Seilbahnen damals und heute (4)

Früher war alles besser?

Es ist ein allzu bekanntes Phänomen, dass sich beim Blick in die Vergangenheit die Sicht auf die Dinge reichlich verklärt. Was ja auch gut ist. Die kratzigen Wollpullover und engen Schalmützen finden wir heute schick und irgendwie retro. Der Skizipper war total cool, aber nur in den angesagten Farben. Dass die Liftkarte entweder bei der Auffahrt verknickte oder bei der Abfahrt unangenehm im Gesicht klebte – wenn sie nicht gleich davonflatterte – gehörte schließlich zum Abenteuerfeeling dazu. Und die zentimeterdick aufgetragene Sonnenschutzpaste? – war ein Muss, haben wir aber eigentlich nie gebraucht, hat ja schließlich immer geschneit!

RFID-Technologie im Skigebiet-Berührungsloser Zutritt heute und 1987.

RFID-Technologie im Skigebiet-Berührungsloser Zutritt heute und 1987. ©SKIDATA

Denken wir heute an unsere Kindheit zurück, ist eines sicher: Es lag so viel Schnee wie nie mehr danach. Man konnte damals gefahrlos vom Balkon des ersten Stockes in den Garten springen. Und das den gesamten Winter über. Gefühlt zumindest. Ganze Tunnelsysteme wurden ohne größere Anstrengungen in die am Straßenrand aufgetürmten Schneeberge gegraben. Und beim Skifahren gab es immer (!) reichlich unverspurten Tiefschnee. Unsere Eltern und Großeltern unterstreichen diese Thesen stets eifrig nickend.

Das Jetzt genießen!

Dabei liegt statistisch gesehen gemessen an den Schneetagen mit geschlossener Schneedecke tatsächlich heute nicht gravierend weniger Schnee als früher. Wie wäre es also, einfach den Moment zu genießen? Anstelle des Verlangens nach immer mehr, jeden Augenblick aktiv zu nutzen? Sich über das dichte Schneetreiben freuen, so wie früher, anstatt auf das perfekte Wetter für den perfekten Skitag zu warten?

Blick auf das Skigebiet Gschwandtkopf in Seefeld in Tirol heute und 1952.

Blick auf das Skigebiet Gschwandtkopf in Seefeld in Tirol heute und 1952. ©Happy Gschwandtkopf-Lifte

Geben wir uns doch einfach den Annehmlichkeiten unserer Zeit hin, die wir ohnehin nur an den harten Wintertagen (so wie damals!) so richtig zu schätzen wissen. Lehnen wir uns in die weichen, beheizten Ledersitze der modernen 8er Sessellifte zurück. Klappen wir die rosa gefärbte Bubble nach unten und schweben wir dem romantischen Himmel entgegen. Denn früher – oder später – werden auch wir unseren Kindern und Enkeln von dieser guten alten Zeit berichten, in der doch irgendwie alles besser war. Hat man damals frierend auf dem harten Holz der wackeligen Einzelsessellifte ja schließlich auch noch nicht gewusst...

Die neue Talstation der EUB in Hinterstoder und alte Bilder von 1959 und 1960.

Die neue Talstation der EUB in Hinterstoder ©HIWU und alte Bilder von 1959 und 1960 ©Heinz Schachner

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Titelbild: Der Schlepplift Grüneck bevor er durch die moderne Rätikonbahn ersetzt wurde. ©Bewegungsberg Golm

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