Eine Region ohne Seilbahnen – eine Region ohne Zukunft?

Zweifelsohne ist der Wintertourismus einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in den Alpen. Für Wintersportler ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die gesamte Infrastruktur - allen voran die Skigebiete mit den Bergbahnen und der Hotellerie - in ihrem Wunschurlaubsort tadellos funktioniert. Dass damit eine Wertschöpfungskette verbunden ist, die die Existenz zahlreicher weiterer Wirtschaftsbereiche, kleiner regionaler Betriebe und schließlich der lokalen Bevölkerung sichert, ist vielen Urlaubern und manchem Einheimischen nur am Rande bewusst.

Das renommierte Marktforschungsinstitut MANOVA beleuchtete mit einer Case Study über die Wertschöpfung der Seilbahnen im Tiroler Bezirk Landeck den Ernstfall. Was passiert, wenn in einem Bezirk alle Seilbahnen schließen? Welche ökonomischen Folgen wären zu erwarten?

Schnell kommt man zu dem Schluss, schließt die Bergbahn, schließt das Hotel, …, braucht schließlich auch der Bäcker nicht mehr so viel Semmeln zu backen. Was logisch klingt, ist im Worst Case noch viel schlimmer.

Die Prognose am Beispiel Bezirk Landeck spielt dieses Szenario durch, fügt Zahlen hinzu und zeigt, dass die Konsequenzen verheerender wären als auf den ersten Blick angenommen.

Nach Schließung der 10 Landecker Seilbahn-Unternehmen würden im ersten Schritt die Skifahrer ausbleiben. Dies hätte massive Umsatzeinbußen bei den Seilbahnen zur Folge. Seilbahnbedienstete werden entlassen, Skischulen, Sportartikelgeschäfte mit Skiverleih müssten schließen, Hotels könnten die Betten nicht mehr füllen und in den Restaurants blieben die Tische leer. Doch es würde nicht nur alle direkt Beteiligten negativ treffen. Mit der sich nun drehenden Abwärtsspirale kommen auch die indirekt beteiligten Unternehmen ins Strudeln. Der wirtschaftliche Niedergang beginnt mit dem Ausbleiben der Skitouristen. Leidtragend wäre im Endeffekt jeder, besonders die einheimische Bevölkerung, die mit ansehen muss wie die Gäste sich anderen Wintersportregionen zuwenden.

Ca. 44.000 Menschen leben derzeit im Bezirk Landeck, in dem es aktuell weit über 17.000 Arbeitsplätze gibt. Die Schließung der 10 Skigebiete würde mit einem Schlag ein Minus von 5,7 Mio. Skigebietseintritten und fast ebenso vielen Nächtigungen bedeuten. Damit geht die Schädigung von Skischulen, Handel, der Gastronomie und den Supermärkten einher. Mit 857 Mio. Euro Umsatzeinbußen wäre für die Region gesamt zu rechnen.

Der Abwärtstrend im Bezirk Landeck würde voranschreiten. Durch weitere Verluste von Vorleisterbetrieben (Bauwesen, Schlosser, Stromerzeuger, Nahrungsmittelerzeuger, Grundstücks- und Wohnwesen - und wiederum die diversen Vorleister der genannten Vorleister usw.) wäre mit einem Gesamtarbeitsplatzverlust von fast 80 Prozent zu rechnen. 14.000 Jobs wären weg. 300 Mio. Euro, sprich zwei Drittel der gesamten Wertschöpfung im Bezirk Landeck gingen verloren. Die Lebensqualität sänke mit einem Schlag in den Keller.

Die Nahversorgung für Einheimische könnte nicht mehr aufrechterhalten bleiben, fehlende Arbeitsplätze und verringerte Lebensqualität würden nach und nach weniger Einwohner zur Folge haben. Die Jungen fliehen - die Alten sterben, d.h. bald wäre der Bezirk ausgestorben. Die Abwärtsspirale wäre nicht mehr aufzuhalten, nicht nur wirtschaftlich gesehen.

Kurz, knapp und einfach, aber dafür sehr eindrucksvoll zusammengefasst würde das Aus der Bergbahnen für den Bezirk Landeck bedeuten:

- 80 Prozent weniger Jobs im Bezirk Landeck
- 2/3 der Wertschöpfung gingen verloren
- Nur 9 von 29 Bäckern, 4 von 12 Metzgern und 15 von 49 Nahversorgern würden überleben
- Abwanderung in enormem Ausmaß

MANOVA stellt außerdem fest, dass die Schließung von Seilbahnen nicht allein ein lokales Problem darstellt. Die Schließung im Bezirk Landeck würde im Endeffekt ganz Österreich negativ beeinflussen. Dem Staat würden z. B. konkret 105 Mio. Euro am Umsatzsteuer fehlen.

Wer meint ohne Seilbahnen wäre die (Um-)Welt viel schöner und besser sitzt einem Trugschluss auf. Berge wären bei weitem nicht mehr so erlebbar, Gebiete würden nicht mehr genützt werden, die Umwelt wäre für Gäste und Einheimische nicht mehr zu erfahren. Die Seilbahnbranche blickt daher positiv in die Zukunft, malt mit Studien dieser Art nicht den Teufel an die Wand, sondern möchte für die zentrale Bedeutung als treibende Wirtschaftskraft sensibilisieren. Ein Umdenken wurde bereits eingeläutet, das ein „höher, schneller, weiter“ nicht in den Fokus rückt, sondern neue Denkansätze und kreative umweltverträgliche Lösungsansätze forciert, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Nur so kann eine sinnvolle und zufriedenstellende Zukunft für Berge, Seilbahnen, Tourismusregionen sowie für Einheimische und Gäste garantiert werden


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