Notfallausrüstung für das freie Gelände

Der weiße Tod – im Winter ein omnipräsentes Thema, besonders für Skitourengeher, Schneeschuhwanderer und Freerider. Deshalb ist die Mitnahme von LSV Geräten, ABS Rucksäcken oder anderen Sicherheitsausrüstung von höchster Wichtigkeit, da man im Falle eines Falles damit sein Leben oder das von anderen retten kann. Durch stetige Entwicklungen im Bereich der Sicherheit haben sich im Laufe der Jahre zahlreiche „neue“ Gadgets am Markt etabliert, die für mehr Sicherheit abseits der Piste sorgen sollen.

Vom Seil zum Pieps – Wie alles begann

Wir schreiben den Anfang des 20 Jahrhunderts. In der Grundausrüstung von Hochgebirgskompanien findet sich eine ca. 20 m lange Schnur in einer Signalfarbe, die im Notfall zum Retter werden soll. Besteht Lawinengefahr, wirft man sie aus und erhöht somit im Falle einer Verschüttung seine Überlebenschancen. Diese Schnur, besser bekannt als Lawinenschnur, war bis zu ihrer Ablösung durch LVS Geräte in den 1980er Jahren eine der wichtigsten Bestandteile der klassischen Notfallausrüstung, die Skitourengeher mit sich tragen. Das Konzept hinter der Lawinenschnur lebt jedoch im Lawinenball bzw. Avalanche Ball weiter. Hierbei findet sich am Ende der Schnur ein mit Federmechanik aufklappbarer Ball. Dieser wird mit aufgewickelter Schnur am Rucksack befestigt. Wird der Skitourengeher von einer Lawine erfasst, kann er die Mechanik selbst auslösen.

LVS Gerät (c) Andre Schönherr


LVS Geräte – Der Klassiker

Die sogenannten LVS-Geräte (kurz für Lawinenverschüttetensuchgerät) ermöglichen es Tourenkameraden und Helfern Opfer von Lawinen schneller zu orten, was sich signifikant auf die Überlebenschance des Verschütteten auswirkt. Trägt ein Verschütteter einen Lawinenpiepser bei sich, so kann sein Signal von anderen Personen geortet werden. Lawinenpiepser können in zwei verschiedenen Betriebsarten verwendet werden: in Such- und Sendebetrieb. Beim Suchbetrieb sendet der Lawinenpiepser selbst kein Signal, sucht aber, wie schon der Name sagt, nach möglichen Sendesignalen anderer Lawinenpiepser. Im Sendebetrieb entsendet er in kurzen Zeitabständen ein elektromagnetisches Signal auf einer Frequenz von ca. 457 kHz. An diese Geräte gilt natürlich der Anspruch, temperaturresistent zu sein (von -30°C bis 70°C) sowie einer Betriebsdauer von mehr als 10 Stunden standzuhalten. Hier gilt wie bei jedem elektronischen Gerät – wenn es ausgeschalten ist, ist es nicht in Betrieb. Deshalb: lieber mal mehr Batterie verbrauchen, als mit ausgeschaltetem Gerät unter eine Lawine kommen!

Sicher ist sicher – für zusätzliche Sicherheit im freien Gelände sorgt die Mitnahme eines Lawinenairbags. Dessen Geschichte beginnt in etwa zur gleichen Zeit wie jene der LVS Geräte. Basierend auf dem „Müsli-Effekt“ (große Bestandteile steigen auf, kleine steigen ab) wurden ab den 1980er Jahren Lawinenairbags entwickelt, die in Rucksäcken integriert werden. Zwei signalfarbene Polyamid-Ballons befinden sich links und rechts im Rucksack. Wird der Sportler von einer Lawine erfasst, kann er mittels Zug an einem Griff an der Vorderseite des Rucksacks den Airbag auslösen. Die Ballone werden innerhalb von 1-2 Sekunden mittels Stickstoffpatrone zu einem Gesamtvolumen von ca. 170 Litern aufgeblasen.

Lawinenairbag (c) almenrausch.at

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein weiteres, zusätzliches System am Markt verbreitet, das die Überlebenszeit unter einer Lawine verlängern soll. Die Rede ist hier vom Avalung-System, das die Ein- und Ausatmungsluft voneinander trennt und somit Ersticken verhindern soll. Damit das jedoch funktioniert, muss der Tourengeher bevor er von einer Lawine erfasst wird, den Schnorchel im Mund haben. Gelingt das, kann sich die Überlebensspanne um ein vierfaches verlängern. Rechnerisch.

Angesichts der zahlreichen Sicherheits-Gadgets bleibt zu sagen: sie sind zwar im Ernstfall hilfreich, jedoch ersetzt ein einzelnes Teil keine gesamte Notfallausrüstung ( LVS Gerät, Sonde und Schaufel).

Beitragsbild: (c) bergzeit.de

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben