Skigebiete von Nord bis Süd

Höher, schneller, weiter – der Skitourismus kennt keine Grenzen: Längste Abfahrt, größtes Skigebiet, die meisten Liftanlagen… Doch es gibt auch wirklich spannende und außergewöhnliche Superlative: Longyearbyen zum Beispiel. Oder Cerro Castor. Noch nie gehört?

Das nördlichste Skigebiet

und gleichzeitig eines der kleinsten aller Skigebiete der Welt lässt sich in Norwegen finden. Longyearbyen liegt auf 78° 12' Minuten nördlicher Breite auf Spitzbergen, einer zu Norwegen gehörenden Inselgruppe im Arktischen Ozean. Abgehärtete Besucher – das Temperaturjahresmittel liegt hier bei eisigen -6,6° Grad Celsius – können hier, weit nördlich des Polarkreises, nicht nur bezaubernde Polarnächte erleben, sondern sogar – Skifahren! „Wie das?“, wird sich der kundige Leser nun fragen, der doch weiß, dass die rund 70.000 Touristen im Jahr hauptsächlich wegen der endlosen weißen Weite hierherkommen. Die Gäste reisen vornehmlich an Board von Kreuzfahrtschiffen während des Lichtwinters an. So bezeichnet man die die Zeit zwischen März und Anfang Mai, wenn das Tageslicht bereits ausreicht, um zu Hundeschlittentouren im Schnee aufzubrechen. Denn von 26. Oktober bis 16. Februar schafft es die Sonne nicht über den Polarkreis – dank Flutlicht steht dem Skigenuss allerdings auch vorher nichts im Wege.

Schlepplift in Longyearbyen.

Der Schlepplift wird zweimal die Woche gerne von den Kindern der gegenüberliegen Schule genutzt, kann aber nach etwa einstündiger Einweisung auch von anderen Personen betrieben werden. © www.icepeople.net: Mark Sabbatini

Longyearbyen, mit etwa 2.000 Einwohnern größter Ort und Verwaltungszentrum von Spitzbergen, ist der erste Landepunkt für Touristen und verfügt sogar über eine eigene Universität. Und ein Skigebiet. Das einzige Skigebiet auf Spitzbergen. Wobei Skigebiet ein sehr großzügig gefasster Begriff für einen Schlepplift ist, der 180 Meter Piste erschließt. Auf einer Meereshöhe zwischen 50 und 70 Metern lässt sich mit Blick auf die Eisschollen im arktischen Meer wahrlich nordischer Skisport betreiben. Klar, dass dieses Skigebiet an einem der nördlichsten Orte der Welt den nördlichsten Skilift vorzuweisen hat. Allein dieser Fakt, ist bereits einen Besuch des Hügels wert, sollte man sich zufälligerweise in arktischen Gewässern befinden und Lust verspüren, Ski zu fahren. Die schneefreie Zeit dauert hier übrigens gerade einmal sechs Wochen.

Spitzbergen

Spitzbergen (CC0 pixabay)

Toll: Die Benutzung des Seillifts ist kostenlos. Mehrmals in der Woche wird der Betrieb gestartet und – wen wundert es – das Skigebiet ist besonders gut für Kinder geeignet!

Das südlichste Skigebiet

heißt Cerro Castor und befindet sich auf 54° 48' südlicher Breite in den argentinischen Anden. Die gesamt 34,1 Pistenkilometer der drei Skigebiete führen seit der Eröffnung im Jahr 1999 von bis zu 1.057 Metern Seehöhe hinab ins Tal auf 195 Meter. Dort treffen Meer und Berge unmittelbar aufeinander, ein ungewöhnlicher Anblick für Europäer. Die dürfen sich vor Ort auf ausgiebigen Skispaß freuen, wenn hierzulande Hochsommer herrscht und von Schnee weit und breit nichts zu sehen ist. Denn die Saison in Cerro Castor dauert von Ende Juni bis Anfang Oktober. Das vorherrschende Klima beschert dabei recht milde Temperaturen von -5° bis 5°C.

Das südlichste Skigebiet der Welt Cerro Castor.

Das südlichste Skigebiet der Welt liegt in Argentinien. ©Cerro Castor

Ushuaia, die „Bucht, die nach Osten blickt“, liegt an der Südseite der Großen Feuerland-Insel am Beagle-Kanal auf nur sechs Metern über dem Meeresspiegel. Die südlichste Stadt Argentiniens ist auch eine der südlichsten Städte überhaupt und zählt mehr als 56.000 Einwohner. Neben Cerro Castor locken der Feuerland-Nationalpark und die einzigartige Natur jedes Jahr zahlreiche Touristen nach Ushuaia. Von hier starten diese zu Antarktisexpeditionen oder gehen von einem der vielen Kreuzfahrtschiffe an Land.

Skifahren zwischen Meer und Anden - Ushuaia in Argentinien.

Skifahren zwischen Meer und Anden - Ushuaia in Argentinien. (CC0 pixabay)

Übrigens: Vom Gletscher Glaciar Martial unweit des Skiresorts Cerro Castor eröffnen sich traumhafte Ausblicke über die chilenischen Berge, Ushuaia sowie zum Leuchtturm Faro del Fin del Mundo.

Weitere illustre Gäste

dieser Runde sind Gulmarg als höchstes Skigebiet der Welt sowie St. Moritz als das Älteste. Während die Briten den Skisport im indischen Gulmarg auf knapp 4.000 Metern immerhin bereits 1927 für sich entdeckten, so wurde das touristische Skilaufen im schweizerischen St. Moritz Ende des 19. Jahrhunderts gar erfunden. Auch hier hatten die Briten ihre Finger im Spiel. Ab 1935 sorgte der erste Skilift der Welt für den touristischen Siegeszug der Skidestinationen, den wir heute alle zu schätzen wissen.

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