Die Geschichte des Zauberteppichs

Revolution im Skiunterricht

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das Wort „Zauberteppich“ hören? Fällt Ihnen die Märchenfigur Aladdin ein, oder Scheherazade aus Tausend-und-einer-Nacht?  Eine kleine Umfrage gibt Aufschluss: Wer in den vergangenen 20 Jahren Schifahren gelernt hat, denkt nicht mehr an den Orient, sondern sofort an jene Förderband-Aufstiegshilfe, die auf flachen Schipisten die früheren Teller- oder Bügellifte ersetzt.  Einem Tiroler Unternehmen aus dem Oberland ist es gelungen, mit einem klugen Produkt dem „Zauberteppich“ eine völlig neue Bedeutung zu geben. Mit dem Ergebnis, dass man bis dato als Weltmarktführer im Bereich „Personenförderbänder im Outdoorbereich“ mehr als 3.000 Anlagen in über 60 Ländern rund um den Globus installieren konnte.

Auf dem Zauberteppich durch den Tunnel

Der Zauberteppich wurde in den vergangenen 20 Jahren über 3.000 mal in mehr als 60 Ländern weltweit installiert. © Marketing Schmittenhöhe

Es begann vor genau 20 Jahren…

Begonnen hat alles 1996, als ein Arbeitskreis aus Bergbahnunternehmen und Schischulen über bessere Aufstiegshilfen für schifahrende Kinder nachdachte.  Aus der dort entsprungenen  Idee eines „Förderbandes“ ging in Folge die Entstehung des „Zauberteppichs“ hervor. „Wir waren unglücklich, weil wir viel mehr damit zu tun hatten, die Kinder mit den Teller- und Bügelliften nach oben zu bringen, als ihnen tatsächlich das Schifahren beizubringen“, erinnert sich heute so mancher Skilehrer - ohne Wehmut - an diese Zeit. “Die Angst vor dem Liftfahren“ war oftmals Grund genug erst gar nicht mit dem Schifahren zu beginnen. Das gehört seitdem der Vergangenheit an.  Bereits ein Jahr später wurde der erste Zauberteppich der Öffentlichkeit präsentiert - und 16 Stück verkauft.  Das Revolutionäre dabei war nicht nur die Form der Aufstiegshilfe, sondern auch, dass diese Art Förderband von den Betreibern selbst direkt auf dem Boden oder im Schnee aufgebaut werden konnte. Der klassischen Skischulausbildung wurden durch diese sichere und bequeme Aufstiegshilfe neue Impulse verliehen. Seitdem ermöglicht und erleichtert der "Zauberteppich" die ersten Schritte des Schilaufens unter dem Motto "Fun im Schnee durch Sicherheit und Komfort".

Der erste Zauberteppich

Der erste Zauberteppich wurde am Kaunertaler Gletscher getestet.

Zauberteppiche mit bis zu 400 Meter Länge

Das Zauberteppich-Förderband wurde anfänglich nur im Bereich Kleinkinder eingesetzt. Doch schnell erkannte man die ungeheuren Vorzüge dieser neuen Aufstiegshilfe. In den folgenden Jahren wurden die Anlagen stets länger, leistungsstärker und komfortabler.  Wurde die maximal mögliche Länge zunächst mit 21 Metern prognostiziert, stellte sich diese „Maximallänge“ alsbald als „Irrtum“ heraus. Mittlerweile gibt es Personenförderbänder mit einer Länge von bis zu 250 Metern (mit Überdachung) bzw. sogar 400 Metern (in Skihallen). Die "High-Speed"-Zauberteppiche erreichen sogar Geschwindigkeiten von bis zu 1,2 m/s (Standard 0,7m/s). Was die Breite des verwendeten Fördergurtes betrifft, können heutzutage Anlagen mit bis zu 1.200mm (!) verbaut werden.  Auch der Einsatzort hat sich im Lauf der Jahre immer weiterentwickelt. Ursprünglich ausschließlich als Hilfsmittel für die Skischulen im Skikinderland angedacht, fanden und finden die Personenförderbänder heute Verwendung im gesamten Skigebiet. Ob vom Parkplatz zur Gondel, als Zubringer zur Gastronomie oder als Aufstiegshilfe für Zwischenanstiege innerhalb des Skigebietes.

Der Zauberteppich kann auch autark betrieben werden

Den Einsatzmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Nicht einmal durch die Stromversorgung. Denn durch eine ausgeklügelte Technik ist es möglich, den Zauberteppich autark zu betreiben. Die auf der Galerie (so bezeichnet man die Überdachung beim Personenförderband) angebrachten Photovoltaikmodule speichern die Sonnenenergie in einem  Puffer. Und dieser wiederum gibt den benötigten Strom an den Zauberteppich ab.

Zauberteppich Gerlos Tirol

Der Zauberteppich als Kraftwerk: Photovoltaikmodule auf der Galerie speichern die Sonnenenergie.

Apropos Galerie: Diese wurde wenige Jahre später entwickelt und erleichtert dem Betreiber die Wartung und Instandhaltung. Die Benutzer freut es, dass sie durch diesen Wetterschutz bei windigem und nassem Wetter die Auffahrt im Trockenen genießen können. Die meisten Galerien - die wie der Zauberteppich in den meisten Fällen im Frühjahr abgebaut werden können - bestehen aus Aluminiumbögen mit großflächigen Polycarbonatscheiben. Doch gibt es auch Galerien aus Vollholz mit Polycarbonatscheiben. Oder eine Kombination von Alu und Holz. Passend zum Kunde und zur Umgebung.

Zauberteppich mit Holzgalerie

Die Galerie des Zauberteppichs besteht je nach Kundenwunsch aus Aluminium oder Holz.

Das Personenförderband erschließt sich neue Einsatzbereiche

Was jedoch vor 20 Jahren wohl die größten Visionäre nicht für möglich gehalten hätten, wird immer mehr zu einem bestimmenden Thema für die Zukunft: Die Emanzipation des Personenförderbandes weg vom Einsatzbereich im Schnee. So findet man diese Aufstiegshilfe heute bereits an Golfplätzen, in Erlebnis-, Freizeit und Wasserparks oder auch bei Events.
Was zukünftig ein Thema werden soll, ist der Einsatz des Zauberteppichs im urbanen Raum. Sicherlich noch eine Vision. Aber das war das Projekt „Personenförderband im Outdoorbereich“ vor 20 Jahren schließlich auch…

Zauberteppich für Golfanlagen

Den Zauberteppich findet man mittlerweile nicht nur im Skigebiet, sondern unter anderem auch am Golfplatz. © GC Haag

von Hannes Koschuta (Sunkid GmbH)

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