Innovative Gondelseilbahnen: In Luxus schweben

Vom schlichten Personentransport zum Panoramaerlebnis mit WLAN und energieeffizientem Antrieb. Die Gondelseilbahnen rüsten für immer anspruchsvollere Kunden auf. Bei der Modernisierung investieren die Betreiber aber auch in intelligenten, vernetzen Systemen und in Big Data, um den Kunden besser zu verstehen.

Mit einer Seilbahn geht es auch wirtschaftlich bergauf. Das belegen mittlerweile zahlreiche Studien und Zahlen, wie sie vor kurzem auch vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) vorgetragen wurden. Die Entscheidung für oder gegen einen Urlaubsort oder ein Ausflugsziel knüpft der Gast heute nämlich insbesondere an dem Vorhandensein einer Seilbahn. Und die muss mittlerweile ein bestimmtes Niveau erreichen. Denn die Begeisterungsfaktoren wandeln sich, die Ansprüche an eine Personenseilbahn steigen und zwingen die Betreiber zu hohen Investitionen. Vorbei sind die Zeiten, als es ausschließlich galt, „rauf auf den Berg“.

Zwar werden Streckenführung, Architektur der Stationen, Fahrdauer wie auch die Anbindung an die Stadt von den Nutzern am höchsten geschätzt [1]. Doch für den wirtschaftlichen Erfolg einer Seilbahn sind andere Faktoren ausschlaggebend. So wird die Seilbahntechnik heute in der Hauptsache von drei Trends bestimmt. Zum einen müssen Berg- wie auch die Talstationen nachhaltig betrieben werden, zum anderen muss auch der Betrieb der Gondel energieeffizient gelingen und schlussendlich sollen Infotainment und WLAN den Aufenthalt in der Gondel wie auch in den Stationen angenehm gestalten.

Energiesparen durch bedarfsgerechte Umlaufgeschwindigkeit

Mit dem Antriebssystem ohne Getriebe lässt sich der Energieverbrauch um etwa 5 % senken. © Leitner

Mit dem Antriebssystem ohne Getriebe lässt sich der Energieverbrauch um etwa 5 % senken. © Leitner

Doch welche konkreten Möglichkeiten haben die Betreiber einer Seilbahn, um etwa den Energieverbrauch ihrer Anlagen zu senken? Vor allem im Hinblick auf die Betriebsstunden. Ein wichtiger Aspekt. Immerhin entfällt der größte Anteil des Stromkonsums von Bergbahnunternehmen auf die Seilbahnen. Laut Experten ist davon allerdings ein bedeutender Teil Verlust. Gerade einmal nur 30 % des Stromverbrauchs werden für den Transport von Personen über eine Höhendifferenz beansprucht, so eine Analyse der deutschsprachigen Informationsplattform über Energieeffizienz, Energietechnik und Antriebstechnik [2].

Energiesparende Antriebstechnik ist heute auch im Seilbahn-Betrieb ein wichtiger Bestandteil. © Getriebebau Nord

Energiesparende Antriebstechnik ist heute auch im Seilbahn-Betrieb ein wichtiger Bestandteil. © Getriebebau Nord

Der aufbereitete Datenbestand zeigt eindrucksvoll, wie sich die Leistung reduzieren lässt, wenn etwa die Geschwindigkeit gedrosselt wird. „Bei einer Transportleistung von 1500 Personen in der Stunde und einer Geschwindigkeitsabsenkung auf 80 % der maximalen Fahrgeschwindigkeit“ lassen sich rund 130 kW elektrischer Leistung sparen. Zwar verringern sich mit weiter reduzierter Geschwindigkeit Stromverbrauch und auch Verschleiß. Doch sind dieser Strategie Grenzen gesetzt. Bei einem hohen Gästeaufkommen etwa müssen also andere Maßnahmen getroffen werden.

Gondelbetrieb mit Energiesparmotor ohne Getriebe

Sensorsysteme wie das Rope Position Detection System sind für den sicheren Beitrieb unerlässlich geworden. © Doppelmayr

Sensorsysteme wie das Rope Position Detection System sind für den sicheren Beitrieb unerlässlich geworden. © Doppelmayr

Bei der Modernisierung einer Seilbahn werden daher verstärkt energieeffiziente Komponenten wie Energiesparmotoren oder aber energiesparende Umrichter etwa aus Siliziumkarbid verwendet. Ein Vorzeigeprojekt ist das von Leitner entwickelte DirectDrive, einem Antriebssystem für Seilbahnen, das ohne Getriebe funktioniert. Gegenüber konventionellen Systemen arbeitet bei diesem System ein Synchronmotor, dessen Ausgangswelle direkt mit der Seilscheibe verbunden ist.

