Österreichische Meilensteine der Seilbahngeschichte – Ein Blick zurück

Teil 1

Seilbahnen gehören zu den ältesten und sichersten Verkehrsmitteln der Welt – sind aber trotzdem so modern wie fast kein anderes. Aufgrund seiner Topographie nahm Österreich früh eine Vorreiterrolle in der Geschichte der Seilbahnen ein. Die österreichische Seilbahntradition ist geprägt von Pioniergeist und stetigen Innovationen in puncto Technik, Sicherheit, Komfort, Ökonomie und Ökologie. 1873 nahm Österreich die erste öffentliche Seilbahn in Betrieb – heute verkehren über 2.900 Anlagen und österreichische Seilbahnkompetenz ist weltweit gefragt.

Im ersten Teil unserer zweiteiligen Reihe erzählen wir von den Anfängen der Seilbahnen in Österreich im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Eisenfachwerkbrücke und Wagen der alten Hungerburgbahn. Aus Wikicommons (Wikicommons verlinkt >>> https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hungerburgbahn-alt-Innbr%C3%BCcke.jpg)

 

Standseilbahnen – die Anfänge der modernen Personenseilbahn

Die wichtigsten Grundsteine für die technologischen Entwicklungen der frühen österreichischen Seilbahnlandschaft legten die Erfindung des ersten Drahtseils aus Eisen und die Erfindung des Elektromotors sowie der aufkommende Nobeltourismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die erste öffentliche Standseilbahn auf österreichischem Boden wurde am 27. Juli 1873 auf den Leoplodsberg in Wien-Döbling eröffnet. Sie wurde aber schon wenige Jahre nach der ersten Inbetriebnahme 1876 wieder stillgelegt.

Die ältesten in Betrieb befindlichen Standseilbahnen in Österreich führen auf die Festung Hohensalzburg (1892) und auf den Grazer Schlossberg (1894). Als Antrieb der Festungsbahn in Salzburg diente Wasserballast, wegen dem sie rasch den Beinamen „Tröpferlbahn“ bekam. Die damals mit Dampf angetriebene Schlossbergbahn in Graz überwindet bis heute einen Höhenunterschied von rund 109 Metern bei einer Steigung von 60 Prozent. Beide Bahnen wurden mehrfach umgebaut und modernisiert, wobei die Trassen unverändert blieben.

Ebenfalls zu den ältesten Standseilbahnen Österreichs zählte die alte Hungerburgbahn in Innsbruck, die 1906 in Betrieb genommen wurde. Die mit einem Wechselstrommotor angetriebene Bahn überzeugte vor allem durch ihre gewagte 36 Meter hohe Brückenkonstruktion aus Eisen und durch die Verwendung des im Seilbahnbau neuen Baustoffes Beton. Allerdings wurde die alte Hungerburgbahn 2005 eingestellt, und 2007 durch die von der preisgekrönten Architektin Zaha Hadid entworfene neue Hungerburgbahn mit einem zentrumsnäheren Endbahnhof und teilweiser unterirdischer Trassenführung ersetzt. Berg- und Talstation der alten Hungerburgbahn sowie die denkmalgeschützte Fachwerkbrücke aus Eisen bei der alten Talstation und der ebenso denkmalgeschützte Stampfbeton-Viadukt im damaligen oberen Betriebsdrittel können aber noch bestaunt werden.

 

Auf zu neuen Höhen – die ersten Seilschwebebahnen zur Personenbeförderung

Ab dem 20. Jahrhundert wurde das beim intensiven Einsatz von Materialseilschwebebahnen erworbene Wissen erstmals für den Bau moderner Personenseilschwebebahnen in Österreich angewendet. Bereits im Jahr 1908 lagen die ersten Pläne zu einer Adhäsionsbahn vor, die später eine Pendelbahn werden und von Hierschwang auf die Raxalpe führen sollte. Am 9. Juni 1926 war es dann endlich soweit – die Rax-Seilbahn konnte als die erste Personen-Seilschwebebahn Österreichs dem öffentlichen Verkehr übergeben werden.

Nur knapp einen Monat später wurde die Tiroler Zugspitzbahn als erste der auf die Zugspitze führenden Bahnen in Ehrwald feierlich eröffnet. Die Bahn setzte zweifellos neue Maßstäbe. In nur 16 Minuten konnte man hochalpines Gelände erklimmen, wozu man vor dem Bau noch Stunden benötigte. Die 19 Personen fassenden Kabinen galten als Besonderheit – erstmals im Seilbahnwesen wurden diese mit Duraluminium verplankt. Mit ihren 3.360 Metern Streckenlänge galt die Tiroler Zugspitzbahn außerdem lange als die längste Seilschwebebahn der Welt.

In den darauffolgenden Jahren ging es Schlag auf Schlag – es setzte förmlich ein Seilbahn-Fieber ein. Allein im Jahr 1927 wurden zum Beispiel die Schmittenhöhebahn in Salzburg, die Pfänderbahn in Vorarlberg und die Feuerkogelbahn in Oberösterreich eröffnet. Eine technische Innovation jagte die nächste, und eine Seilbahn nach der anderen wurde in Österreich zur Erschließung alpiner Gelände errichtet. Ein neues Zeitalter der modernen Seilbahntechnologie war angebrochen – in dem Österreich von Beginn an eine Vorreiterolle eingenommen hatte.

 

Literatur:
100 Jahre Seilbahnen in Tirol von Günter Denoth, 2008 im Sutton Verlag erschienen

 

Gastbeitrag: Isabel Inhoven