Seilbahnbetrieb zu Pandemiezeiten – Ein Interview mit der Patscherkofelbahn

Lockdown, Ausgangsbeschränkungen, Reisewarnungen, neue Mutationen, Anstieg der Infektionszahlen und Verschärfungen der Regeln – die Corona-Pandemie trifft auch die Seilbahn- und Wintersportbranche hart. Viele Bergbahnen haben ihre Betriebszeiten angepasst, Lifte blieben teilweise geschlossen und manche Skigebiete wie die Silvretta Arena haben ihren Betrieb für die Wintersaison 20/21 komplett eingestellt. Wir haben mit Mag. Adrian Egger, dem Geschäftsführer der Patscherkofelbahn, über den winterlichen Krisenbetrieb gesprochen.

Herr Egger, wie haben Sie persönlich diese besondere Wintersaison erlebt?

Durchaus schon auch mit gemischten Gefühlen. Anfänglich eben relativ skeptisch aber dann durch die gute Schneelage, durch das gute Wetter, hat sich das eigentlich ganz gut entwickelt, speziell mit den einheimischen Gästen – natürlich haben wir touristische Gäste keine begrüßen dürfen. Aber es war dann eigentlich relativ gut. Auch alle Maßnahmen, die vorgeschrieben wurden, sind eingehalten worden, unsere Sicherheit und Präventionskonzepte, und, und, und. Wir haben die Saison eigentlich dann gut durchgezogen.

 

Also Ihre grundsätzliche Bilanz fällt dementsprechend positiv aus?

 Ja genau.

 

Würden Sie sagen, dass Sie einen Vorteil gegenüber anderen Skigebieten gehabt haben, da ja der Patscherkofel als Hausberg der Einheimischen, der Innsbrucker, gilt?

 Auf jeden Fall. Der Großraum Innsbruck ist uns zu Gute gekommen. Die Stadtnähe, das Freizeitticket-Angebot und natürlich auch die sehr, sehr gute Anbindung von öffentlichen Verkehrsmitteln mit der Linie J der IVB.

 

Es kam während der Saison immer wieder zu Änderungen der Vorschriften. Anfangs galt zum Beispiel ein einfacher Schal als Mund-Nasenschutz als sicher und zuletzt ausschließlich eine FFP2-Maske. Wie flexibel konnten Sie auf Änderungen reagieren? Hatten Sie immer einen Plan B oder sogar einen Plan C im Ärmel?

 Wir haben flexibel reagieren können, da wir ja doch eine gewisse Vorlaufzeit hatten, ab der dann diese neuen Regelungen gültig waren. Wir haben dann in weiterer Folge andere Szenarien gesponnen – sprich einen Plan B oder Plan C ausgearbeitet. Wir haben Szenarien entwickelt was sein könnte, wenn die und die Verordnung kommt oder wenn die und die Auflage kommt. Das haben wir alles durchgespielt und wir wären eigentlich auch auf strengere Maßnahmen vorbereitet gewesen.

 

Haben Sie im Zuge dessen dann auch Gesundheitsvorkehrungen und Maßnahmen außerhalb der gesetzlichen Vorschriften getroffen, wie zum Beispiel Kaltvernebelungsgeräte zur Desinfektion oder spezielle Kamerasysteme?

 Ja, das haben wir gemacht. Wir haben alle Zugänge mit Zugangslenkungen geregelt. Wir haben Kaltvernebelungsgeräte angeschafft, um die Kabinen täglich zu desinfizieren. Wir haben ein komplett neues Reinigungskonzept aufgesetzt für die Reinigung der öffentlichen Bereiche, speziell der Toilettenanlagen. Da wir ja pro Kabine mit nur 50 Prozent Auslastung fahren durften, haben wir in den Kabinen, fünf der zehn Plätze abgeklebt, um auch visuell darzustellen, dass die Menschen maximal nur zu fünft in der Kabine sitzen dürfen.

 

Haben die Gäste diese Maßnahmen und Vorgaben gut aufgenommen oder ist es auch zu Schwierigkeiten innerhalb der Saison gekommen?

 Also diese Schwierigkeiten, die Sie ansprechen die mit Gästen aufgetreten sind, die kann man an einer Hand abzählen. Es war wirklich sehr, sehr selten der Fall, wirklich ganz selten. Es hat sich wirklich der Großteil unserer Gäste an die Vorgaben und an die Maßnahmen gehalten. Speziell auch in den Anstehbereichen bei der Kassa, bei der Bahn und in der Bahn selber auch.

