Eine Vorfreude ohne Gefühl

Österreich sperrt wieder auf. Während bis Mitte Mai Restaurants, Schulen und weitere Branchen ihren Betrieb (abgespeckt) wieder aufnehmen dürfen, wartet der Tourismus hierzulande weiter auf die ersehnten „Lichtsignale“ im dichten Nebel. Gerüchte über Öffnungen und etwaige Maßnahmen kursieren, dezidierte Maßnahmen und Auflagen bleiben bis dato aber noch aus. Eine ganze Branche, immerhin 15 Prozent der Wirtschaftsleistung in Österreich, sitzt in diesen Tagen wie auf Nadeln. Wann? Wie? Was? Viele Fragen, kaum Antworten – ein Statusupdate.

Quo Vadis Tourismus in Österreich? Diese und viele andere Fragen stellen sich in diesen Tagen Hoteliers, Tourismusverbände und Bergbahnbetreiber. Getrieben von Existenzängsten und Zukunftssorgen harrt eine ganze Branche den Dingen und wartet sehnsüchtig auf Signale der Bundesregierung. Sieben Wochen nach dem „Corona-Lockdown“ will Bundeskanzler Sebastian Kurz in dieser Woche erste Pläne für den Tourismus präsentieren. Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, befürchtet, dass für die Hotels kein Fahrplan bekannt gegeben wird. „Wir brauchen aber endlich einen konkreten Zeitpunkt, wann welche Betriebe aufsperren dürfen – natürlich unter den besten Sicherheitsvorkehrungen“, sagt Kraus-Winkler gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Die fehlenden Perspektiven, das Scharren in den Startlöchern und mögliche Vorkehrung lassen die Kosten-Nutzen-Rechnung in die falsche Richtung ausschlagen. Die Fixkosten, ohne entsprechenden Umsatz wären deutlich zu hoch. Trotz geltender Einschränkungen der Reisefreiheit in allen Staaten könne man nicht in Schockstarre verfallen. „Wir sehen, dass trotz allem laufend Buchungen reinkommen“, so Kraus-Winkler.

Gemeinsam mit der Gastronomie habe man Verhaltensempfehlungen für die Wiedereröffnung vorgelegt. Doch im Gegensatz zur Gastronomie gebe es für die Hotellerie keinen Plan für einen Neustart. „Wir können etwa den Check-in so gestalten, dass die Distanz behalten wird. Hotels können die Gästeströme sehr gut steuern, die Produkte & Angebote anpassen und etwa die Möglichkeiten im Freien verstärken“, argumentiert Kraus-Winkler. „Die Balance zwischen Gesundheit und Wirtschaftlichkeit muss möglich gemacht werden.“ Die notwendigen Hygienestandards stehen ohnehin an oberster Stelle.

Keine Alleingänge

In der Diskussion über einen Sommerurlaub trotz Coronavirus-Krise hat ÖVP-Außenminister Alexander Schallenberg indes klargestellt, dass Österreich bei der Öffnung für ausländische Gäste keine unabgestimmten Alleingänge plant. Klar ist aber auch, dass gerade Österreich auf den deutschen Urlaubermarkt angewiesen ist.

„Wir werden mit Partnerländern und in engem Kontakt mit der EU-Kommission gemeinsam an Lösungen arbeiten, wie ein behutsames Hochfahren des Sommertourismus wieder möglich sein könnte“, sagte er unlängst der „Bild“-Zeitung.

Grenzüberschreitender Tourismus werde „nur vorsichtig und Schritt für Schritt wieder mit Ländern möglich sein, die ähnlich weit sind wie Österreich und ähnlich niedrige Infektionszahlen aufweisen“.

Aber auch im Sommer ist Österreichs Tourismus von Gästen aus dem Ausland abhängig. Der Inlandstourismus in Österreich macht nur knapp ein Viertel der Sommer-Urlauber aus. Der Inlandstourismus würde heuer zunehmen, so Kraus-Winkler, weil ja auch Österreicher nach jetzigem Stand nicht im Ausland urlauben können. Trotzdem wäre es wichtig, dass auch Deutschland als größter Urlauber-Markt die Reisefreiheit lockert. Doch auch Deutschland bremst. Kraus-Winkler: „Deutschland hat zu 90 Prozent Inlandstourismus und deshalb auch keinen Druck.“

 

Quellen: Tiroler Tageszeitung; ORF