Umsetzen statt nur umdenken – Seilbahnbetriebe folgen dem grünen Daumen!

Fast so mythenumrankt wie die österreichische Bergwelt selbst geht es auch beim Thema „Bergbahnen und Umwelt“ zu. Den besten Ruf haben sie nicht, die Ski- und Wandergebiete. Dabei hat sich in den letzten paar Jahrzehnten auch hier ein starkes Umweltbewusstsein entwickelt. Die Betriebe versuchen mit vielen Umweltprojekten, nachhaltigen Systemen und Aufklärung den zweifelhaften Ruf endlich hinter sich zu lassen – was ihnen dank der bisher ergriffenen und geplanten Maßnahmen immer mehr auch gelingt. 

 

Regionen werden aktiv

Darum herumreden braucht man nicht – Bergbahnen brauchen, wie die meisten anderen wichtigen Institutionen in der Wirtschaft, viel Strom und Ressourcen. Allerdings kommt die Versorgung immer mehr von erneuerbaren und ökologischen Energiequellen. Viele ausgeklügelte Systeme einiger österreichischer Betriebe zeichnen den Weg in eine umweltschonende Zukunft. Im Paznauntal wird z. B. ein großer Teil von Beschneiungsanlagen zur Erzeugung von Ökostrom verwendet. Das Skigebiet Wildkogel hat auf 2.100 Metern Seehöhe im Jahr 2010 eine Photovoltaik-Anlage installiert. 75 Prozent des gesamten Strombedarfs der Wildkogelbahnen werden von diesem höchstgelegenen Solarkraftwerk Europas gedeckt. Der Sonnenlift in Brixen wird zu 100% solarbetrieben. Das GPS-gesteuerte Pistenmanagement ermöglicht ein effizientes und ressourcenschonendes Schneemanagement und damit enorme Einsparung an technisch erzeugtem Schnee und Energie. Der Nationalpark Hohe Tauern ist Partner vom Skigebiet Kitzsteinhorn. Zum Schutz der hochalpinen Urlaubs- und Freizeitregion wurden richtungsweisende Umweltschutzmaßnahmen gesetzt, wie z.B. die Energie- und Wasserversorgung durch das kombinierte Pump- und Kraftwerk Grubbach sowie Sonnenkollektoren, Renaturierung der Pistenflächen und vegetationsloser Pistenbereiche, Mülltrennung und Müllvermeidung. Viele weitere Bahnen folgen diesen vorbildlichen Beispielen, denn auch die Tourismusbranche merkt: Ohne ein funktionierendes Ökosystem gibt es auch für Gäste keine „Lebensräume“ mehr.

Tier und Pflanzenwelt

Einige Ski- und Wandergebiete liegen direkt in oder grenzen an Nationalparks und Naturschutzgebiete. Eine enge Zusammenarbeit ist daher fast unumgänglich. Ein Beispiel dafür sind gemeinsame Umweltprojekte. Im Karwendel wird unter anderem viel Wert auf den Vogelschutz gelegt. Viele seltene Vogelarten wurden von 30 VogelkundlerInnen während drei Jahren beobachtet. Das Projektziel ist die Erhaltung der Artenvielfalt sowie die Angleichung der Managementpläne. Naturwaldreservate machen einen weiteren großen Teil des Gebietes aus. Sie sind urwaldartige Waldteile, die für die natürliche Entwicklung des Ökosystems Wald bestimmt sind und in denen jede unmittelbare Beeinflussung unterbleibt .Bis jetzt sind es rund 512 Hektar – das Gebiet soll aber noch weiterwachsen.

Gegenseitiger Respekt

SkifahrerInnen und Wandergäste, besonders FreeriderInnen, werden umfangreich darauf hingewiesen, sich der Wildnis gegenüber respektvoll zu verhalten. So soll z. B. das Durchfahren eines Jungwaldes vermieden und die Wildfütterungsstellen umgangen werden. Ebenfalls betreiben zahlreiche Unternehmen aktives Wanderwege-Management. Wege werden nicht sich selbst überlassen, sondern nach ökologischen Gesichtspunkten geplant und gebaut. Detaillierte Wegenetze bieten Routen für jeden, mindern die Gefahr der Überanstrengung und sparen sensible Gebiete völlig aus. Intelligente Lenkung der Besucherströme – das betrifft auch den Bereich des Anreiseverkehrs – erreicht die Balance zwischen Nutzung und Schonung.

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