Alles Panorama, oder was?

Heinz Vielkind ist definitv ein Orginal, aber nicht nur das. In seinen Kreisen ist er eine Koryphäe und das mit gutem Grund. Vielkind ist Panoramamaler. Und damit sind keine großflächigen Aquarellbilder gemeint auf denen weichgezeichnete Landschaften zu erkennen sind, sondern großflächige Panoramen von Ski- und Wandergebieten. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon mal gesehen: an einer Talstation eines Skilifts, dem Beginn eines Wanderwegs oder einem Sammelpunkt eines Loipengebiets. Ist Ihnen dabei etwas aufgefallen? Ja, mir auch. Wer eine Ahnung von geografischen Gegebenheiten hat, erkennt, dass da wohl hin und wieder ein Winkel, eine Größe oder die Breite eine Skiabfahrt nicht stimmen kann.  Dabei hat das alles seine Gründe.

Heinz Vielkind und seine vielfältigen Utensilien. Foto: Kristina Erhard

Heinz Vielkind und seine vielfältigen Utensilien. Foto: Kristina Erhard

Heinz Vielkind wurde vor über siebzig Dekaden in Landeck geboren – in eine, ursprünglich aus Schlesien kommende Familie voller Maler. Das wirkte sich wohl auch auf seine Lust aus, die Schulbank zu drücken. Nach dem Umzug nach Seefeld und dem Besuch des Realgymnasiums in Innsbruck die „Erlösung“: Vielkinds Zeichenprofessor erkannte sein Potential, man solle ihn „doch einfach zeichnen lassen“. Und so kam Vielkind 1955 nach Lans zu Professor Heinrich C. Berann, dem Meister seines Fachs. Dieser erlangte Weltruhm, als er zum Haus- und Hofmaler des renommierten National Geographic Society wurde. Bildgewaltige Panoramen entstanden, unter anderem auch für die Olympischen Spiele, da war Heinz Vielkind schon dabei. Als Beranns Schüler und Assistent ist auch er für maßgebliche Werke verantwortlich. Für die National Geographic Society erstellte Prof. Berann 1963 zusammen mit Vielkind eine Karte des Mount Everest und setze diese Kooperation in einer Serie von Karten des Meeresgrundes fort, die er gemeinsam mit Ozeanographen der Columbia University, N.Y. und der U.S. Navy anfertigte. Über 45 Jahre blieb Vielkind bei Prof. Berann in Lans und arbeitete in seinem Atelier. Erst nach dem Tod seines Mentors eröffnete Heinz Vielkind sein eigenes Atelier in Innsbruck.

Panoramakarten zeigen die Welt so, wie wir sie sehen wollen, aber nicht wie wir sie sehen können. Das ist die Magie dabei. Foto: Kristina Erhard

Panoramakarten zeigen die Welt so, wie wir sie sehen wollen, aber nicht wie wir sie sehen können. Das ist die Magie dabei. Foto: Kristina Erhard

Was sind nun eigentlich Panoramakarten? Die Panoramakarten bedienen sich der Methode der Geländeschattierung zur intuitiven und ästhetischen Darstellung der Topographie. Hypsometrische Farben, d.h. Farben, die den Höhenstufen entsprechend angepasst werden, betonen dabei eine dritte Dimension, die den Panoramen ihre Tiefe giebt. Zusätzlich sorgen Farben gemäß der Landnutzung oder Klimazone einen photorealistischen Eindruck. In vielen Panoramakarten werden mit Farben zusätzlich individuell Elemente betont, wie z.B. Wasserfälle oder Gebirgsseen.

Schon fast fünfzig Jahre malt Vielkind Panoramen, ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Foto: Kristina Erhard

Schon fast fünfzig Jahre malt Vielkind Panoramen, ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Foto: Kristina Erhard

„Google Maps hilft mir heute sehr beim Malen,“ erzählt Vielkind von den wenig bekannten Seiten seines wenig bekannten Berufs. „Die kann ich mir einfach aus dem Internet rauszupfen“, schmunzelt er, „und muss nicht wie früher einige Rundflüge machen.“ Vielkind hat selber auch Schüler ausgebildet, weltweit gibt es nur eine Handvoll Panoramamaler, Computer können diese Arbeit nicht ersetzten. Immer noch werden Panoramen in wochenlanger bis monatelanger Detailarbeit gezeichnet, zuerst mit dem Bleistift und dann mit Temperafarben ausgemalt. Das fertige Panorama wird dann hochauflösend eingescannt und geht an den Auftragsgeber, das Orginal behält Vielkind- es kann immer wieder übermalt und ausgebessert werden. Das Malen wird Vielkind nicht langweilig, auch nach Jahrzehnten denkt er nicht ans Aufhören. Seine Katze vermisst er, erzählt er. Sie sei vor Wochen gestorben und hatte ihm zuvor beim Malen Gesellschaft geleistet. Wenn Vielkind eine seiner tausend klassischen Platten auflegt, dann fängt für ihn das Malen an, stundenlang kann er sich in ein Panorama vertiefen. Die Ergebnisse sind in den meisten Ski- und Wandergebieten zu sehen – vielleicht nun mit anderen Augen.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben