Schluss mit der Gerüchtekiste – Teil I

Kritische Stimmen, Vorurteile und schlechtes Image – seit jeher haben Bergbahnen und die Seilbahnwirtschaft mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Am Beispiel der Schmittenhöhenbahn in Zell am See sieht man nun aber, dass ein erfolgreicher Wintersport-& Bergbetrieb sehr wohl mit Umweltschutz und dem Erhalt der Tier- und Artenvielfalt in Einklang zu bringen ist.

Umweltschutz und Seilbahnbewirtschaftung ist nicht kompatibel? Geht sehr wohl, glaubt man nämlich den jüngsten Studien rund um die Schmittenbahn in Salzburg. In diesem Kontext wurde nämlich untersucht, wie sich die Einflüsse von technischer Beschneiung, der Präparierung der Pistenflächen sowie die landwirtschaftliche Bewirtschaftung auf die heimische Flora und Fauna auswirken. Im Zentrum der vier Studien standen dabei Farn- und Blütenpflanzen, Ausbildung der Vegetation, Wildbienen, Tagfalter und Heuschrecken. Erich Egger, Vorstand der Schmittenhöhebahn AG will mit den (positiven Ergebnissen) zu einem Umdenken in der Bevölkerung anregen. „Wir wollen jetzt die einzelnen Studienergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren, auch um Vorurteile zu entkräften und eine breitere Diskussion anzustoßen.“

Wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt

Die Eindeutigkeit der Untersuchungen bestätigt auch Ulrike Pröbstl-Haider (Universität für Bodenkultur Wien). Die Forschungsarbeiten belegen, dass auf vielen Standorten die örtlichen Bedingungen und die Form der Bewirtschaftung viel entscheidender sind als die Folgeeffekte der Beschneiung. Die stark verbreitete Meinung der „lebensfeindlichen Pisten“ ist damit entkräftet und soll auch die hartnäckigen Vorurteile in dieser Thematik beiseite räumen. Neu ist, dass mit den Studiendaten die hohe Lebensraumeignung von schonend bewirtschafteten Skipisten für Wildbienen, Tagfalter und Heuschrecken belegt ist, die diese Flächen nicht nur bewohnen, sondern sich dort auch vermehren. Pröbstl-Haider verweist darauf, dass es sich bei der in Auftrag gegebenen Studienreihe nicht um eine singuläre Erhebung handelt, sondern dass die Pistenpflege in das zertifizierte Umweltmanagementsystem für das Skigebiet Schmittenhöhe eingebunden ist. „Die Förderung einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt ist damit keine ‚Eintagsfliege‘ sondern wesentlicher Teil des aktuellen und zukünftigen betrieblichen Managements der Schmittenhöhebahn. Dies ist vorbildlich“, so Pröbstl-Haider.

Fotocredit: Schmittenhöhebahn AG, Felsch
Titelbild: M. Wartbichler

Durch die Studie wird deutlich, dass mit entsprechender extensiver Bewirtschaftung bzw. Pflege von Pistenflächen ein wertvoller Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt und zum Teil sogar zum Artenschutz geleistet werden kann. Skipisten sind zwar im Regelfall relativ einheitliche und ebene Flächen, bei ihnen ist jedoch selten die Notwendigkeit landwirtschaftlicher Produktion gegeben. Die Hänge können innerhalb des weit verbreiteten montanen und subalpinen Fichtenwaldes bei entsprechender landwirtschaftlicher Nutzung und Strukturierung des Lebensraumes durchaus eine neue „insektenfreundliche“ Umgebung bilden. Gerade in einer Zeit, in der die Bestände der Insekten durch die üblichen landwirtschaftlichen Praktiken extrem stark rückläufig sind, können auch „sekundäre Pionierstandorte“ mit entsprechenden Voraussetzungen einem weiteren Verlust der Heuschrecken entgegenwirken. Während auf den untersuchten Pistenflächen bis etwa 1100 Meter nur 47 Prozent der gesamten Heuschreckenarten vorkommen, sind auf den Skipisten der Subalpinstufe bis etwa 1900 Meter 80 Prozent der Arten vorhanden. Normalerweise ist es umgekehrt, die Artenvielfalt von Heuschrecken nimmt von den Tieflagen bis in die Alpinstufe ab.

Die Bilder der blütenreichen Skipisten der Schmittenhöhe zeigen bereits einem „normalen Bürger“, dass auch Pistenflächen eine hohe Biodiversität aufweisen können. Von den Experten wurde dies nun eindrucksvoll bestätigt. Ungedüngte „Pisten-Wiesen“ mit seltener und später Mahd beherbergen nicht nur beeindruckend viele Arten, es leben hier sogar Organismen, die landesweit als gefährdet gelten.

Für die Schmittenhöhe-Bergbahnen sind diese Ergebnisse Anlass dazu, diese naturorientierte Pistenpflege weiter zu verbessern, um möglichst große Pistenbereiche zu heute selten gewordenen „Blumenwiesen“ als Lebensraum für Schmetterling, Biene, Heuschrecke und Co. umzugestalten.

Facts / Quellennachweis

 Die Schmittenhöhebahn AG gründete im Jahr 2011 einen Ökologiebeirat und wurde bereits 2015 mit dem EMAS Zertifikat ausgezeichnet. Damit ist es das einzige Seilbahnunternehmen Europas mit einer solchen Zertifizierung. EMAS steht für „Eco-Management and Audit Scheme“ und zeichnet besondere Umweltleistungen verschiedener Unternehmen aus.

  • Schmittenhöhebahn AG, 5700 Zell am See
  • https://newsroom.pr/at/schmitten-praesentierte-neue-studie-oekologisches-pistenmanagement-als-basis-fuer-artenreiche-tier-und-pflanzenwelt-14630
  • Fotocredit: Schmittenhöhebahn AG, Felsch/ Titelbild: M. Wartbichler

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