Je höher die Geschwindigkeit, desto höher der Energiebedarf. © Andreas Burkert

Je höher die Geschwindigkeit, desto höher der Energiebedarf. © Andreas Burkert

Laut den Entwicklern lässt sich dadurch der Energieverbrauch um circa fünf Prozent senken. Darüber hinaus entfallen komplett die sonst erforderlichen Motorölmengen für das Planetengetriebe. Geringer Verschleiß, geringeres Ausfallrisiko und eine höhere Zuverlässigkeit bei den Anlagen sind ebenso weitere Vorteile wie die um 15 dB geringere Geräuschentwicklung in den Stationen.

Big Data schützt vor Betriebsausfällen

Doch mit dem Einsatz innovativer Systemkomponenten ist es allein nicht getan. Wie in der hochautomatisierten Industrie setzt die Branche auf eine allumfassenden Vernetzung, wie sie in der Industrie 4.0 derzeit mit Hochdruck vorangetrieben wird. Nur so lässt sich unter anderem ein umfangreiches Diagnosesystem installieren, um Fehler in der Anlage früh zu erkennen und um die Möglichkeiten der Fernwartung und der Störungsbehebung zu nutzen.

Die Diagnosedaten werden dazu in der Regel zyklisch in der Datenbank gespeichert und können bei Bedarf dort abgerufen werden. Die Anbindung an das Internet mittels geschütztem Zugang erlaubt dem Betreiber zudem auch den dezentraler Zugriff auf Bahndaten über sogenannte Visualisierungs-Server. Das entlastet nicht nur den Technischen Leiter einer Seilbahn. Die Instandhaltungssoftware erfasst wichtige Daten des Betriebes. Zum Big Data-Pool gehören Einträge zu Störungen, Messwerte oder Angaben zu den Betriebsstunden. Diese nutzt in der Regel die Geschäftsleitung als Entscheidungsgrundlage. Um übrigens die Kommunikation zwischen den Stationen respektive die Steuerungen vor Blitzschlag zu schützen, werden in der Regel Lichtwellenleiter verwendet.

In purem Luxus schweben und surfen

Ein Hauch von automobiler Exklusivität. Eine VIP-Gondel im BMW-Design. © Leitner

Ein Hauch von automobiler Exklusivität. Eine VIP-Gondel im BMW-Design. © Leitner

Die Sicherheit ist auch in diesem Fall der Wegbereiter neuer Technologien. Und die Vernetzung nur ein Teil einer zukunftssicheren Seilbahnbranche. Schon heute arbeiten Ingenieure an einer neuen Generation von Gondelbahnen, die neben WLAN-Zugang vor allem mit Panorama-Aussicht überzeugen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Immerhin haben bei einer Befragung für die Innsbrucker Nordkettenbahnen etwa 65 % das Panoramaerlebnis als Motiv für die Fahrt angegeben [1]. Auch wenn wahre Luxuskabinen in der Regel heuer für Nahverkehrssysteme geplant werden. Als Beispiel sei an dieser Stelle die von Gangloff Cabins für Brest entwickelte zwei Pendelbahnkabinen genannt, die über den Hafen der französischen Atlantik-Stadt verkehren soll. Mit der geplanten Panorama-Gondelbahn von Bartholet Seilbahnen für den Gstaader Hausberg allerdings rüstet auch ein Skigebiet auf. Dass die Gondeln vom renommierten Designstudio „Porsche Design Studio“ aus Zell am See entwickelt wurde, zeigt, dass die Seilbahnbranche nun auch mehr Wert auf Design und Komfort legt. Und dank eines neuartigen Federungssystems auch beim Fahrvergnügen zulegt. So können sich beispielsweise Gäste der VIP-Gondel im Hochzillertal fühlen, als säßen sie einem 7er BMW.

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Dipl.-Ing. (FH) Andreas Burkert ist seit Anfang 2000 als Redakteur  für verschiedene Fach- und Publikationsmagazine aktiv. Er ist unter anderem Korrespondent einer Autofachzeitschrift und Buchautor. Er war Chefredakteur des Fachmagazins für das Kraftfahrzeughandwerk Krafthand, verantwortlicher Redakteur bei Automobil Elektronik, Automobil Produktion und Elektronik.

Quellen:

[1] Seeber, M.: "Erfolgsmodell für Seilbahnprojekte? PPP am Beispiel der Innsbrucker Nordkettenbahnen", In: Unternehmertum und Public Private Partnership, 2009, S. 391

[2] Energiesparmöglichkeiten bei Seilbahnen, www.energie.ch, April 2016

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