Das „Wann“ steht, das „Wie“ ist offen!

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Was gestern war ist alt, was heute gilt könnte morgen schon wieder falsch sein – Die Schnelllebigkeit der Entscheidungen in Tagen der Coronakrise verblüfft, verunsichert und überfordert mitunter. Nachdem Deutschland noch vor wenigen Tagen möglichen Grenzöffnungen einen Riegel vorschob, ist nun wieder alles anders. Mit 15. Juni öffnet der wichtigste Gästemarkt für Österreich seine Tore. Nur zwei Wochen nachdem die Hotellerie und die Bergbahnbetriebe (beide ab 29. Mai) wieder durchstarten könnten. Die Tourismusbranche atmet auf, die große Verunsicherung, ob der offenen Fragen, bleibt.

Sommerhalbjahr 2019: Zwischen Mai und Oktober verzeichnete Österreich insgesamt 79 Millionen Nächtigungen 37,4 Prozent konnten dabei der deutschen Gästeschicht zugeschrieben werden. Damit verzeichneten unsere Lieblingsnachbarn den mit Abstand größten Nächtigungsanteil. Umso größer war und ist die Sorge in der heimischen Tourismusbranche über mögliche Verluste in diesem Bereich. Anfang dieser Woche dann die Kehrtwende. Nach Wochen des Zögerns von Seiten der deutschen Bundesregierung wurde nun die ersehnte Grenzlockerung für 15. Juni beschlossen – vorausgesetzt die Pandemie bleibt unter Kontrolle.

Für einige Hoteliers sei vor der Grenzöffnung noch nicht klar gewesen, ob sie ohne Touristen aus Deutschland überhaupt öffnen können. Den Touristikern im Land Salzburg falle mit der Nachricht von der Grenzöffnung ein Stein vom Herzen, sagte Tourismussprecherin Petra Nocker-Schwarzenbacher. „Der deutsche Gast hat über 30 Prozent der Gesamtnächtigungen in Österreich und einen extrem hohen Stellenwert. Das heißt, das wichtigste Herkunftsland öffnet und das ist ganz wichtig für den Tourismus.“ Die Österreichische Hoteliersvereinigung fordert jetzt rasch klare Regeln darüber, wie die Gäste beherbergt werden können.

Zwischen Optimismus und Realismus

Der Tourismusexperte Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) dämpfte den Optimismus am Mittwoch im Ö1-„Mittagsjournal“ aber etwas. Er erwartet trotz der Grenzöffnungen eine deutliche Zurückhaltung bei den Buchungen, also eine schwache Nachfrage. „Auch wenn die Grenzen offen sind, heißt das natürlich nicht, dass die Leute diese Grenzen auch überschreiten wollen“, sagte Fritz mit Blick auf eine mögliche Angst vor Ansteckungen. Insbesondere für den Westen Österreichs seien die Grenzöffnungen aber „gute Nachrichten“. In Tirol und Vorarlberg sei der Anteil der Deutschen bei den Nächtigungen bei über 50 Prozent.

Am Beispiel eines Hoteliers in Salzburg, in der Region Hochkönig, dürfte die Nachfrage nach Urlaub in Österreich aber groß sein. Due Buchungslage orientierte sich bereits vor der Bekanntgabe der Lockerung am Vorjahresniveau. Der neue Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg, Peter Buchmüller, sprach ebenfalls von einem „Durchatmen“ für den Tourismus, aber auch von einem bedeutenden Schritt für den Handel sowie die tausenden Pendler.“Mit den österreichischen Gästen allein hätte sich für viele Betriebe eine Öffnung nicht ausgezahlt“, sagte Spartenobmann Albert Ebner. „Damit besteht die Hoffnung, dass wir die Sommersaison doch noch einigermaßen retten können.“

Auch im Tiroler Hotel Stanglwirt in Going am Wilden Kaiser freute sich Maria Hauser „riesig“ über die Öffnung. Auch wenn viele Buchungen von österreichischen Gästen eingegangen waren, sei die Grenzöffnung eine „große, große Freude“, sagte sie zur APA. Etwa 80 Prozent der Gäste im Stanglwirt kommen aus Deutschland, die meisten hätten dem Hotel auch die Treue gehalten und auf die Grenzöffnung gehofft. Einige hätten aber auch umgebucht. Die Sommersaison sei damit „gerettet“, immerhin sei man im Sommer „quasi ausgebucht“, berichtete Hauser.

Und nun?

Das „Wann“ ist nun fixiert, das „Wie“ aber nach wie vor offen. Welche Auflagen für die Hotellerie und die Bergbahnbetriebe gelten werden lassen sich höchstens erahnen. So dienen die Vorschreibungen für den Gastronomiesektor auch in den Beherbergungsbetrieben als Referenz. Fragen über Öffnungen des Wellnessbereichs sowie Begrenzungen im Bereich der Auslastung bleiben bis dato noch unbeantwortet. Die Zeit läuft.

 

Quellen: orf.at / vol.at / stms