 

Sie bieten ja ein Mal in der Woche auch Abendfahrten und den Nachtskilauf an. Diese Saison nur ein Mal, da die Skifahrer zu gesellig zusammengesessen sind. Denken Sie darüber nach, diese wieder einzuführen, auch wenn die gleichen Vorschriften gelten? Warum haben Sie diese nach einmaligem Versuch wieder abgesagt?

 Normalerweise fahren wir immer ab dem letzten Donnerstag im Februar bis Ende der Saison länger, auch mit dem kleinen Schlepplift beim Snowpark, um den Parkfahrern und den anderen Skifahrern die Möglichkeit zu geben im Frühjahr den Sunset zu genießen. Es war halt an dem Donnerstag, am ersten Donnerstag im Februar, an dem wir das angeboten haben, einfach ein sensationelles Wetter und es haben sich Menschengruppen bei den unbesetzten Almen gebildet. Wir wollten ganz klar den Sport, das Skifahren und das Snowboarden in den Vordergrund stellen. Das hat dann eben offensichtlich nicht funktioniert und somit haben wir das dann eingestellt und wenn das nächstes Jahr auch wieder so sein sollte werden wir es wahrscheinlich nicht mehr anbieten.

 

In den Medien wurden Skigebiete oftmals als Brutstätten des Coronavirus bezeichnet, weil sich Skikursteilnehmer in manchen Skigebieten mit dem Coronavirus angesteckt haben – ob das dann wirklich auf der Piste passiert ist bleibt offen. Hat es bei Ihnen nachweisliche Ansteckungen in den Gondeln oder auf der Piste gegeben? Und wie schätzten Sie das Ansteckungsrisiko während des Skifahrens ein?

Uns ist kein Fall bekannt, dass sich bei uns jemand angesteckt hat. Wir haben auch keinen einzigen Skikurs gehabt in dieser Saison und erst ab dem 15. März, wo die Lockerungen für den Jugendsport gekommen sind. Aber uns ist kein einziger Fall bekannt, dass sich jemand im Skigebiet, in der Kabine oder sonst irgendwo bei uns angesteckt hat. Um auf die nächste Frage zu kommen, ich schätze das Ansteckungsrisiko während des Skifahrens als äußerst gering ein bzw. eigentlich gegen Null hingehend, weil sich der Mensch da in der freien Natur bewegt. Es ist was anderes, wenn man auf engstem Raum zusammensitzt, und in geschlossenen Räumlichkeiten ist es sicher eine ganz andere Belastung als im Freien. Und es hat auch Studien gegeben, die in der Schweiz gemacht worden sind, mit Messungen und  Luftstromanalysen von Kabinen, von Standseilbahnen und von Großkabinen, und bei einer Durchlüftung von Einseilumlaufbahnen so wie bei uns, bei einer zehn Personen fassenden Bahn wo eben nur fünf Personen drinnen sitzen geht das Ansteckungsrisiko während der Fahrt, die unter 15 Minuten beträgt, gegen Null hin. Also ich glaube nicht daran, dass wir eine Brutstätte des Virus sind.

Der Patscherkofel, im Süden von Innsbruck, kämpfte sich wacker durch eine ganz schwierige Wintersaison

 

Also dem sicheren Skifahren steht nichts entgegen?

Ja, genau richtig!

 

Welche Vorkehrungen haben Sie denn unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen getroffen, dass auch sie geschützt sind?

Wir haben die Mitarbeiter regelmäßig geschult, informiert und aufgeklärt. Wir haben bei uns unter den Mitarbeitern die FFP2-Maskenpflicht schon länger gehabt. Wir haben die Mitarbeiter geschult, auch mittels dem Selfservice Tirol Online Tool, einer App. Jeder Mitarbeiter ist online und auch persönlich geschult worden. Die Betriebsleitung war ständig dahinter, dass diese Maßnahmen auch von den Mitarbeitern eingehalten und getragen werden. Zudem testen wir seit Februar wöchentlich alle Mitarbeiter und auch die Partner am Berg, sprich die Gastronomie, die Mitarbeiter vom Intersport-Shop, die Skischulen und auch die Pistenrettung wöchentlich mit einem Antigentest und wir haben bis dato keinen positiven Fall gehabt.

 

Wie wären Sie vorgegangen wenn es eine Ansteckung gegeben hätte?

