Blanke Zahlen & bewegende Emotionen – eine Gegenüberstellung

Hört man sich über die österreichischen Seilbahnen und insbesondere über den Wintersport um, dann vernimmt man gerne Superlative und Worte wie „höher,“ „schneller“, „innovativer“. Man zerpflückt aber auch Pistenkilometer und analysiert Abfahrten, vergleicht Skipasspreise. Gerne wird auf Negativem herumgeritten ohne dabei die wahren Zahlen und Parameter zu kennen und generell Platz für Positives zu lassen. Speziell wenn es um die Kosten des Skifahrens und des Erhalts eines Skigebietes geht, lohnt sich der Beitrag „Gratis gibt’s nix! Ist Skifahren teuer?“ zu lesen.

Wirtschaftlich gesehen sorgten Österreichs Bergbahnen im Winter 2014/15 für einen Umsatz von 1.248.000.000,- Euro, sie beförderten 595.000.000 Personen, ermöglichten 51,6 Mio. Skierdays (Ersteintritte) und schafften 111.300 Vollzeit-Arbeitsplätze. Sie ließen aus jedem einzelnen Euro in ihrem Betrieb 6,6 Euro für die Region werden. Diese Zahlen müssen für jeden mehr als beeindruckend sein und zeugen von  der enormen Wirtschaftskraft der Seilbahnbranche in Österreich.

Betrachtet man die Vollzeit-Arbeitsplätze und die Tatsache, dass ein Seilbahn-Arbeitsplatz durchschnittlich 5,3 Arbeitsplätze in der Region schafft, dann stelle ich mit voller Überzeugung folgende Aussagen in den Raum:

„Die Seilbahnindustrie ist wichtiger Teil der österreichischen Wirtschaft, eine treibende Kraft für die Tourismusentwicklung und verfolgt somit einen gesellschaftspolitischen Auftrag!“

Zum gesellschaftspolitischen Auftrag komme ich genau jetzt, wenn ich die nackten Zahlen hinter mir lasse und Raum schaffe für die Emotionen. Skifahren ist Teil unserer Kultur und soll das auch bleiben. Unser alpiner Lebensraum bringt dies mit sich. Mühten sich unsere Vorfahren noch mit langen Holzlatten und windigen Bindungskonstruktionen ab, hat in den letzten Jahrzehnten die Entwicklung der Ausrüstung dazu beigetragen, dass Skifahren schon lange keine Mühe mehr ist sondern nur noch Spaß pur. Recherchiert man nach Nationalsportarten, Volkssportarten oder dominierenden Sportarten der Welt, so wird in Österreich der alpine Skilauf genannt, wie Baseball in den USA oder Tischtennis in der Volksrepublik China. Unser Kulturgut, das Skifahren, gehört geschützt. Dazu braucht man keine aufwändigen Initiativen oder Ansuchen bei UNESCO, ich denke am besten geht das, wenn man ihn selbst aktiv betreibt, seine Mitmenschen für Wintersport begeistert und gemeinsame Erlebnisse schafft. Es gilt die einzelnen Momente zu zelebrieren, wenn man nach einer hektischen Arbeitswoche das Bergpanorama von der Bahn aus genießt, bevor man die Pisten hinunter carvt. Wenn man sich auspowern kann und sich dabei richtig spürt. Und auch, wenn man das in Erinnerung behält, was man aus Kindertagen kennt: die kalten Zehen, der gefrorene Schokoriegel in der Anoraktasche und das Lob der Eltern, wenn man das erste Mal erfolgreich auf Skiern stand. Lassen sich diese Erfahrungen mit dem Preis eines Skipasses oder auch der Wirtschaftskraft messen oder gar eins zu eins gegenüberstellen? Nein, wage ich zu behaupten. Dass Sport in der frischen Höhenluft besonders gesund ist, möchte ich nur am Rande erwähnen. Dieser Beitrag soll jetzt nicht in einer „Ode, an das Skifahren (oder gar der Seilbahnbranche) enden, vielmehr ein kleiner Anreiz sein, seine eigenen skifahrerischen Wurzeln mehr zu schätzen, der damit verbundenen Freude öfters Zeit einzuräumen und dieses Hochgefühl auch nachfolgenden Generationen zu vermitteln. Denn vor allem, dass die Kinder wieder auf die Ski und damit auf die Piste kommen muss uns ein Anliegen sein.

 

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