Afrika, das ist doch nur Wüste …

Afrika - nur Wüste, sengende Hitze und Sand soweit das Auge reicht? Weit gefehlt. Der Kontinent hat neben Meeren, Seen und Flüssen auch hohe Gebirgszüge zu bieten, die bis auf knapp 6.000 Meter Seehöhe reichen. Geographie und Natur des Kontinents sind äußerst vielfältig - genauso wie Wetter und Klima.

Schnee im Sommer

Aber Schnee im Sommer? Gibt es tatsächlich. Aber natürlich nur in "unserem" Sommer, denn dann ist auf der Südhalbkugel Winter und in den Bergen Südafrikas und Lesothos fällt Schnee. Wie gewohnt im Winter Skifahren kann man hingegen im Norden Afrikas, beispielsweise in Marokko. Dabei reichen die Skigebiete von einer Höhe von gerade einmal 70 Metern bis auf 3.268 Meter. Keines der Skigebiete verfügt über mehr als 10 Pistenkilometer.

Skistart in Lesotho.

Skistart in Lesotho. ©Afriski

20,5 Pistenkilometer, 3.268 Höhenmeter und 23 Skilifte

So die Zahlen zum Skifahren in Afrika. Klingt überschaubar und tatsächlich ist Skifahren in Afrika (noch) kein Breitensport und wird eher von der weißen Bevölkerung sowie Touristen betrieben. Viel beliebter bei der gesamten Bevölkerung sind dahingegen die Snowparks, die zum Spielen und Toben im Schnee zur Verfügung stehen.

Skifahren von Nord nach Süd

Im Norden Afrikas ist Marokko "die" Skidestination, wenn man das so sagen darf. Das Skigebiet Oukaïmeden liegt nicht einmal 100 km südlich von Marrakesch auf einer Höhe von 2.700 Metern. Immerhin sieben Lifte bringen die Gäste bis auf  über 3.200 Meter Seehöhe. Die Skigebiete Michlifen in der Region Meknès-Tafilalet, Jbel Hebri in der Region Fès-Meknès und Azrou bieten ergänzend jeweils etwa einen Pistenkilometer für erste Versuche.

In Algerien gewinnt derzeit ein Kleinod von Skidestination zunehmend an Stärke: Chréa, etwa 70 km von Algir entfernt im Chréa National Park gelegen, zieht zunehmend Familien und Städter an. Von 1992 bis 2002 war die Region unter die Besatzung der militärischen GIA gefallen, doch diese dunkle Zeit ist mittlerweile zum Glück vorbei.

In Ägypten gibt es eine Skihalle: Ski Egypt. Neben einem Hang zum Skifahren finden Besucher dort auf 7.700 m² eine Skischule, mehrere Cafés sowie Funsportarten wie Tubing und Sledging auf aufblasbaren Untersätzen in einer Art Bobbahn. Der Eintritt kostet für einen Erwachsenen knapp € 15, der Tagesskipass noch einmal rund € 20, eine private Skistunde etwa € 47 - da ist dann ein Paar Handschuhe allerdings schon dabei. Bedenkt man, dass das durchschnittliche Monatseinkommen eines Ägypters bei gerade einmal € 250 liegt, so bleibt Skifahren hier dennoch ein Spaß für die Privilegierten.

Der Skistart in Lesotho im Juli diesen Jahres.

Wie ein Tiroler zu einem Skigebiet in Lesotho kam

Der Innsbrucker Bergfex und Unternehmer Roderich Urschler ist nicht nur Botschafter des Königreiches Lesotho, sondern auch Besitzer des einzigen Skigebiets des Landes. In den Drakensbergen liegt im Distrikt Butha-Buthe das Skiresort Afriski auf etwa 3.030 Metern Höhe. Die von Urschlers Firma gelieferten Schneekanonen konnten zwar niemals bezahlt werden, doch dafür ging das modernste und größte Wintersportresort im südlichen Afrika in seinen Besitz über. Heute kann er darüber schmunzeln und freut sich, wenn er vor Ort auch schon einmal König und Prinz auf der Piste begegnet. Diese reisen freilich standesgemäß mit dem Hubschrauber an.

Nicht nur Skifahren steht in Afrika hoch im Kurs.

Nicht nur Skifahren steht in Afrika hoch im Kurs.

Dem König zu Ehren wird in Afriski jährlich der King's Cup, ein Skirennen für Jedermann, veranstaltet. Und auch die Meisterschaften der südarfikanischen Skiclubs werden hier ausgetragen. Diese zählen immerhin eine stolze Zahl von rund 70.000 Mitgliedern. Sogar Johannesburg und Kapstadt liegen noch im Einzugsgebiet. Die knapp 280 Betten in den Hotels und Chalets sind aber nicht nur im Winter gut gebucht. Im Sommer kann man in Afriski sehr gut Mountainbiken - hier befindet sich auch der höchste Punkt eines bekannten Mountainbikerennens durch Lesotho. Marathonläufer nutzen die Region als Höhentrainingszentrum.

Noch weiter in den Süden

Ein weiteres bekanntes Skigebiet Südafrikas ist Tiffindell in der Provinz Ostkap. 1993 gegründet liegt es auf einer Höhe von 2.720 Metern. 2014 fand hier das erste FIS-Skirennen auf dem afrikanischen Kontinent statt.

Matroosberg befindet sich schließlich in der Provinz Westkap und rundet das afrikanische Skiangebot mit zwei weiteren Liften ab.

Eine Kuriosität ist außerdem das Sandskigebiet Ski Namibia. Hier stellte Henrik May 2010 den Geschwindigkeitsrekord im Speed-Sand-Skiing auf.

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