Wir haben das in unserem Sicherheits- und Präventionskonzept niedergeschrieben. Wenn eine Person, ob Mitarbeiter oder Gast, Symptome aufweist, wäre diese Person sofort isoliert worden, sprich in den vorgesehen Raum entweder in der Berg- Zwischen- oder Talstation untergebracht worden. Daraufhin hätten wir mit einem Formular die Personendaten aufgenommen und die Person angewiesen direkt mit der 1450-Hotline in Verbindung zu treten und weitere Anweisungen abzuwarten. Wenn ein Mitarbeiter Symptome aufgewiesen hätte, wäre dieser auch sofort abgesondert worden. In dem Formular werden natürlich auch die K1-Personen angeben von dem jeweiligen Tag. Natürlich wissen wir bei den Mitarbeitern auch aufgrund der Dienstpläne welche anderen Personen vor Ort waren. Diese Personen, die in Kontakt gewesen wären, hätten wir dann zu einem Schnelltest geschickt und auch die Person gebeten den entsprechenden weiteren Anweisungen der Behördenhotline Folge zu leisten. Das ist ein standardisierter Prozess und wir haben ihn nie gebraucht.

 

Haben Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Testungen und Sicherheitskonzepte gut aufgenommen – haben sie sozusagen kooperiert und sich alle testen lassen?

Ja, absolut! Es hat jeder mitgemacht. Jedem war bewusst, dass das eine schwierige Wintersaison wird. Jedem war bewusst, dass wir im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Und jedem war auch bewusst, dass wenn wir unseren Job nicht ordentlich machen, es eventuell zu Schließungen kommt. Das Bewusstsein war – ist noch nach wie vor – wir fahren ja noch bis 5. April – sehr gut ausgeprägt und ich muss auch sagen, die Mitarbeiter haben auch immer wirklich ganz genau geschaut, dass sich auch unsere Gäste an die Maßnahmen halten.

 

Wie Sie schon gesagt haben, es war ein sehr turbulentes Jahr und das Image des Skifahrens hat während diesem Coronajahr stark gelitten. Aber auch Bewegungen wie FridaysforFuture haben vielen einen erneuten Denkanstoß hinsichtlich der Nachhaltigkeit gegeben – auch dem Patscherkofel?

Wir glauben, dass sich die Sommersaison verlängern wird oder wir sie länger anbieten. Aber der Skisport so wie er jetzt ist wird auch eine Zukunft haben. Es werden auch wieder die Gäste kommen, die Einheimischen wollen sich auch gern auf den Pisten bewegen, und ja, sicher hat es uns auch einen Denkanstoß gegeben. Aber wir fahren mit sauberem Strom, wir verwenden keine Chemikalien bei der Schneeproduktion, nur Wasser Luft und Strom, und haben uns da nichts vorzuwerfen. Zudem haben wir gerade ein Projekt zu einer angewandten Kreislaufwirtschaft gestartet. Das heißt wir werden jetzt im Frühjahr unsere betrieblichen Abläufe noch genauer durchleuchten und anschauen wo wir noch weiter in puncto Nachhaltigkeit optimieren können. Nächste Woche ist dazu der erste Workshop. Dann gibt es weiter Abfallwirtschaft, Recycling, Tickets, und, und, und. Uns war und ist es sehr wichtig auf Nachhaltigkeit zu setzten.

 

Sie haben schon angesprochen, dass Sie jetzt nach diesem harten Winter auf die Sommersaison setzten. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Wir hoffen, dass wir Pfingsten wieder in einen, sagen wir jetzt einmal, normalen Sommer starten können so wie letztes Jahr. Nicht nur mit den vielfältigen Wanderwegen sondern auch mit unserer vielfältigen Gastronomie am Berg. Wir setzten auf diese Nähe zur Stadt, diese schnelle Erreichbarkeit und freuen uns auf alle die das naturnahe Erlebnis suchen und bei uns auf dem Patscherkofel finden. Wir setzen natürlich auch noch auf familienfreundliche Angebote. Da sind wir gerade dabei noch ein paar Sachen für den Sommer vorzubereiten und wir freuen uns schon auf die Sommersaison – um Pfingsten geht‘s wieder los!

 

Vielen Dank für das Interview.

Anmerkung: Das Interview wurde transkribiert – etwaige Wortwiederholungen resultieren aus dem persönlichen Gespräch. 

 

Gastbeitrag: Isabel Inhoven