Eine Baustelle im Höhenrausch: Piz Gloria View

Als James Bond 1969 auf dem fiktiven Piz Gloria dem Bösewicht Blofeld das Handwerk legt und damit die Menschheit vor einer weltweiten Seuche rettet, ahnt wohl noch niemand, dass der Gipfel des Schweizer Schilthorns von nun an als jener Piz Gloria in den Sprachgebrauch eingehen sollte. Heute steht die höchste Spitze des Schilthorns ganz im Zeichen des Geheimagenten 007, seit vor ein paar Jahren mit der schrittweisen Umsetzung eines touristischen Masterplans begonnen wurde - die Erbauung der Aussichtsplattform Piz Gloria View.

Retro ist modern.

Das unter widrigen Bedingungen in hochalpiner Lage erbaute Panoramarestaurant am Gipfel des Schilthorns ging  in den 1960er Jahren als Pionierleistung der Tourismusbauten in die Geschichte ein.  Seit es Ende der 60er im Bond-Film  «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» die Forschungseinrichtung des Schurken beherbergte, rückt es immer wieder ins Rampenlicht. Die beste Aussicht auf das imposante Bauwerk, das nach all den Jahren nicht an Wirkung verloren hat, kann man von der eigens errichteten Aussichtsplattform Piz Gloria View genießen. Die Besucher zeigen sich über das Gefühl eines Eintauchens in die Natur vom Fotopoint aus begeistert. Der Weg dorthin führt über den 007 Walk of Fame, der den Schauspielern des Films gewidmet ist.

Die Aussichtsplattform Piz Gloria View bietet einen einzigartigen 360°-Blick über Eiger, Mönch & Jungfrau, Foto: pronatour

Die Aussichtsplattform Piz Gloria View bietet einen einzigartigen 360°-Blick über Eiger, Mönch & Jungfrau, Foto: pronatour

 

Modern ist irgendwie auch retro.

50 Jahre nach dem Bau des Panoramarestaurants war auch die Errichtung der Aussichtsplattform im Jahr 2013 unter den Bedingungen auf fast 3000 m Höhe wahrlich kein einfaches Unterfangen. Eine der größten Herausforderungen war neben der Witterung die knappe Bauzeit – da Piz Gloria View pünktlich zu Beginn der Sommersaison mit einem Großereignis eröffnet werden sollte, durfte es zu keinen Verzögerungen kommen...

In eisigen Höhen.

Nachdem eine Naturschutz-NGO Einspruch erhob, war eine Überarbeitung des Entwurfs bezüglich Positionierung, Höhe und Geländegestaltung nötig. Hierdurch wurde die Zeit immer knapper – die Umsetzung von Piz Gloria View wurde in der zweiten Mai-Woche beauftragt… Von da an liefen die Arbeiten auf Hochtouren. Knapp vor Sommerbeginn ist die Spitze des Schilthorns oft noch schneebedeckt, die winterlichen Bedingungen erschwerten die Arbeiten also zusätzlich – für die Absteck- und Fundamentarbeiten musste etwa zuerst der Schnee geräumt werden. Der Bagger und das gesamte Baumaterial wurden in weiterer Folge mit dem Helikopter antransportiert. Da dieser stark von den Wetterbedingungen abhängig ist, mussten die Arbeiten mehrmals verschoben werden.

Für die Anlieferung der Plattform war ein Schwerlastenhelikopter vonnöten. Foto: pronatour

Für die Anlieferung der Plattform war ein Schwerlastenhelikopter vonnöten. Foto: pronatour

Um eine Fertigstellung bis zum Eröffnungstermin sicherzustellen, wurden weitere Optimierungen der Konstruktion beschlossen. Für die Anlieferung der Plattform war ein Schwerlastenhelikopter vonnöten. Der Schwergewichtsmeister Europas hat im Tal eine Tragkraft von 5000 kg. In extremen Höhenlagen ist die Tragkraft jedoch wesentlich reduziert, wonach die Dimensionierung der Bauteile auszurichten war. Die Aussichtsplattform aus Stahl wurde folglich in zwei Teilen vorgefertigt. Schwerlasthubschrauber sind selten und meist ausgebucht – es musste ein Zeitfenster gefunden werden, in welchem der Helikopter verfügbar war und die Wetterbedingungen einen Flug möglich machten. Fundament und Stahlbauarbeiten konnten dem Zeitplan entsprechend fertiggestellt werden, der Transport der Plattform benötigte jedoch aufgrund der genannten Voraussetzungen mehrere Anläufe – die Bauarbeiten blieben bis zuletzt spannend!

Ende gut.

Die Errichtung der Aussichtsplattform im Jahr 2013 unter den Bedingungen auf fast 3000 m Höhe hat sich gelohnt. Foto: Schilthornbahn AG

Die Errichtung der Aussichtsplattform im Jahr 2013 unter den Bedingungen auf fast 3000 m Höhe hat sich gelohnt. Foto: Schilthornbahn AG

Dennoch konnte Piz Gloria View rechtzeitig fertiggestellt werden. Die runde Aussichtsplattform, die als Cortenstahlspirale aus dem Boden wächst und auf schrägen Pfählen über dem Schilthorngrat steht, bietet den Besuchern nun einen einzigartigen 360°-Blick über Eiger, Mönch und Jungfrau, das Panoramarestaurant und die Alpenwelt. Und vielleicht ist James Bond ja auch irgendwo zu erspähen.

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