Sicher auf den Berg – Seilbahnbetrieb im winterlichen Krisenmodus

Seilbahnen gehören nach dem Flugzeug zu den sichersten Verkehrsmitteln der Welt. Dafür sorgen modernste Technik, sorgsam ausgebildetes Personal, externe Aufsichtsbehörden, strenge Auflagen und regelmäßige Kontrollen. Die Sicherheit der Fahrgäste, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bildet das Herzstück aller Bergbahnanlagen. Diesen Winter stehen die Sicherheit und die persönliche Gesundheit aller noch stärker im Zentrum als bisher.

Mit einem Bündel an zusätzlichen speziellen Maßnahmen, Hygienestandards, Gesundheitskonzepten und Verhaltensrichtlinien für Fahrgäste setzen Österreichs Seilbahnbetreiber umfassende Gesundheitsschwerpunkte weit über behördliche Vorgaben hinaus, sodass wir auch in diesem Winter möglichst sorgenfrei frische winterliche Bergluft schnuppern dürfen.

Das vielschichtige Schutzpaket umfasst unter anderem Bodenmarkierungen an entsprechenden Stellen, Leit- und Ampelsysteme, intensiv geschultes Personal, MNS- und Abstandspflicht, Hygieneregelungen, Temperaturmessungen, Möglichkeiten zum Online-Check-In oder Ticketvorverkauf, regelmäßige Desinfektion und Durchlüftung von neuralgischen Punkten sowie die Einführung von zusätzlichen Kassen und Skibussen, um die Auslastung weiter zu senken.

Ergänzend zu diesen eher konventionellen Maßnahmen werden die neuesten, technischen Innovationen eingesetzt, um Gesundheit und Sicherheit bestmöglich gewährleisten zu können. So setzen Seilbahnbetriebe etwa auf ferSwarm, eine von Feratel und Swarm Analytics gemeinsam entwickelte, videobasierte Lösung für Zutrittskontrollen und Kapazitätslimitierungen. Sie erfasst die Anzahl der Personen in Echtzeit, hält aber gleichzeitig die Datenrate niedrig und wahrt den Datenschutz. Befinden sich zu viele Personen an einer Station, signalisiert ein Display am Eingang „Stopp“. So kann es im Bedarfsfall Kapazitätsbeschränkungen geben und der Sicherheitsabstand kann eingehalten werden.

Kohlmaisbahn_fotocredit_CWA
Kohlmaisbahn_fotocredit_CWA
Desinfektionsmittel in den Kabinen

Einsatz findet auch ein neues Desinfektionssystem für Seilbahnkabinen der Firma Demaclenko GmbH. Die feinen Düsen des Geräts zerstäuben Desinfektionsmittel, das über den eingebauten Ventilator anschließend in den Kabinen verteilt wird. Mit der mobilen LED-Leuchtkonsole seTUBE Gondola hat das MCI (Management Center Innsbruck) zusammen mit Planlicht eine zusätzliche Möglichkeit zur raschen Desinfektion von Gondeln geschaffen. Mittels ultraviolettem Licht können Oberflächen in Gondeln während der Talfahrt rückstandslos von Keimen und Mikroorganismen wie Viren, Bakterien oder Pilzen befreit werden.

Zudem setzt man im Sinne der Prävention auch auf freiwillige, kostenlose Testangebote und Abwasser-Monitoring, eine Initiative des österreichischen Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus sowie dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. So können die getroffenen Schutzmaßnahmen und Sicherheitskonzepte frühzeitig evaluiert, angepasst und nachgebessert werden, damit vorausschauend in die Wintersaison 2020/21 geblickt werden kann.

Maßnahmen und Konzepte angepasst

Auf den Gletschern hat diese bereits vor einem Monat begonnen. Die über den Sommer und Herbst ausgearbeiteten Sicherheitskonzepte und Schutzmaßnahmen konnten sich einem ersten Testlauf unterziehen. Zahlreiche Ruhesuchende und Aktivurlauber haben bereits ihre ersten Spuren auf den heimischen Pisten gezogen  – Massen ohne Abstand, Traubenbildungen oder Stauungen, wie es auf Bildern auf diversen Social-Media-Kanälen in den letzten Tagen zu sehen war, konnte auch der ORF-Tirol bei seinem Lokalaugenschein letzte Woche am Stubaier Gletscher nicht beobachten. Der Sicherheitsaufwand ist groß, aber die Maßnahmen und Konzepte der Bergbahnen haben – vor allem auch Dank der Solidarität und Mitarbeit der Gäste – augenscheinlich gegriffen.

Dennoch, trotz gut funktionierender Sicherheitskonzepte und Schutzmaßnahmen, müssen Lifte und Seilbahnen aufgrund des schwer kontrollierbaren, generellen Anstiegs der Infektionszahlen in Österreich vom 3. bis zum 30. November für die Öffentlichkeit schließen. Bergbahnen und Skigebiete werden voraussichtlich am 1. Dezember wieder öffnen dürfen, wenn die verordneten Maßnahmen und Ausgangsperren zur Eindämmung die gewünschte Wirkung zeigen.

 

Gastautor: Isabel Inhoven