist die steilste öffentliche öffentliche Standseilbahn der Schweiz.

Die Standseilbahn am Lac d'Emosson ist die steilste öffentliche öffentliche Standseilbahn der Schweiz. ©DOPPELMAYR

Dem gegenüber stehen Luftseilbahnen, die genau gegensätzlich eine bodenunabhängige Trassierung besitzen. Hier übernimmt das Seil nicht nur die Zug- sondern auch die Tragefunktion der Fahrzeuge, die die Personen befördern.

Als eine dritte Kategorie lassen sich Schlepplifte identifizieren, welche Bestandteile der beiden vorangegangenen Kategorien vereinen. Zwar weisen auch Schlepplifte wie Luftseilbahnen eine grundsätzlich bodenunabhängige Trassierung mit Zwischenstützen auf, allerdings besitzt das Förderseil wie bei Standseilbahnen nur eine Zugfunktion. Die Fahrgäste gleiten, gezogen von einer Schleppvorrichtung oder dem Förderseil selbst, mit Wintersportgeräten über den Boden, der im weiteren Sinne die Tragefunktion übernimmt.

Zweckbezogene Klassifizierung von Seilbahnen

Neben der technischen Klassifizierung lassen sich Seilbahnen auch hinsichtlich ihres Einsatzzwecks unterscheiden. Grundsätzlich können Seilbahnen in solche Anlagen unterteilt werden, die primär für Warentransporte gedacht sind und solche, die vornehmlich dem Personentransport dienen.

Personentransport

Bei Seilbahnen für Warentransporte lassen sich klassische Materialseilbahnen und Lawinensprengbahnen unterscheiden. Lawinensprengbahnen werden in Wintersportgebieten eingesetzt, um an lawinengefährdeten Hängen kontrollierte Lawinensprengungen durchzuführen. Materialseilbahnen finden sich dagegen in vielen Domänen. Hierbei handelt es sich häufig um Luftseilbahnen, die Transporte in unwegsamem Gelände ermöglichen.

Warentransport

Weite Verbreitung findet die Seilbahn auch für Personentransporte. Ihren Ursprung hatte die Seilbahn als innerstädtisches Verkehrsmittel, insbesondere in Form der Standseilbahn ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Seit etwa einem Jahrzehnt werden aber auch Luftseilbahnen, speziell kuppelbare Umlaufbahnen, in Städten immer häufiger als Verkehrsmittel für den Personennahverkehr erstellt und eingesetzt. Grund hierfür sind die meist völlig überlasteten bodenabhängigen Verkehrswege in Großstädten. Ganze Seilbahnnetze sind beispielsweise bislang in algerischen Städten entstanden oder werden derzeit gebaut, wie beispielsweise in der bolivianischen Hauptstadt La Paz.

Die Ha Long Queen-Pendelbahn befördert stündlich bis zu 2.000 Personen über die Ha Long Bucht in Nordvietnam.

Die Ha Long Queen-Pendelbahn befördert stündlich bis zu 2.000 Personen über die Ha Long Bucht in Nordvietnam. ©DOPPELMAYR

Bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Seilbahnen auch häufig als Transportmittel auf Messen oder in Freizeitparks eingesetzt. Diese meist temporär aufgestellten Anlagen dienen dazu, wichtige Punkte auf Ausstellungen, in Parks oder in Zoos zu verbinden. Eine in Deutschland bekannte Anlage dieser Kategorie ist die 2010 eröffnete Rheinseilbahn in Koblenz, die zur Bundesgartenschau 2011 erbaut wurde.

Nach wie vor die größte Verbreitung finden Seilbahnen aber zur Erschließung im Gebirge. Hierbei lässt sich unterscheiden zwischen Seilbahnen, die ganzjährig für den Personentransport im Einsatz sind und solchen, die lediglich dem Wintersport dienen. Bei letzterer Kategorie lässt sich weiterhin unterscheiden, ob eine Seilbahn primär als Zubringer in ein Wintersportgebiet dient oder ob sie in erster Linie Pisten für Wiederholungsfahrten erschließt. In letzterem Fall spricht man von einer Beschäftigungsanlage.

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Beitragsbild: Schwerlastbahn von Doppelmayr / Garaventa für Einzellasten bis 40 t Förderleistung.  ©DOPPLEMAYR


Felix GrossFelix Gross
Aufgewachsen im Flachland im Südwesten Deutschlands zog es Felix Gross schon immer in die Berge. Seit seiner frühesten Kindheit faszinieren ihn Seilbahnen, ihre Technik und ihre Historie. Heute ist er als Fotograf und Buchautor tätig und Herausgeber des Portals www.bergbahnen.org, einer Plattform für Interessierte am Thema Seilbahnen mit Schwerpunkt in der Schweiz. Seine Freizeit widmet der studierte Wirtschaftsinformatiker dem Reisen und Entdecken - insbesondere dem Erforschen längst vergessener nostalgischer Seilbahnen von annodazumal und ihrer Geschichte. Mit Begeisterung berichtet er über seine Abenteuer auf der ganzen Welt.

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