Das Einmaleins der Lawinensprengung.

Der Arlberg ist ein Schnee-Schlaraffenland – sowohl für Skifahrer, Tourengeher und Freerider. Und natürlich auch für Ing. Erich Piewald, seines Zeichens der Betriebsleiter von Ski Zürs. Und von seinem Gebiet kann er nur schwärmen: „Die topographische Beschaffenheit ist einmalig: schroffe Felsabstürze, hohe Hangneigungen und steile Rinnen.“ Was einem moderaten Skifahrer den Angstschweiß auf die Stirn jagt, ist für Ing. Piewald täglich Brot: er ist nämlich auch der Lawinen-Sprengmeister des Skigebiets am Arlberg.

Lawinen als day-to-day business.

Gazex Anlage bei Nacht

Eine Gazex-Anlage, die in der Nacht ausgelöst wird. Foto: mnd-group

Lawine

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„Lawinen gehören für uns zum winterlichen Alltag, das bekommen die Skifahrer auf den Pisten natürlich kaum mit“, erzählt er. „Unsere Lawinenkommissionen bewerten grundsätzlich an jedem Betriebstag der Seilbahnen die Gesamtsituation, welche die Bereiche des Ortes, Pisten, Routen und Seilbahnen sowie Straßen und Wanderwege betreffen – wenn nötig auch mehrmals am Tag, “ führt Ing. Piewald weiter aus. So gut das klingt, aber was passiert im Ernstfall? Beziehungsweise was ist ein Ernstfall? „Ernstfälle beurteilen wir nach Erfahrungen aus Jahrzehntelanger künstlichen Lawinensprengungen und auch unter Einbeziehung historischer Ereignisse – fast alle Mitglieder der Lawinenkommission sind hier geboren und aufgewachsen, da sammelt sich einiges an Wissen und Erfahrung an. Wir kennen unsere Gipfel, Hänge und Rinnen wie unsere Westentasche. Bei Gefährdung oder auch nur bei Verdacht der Gefährdung wird der Skibetrieb im gefährdeten Betrieb nicht aufgenommen oder eingestellt. Dann rücken wir aus und sprengen auch einzelne Hänge gezielt ab, “ erklärt der erfahrene Betriebsleiter.

Immer wieder auf Knöpfe drücken?

Hubschrauber Skigebiet

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Vermutlich bereitet das gezielte Sprengen von Hängen genauso Freude wie ein Grillfeuer, Fußball oder Wände einhauen – hätte es nicht eine sehr ernst Komponente. Je nach Lage der Gefahrenstelle wird laut Piewald aus dem Hubschrauber heraus, per Funkzündung über Sprengseilbahnen oder mit der Hand gesprengt. Besondere Verhältnisse am Arlberg verlangen jedoch auch besondere Mittel: so sind auch stationäre Gazex-Sprenganalgen in besonders exponierten Bereichen verankert, auch stationäre Lawinenwächter kommen zum Einsatz. Was das ist? Quasi eine Sprengung per Mausklick …

Lawinensprengung

Per Knopfdruckgezündet. Foto:mnd-group

Lawinensprengung

Ing. Piewald bei der Arbeit. Foto: Ski-Zürs AG

Piewald tippt auf der Tastatur seines Computers ein paar Zahlen ein, klickt einige Male mit der Maus um die sogenannten Gazex- Sprenganlage bzw. deren Zündrohre anzuwählen und gibt einen Sicherheitscode ein. Über das Modem schickt der Computer aus der Rettungszentrale den Sprengbefehl hoch auf den ausgewählten Bergkamm. Dort wird das explosive Gemisch in den Zündrohren durch einen Funken zur Explosion gebracht. Die durch die Explosion in den Zündrohren entstandene Druckwelle bringt den Neuschnee in den steilen Hängen ins Rutschen. So werden potenzielle Gefahrenherde eliminiert, bevor die ersten Skifahrer auf den Pisten unterwegs sind. Der Lawinenwächter wiederum ist eine fest installierte Wurfanlage, die an einem gut zugänglichen Ort montiert wird und mit mindestens 10 Sprengstoffladungen bestückt ist.

Gefährlich sei diese Arbeit für ausgebildete Fachleute nicht: „Sie ist nur sehr mühselig und zeitaufwendig, weil wir uns häufig durch hüfthohen Schnee durchwühlen müssen, “ erzählt der Ingenieur. Ach ja, über 2.500 Kilogramm Sprengstoff wird durchschnittlich in Zürs verbraucht. Ob da ein bisschen Spaß bei der Arbeit auch dabei ist? „Naja, es ist schon immer ein gutes Gefühl, wenn wir einen Hang absprengen und somit sicher machen“, schmunzelt Erich Piewald. Na dann sagen wir danke.

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