Vom Winde verweht!

„Schalt ihn doch einfach aus.“ Doch so leicht ist es dann eben doch nicht. Der liebe Föhn ist für ein Skigebiet ein unliebsamer Begleiter. Föhnbedingte Sperren, Umsatzausfälle und Unverständnis bei den Gästen – die Probleme für die Betreiber sind in akuten Fällen vielfältig und fordernd. Auch am Innsbrucker Hausberg, dem Patscherkofel, sind Wind- und Sturmtage häufig Spielverderber sowie teure Begleiterscheinungen. Woher kommt er? Wohin geht er? Wir sind dem gefürchteten „Lüftchen“ auf die Spur gegangen und haben uns zum einen bei Dr. Michael Winkler (ZAMG) sowie Adrian Egger (Geschäftsführer Patscherkofelbahn) zu diesem Thema schlau gemacht.

Der Patscherkofel keucht, der Wind stürmt, die Bahn steht. Der unliebsame Föhn ist immer wieder ein großes Gesprächsthema rund um den Innsbrucker Hausberg. Auch die Patscherkofelbahn NEU und der Skibetrieb hatten mit dem legendären „Lüftchen“ nicht selten zu kämpfen. Treue Wegbegleiter sind sie, aber dicke Freunde werden der „Kofel“ und der Föhn mit Sicherheit nicht mehr.

Föhn am Patscherkofel – Das sagt die Wissenschaft

Gemeinsam mit Dr. Michael Winkler von der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) sind wir dem Phänomen „Föhn“ auf den Grund gegangen.

Herr Winkler, der Patscherkofel ist seit jeher eng mit dem Wetterphänomen Föhn und Wind verbunden. Eigentlich sind beide treue Begleiter. Wie kommt diese „Zwangsheirat zustande“?

Der Patcherkofel steht in der direkten Verlängerung der Brennersenke, dem tiefsten Einschnitt des Alpenhauptlkamms weit und breit, und des gerade nach Norden verlaufenden Wipptals. Genau hier strömt die Luft am besten über die Berge. Hierdurch bahnt sich der Föhn dann seinen Weg.

Welchen Mechanismen liegt der Föhn dann genau zugrunde?

Wichtig ist, dass es auf der einen Seite eines Gebirges einen höheren Luftdruck hat, als auf der anderen. So muss die Luft das Gebirge überströmen. Auf der sogenannten Lee-Seite (dort wo der niedrigere Druck ist) kommt es dann zu Föhn. Eine gute Beschreibung liefert Wikipedia.

Gefühlt gibt es sehr viele Tage mit starkem Wind am Patscherkofel. Gibt es hier eine genaue Statistik. Ist diese Einschätzung richtig?

Diese Frage ist ad hoc nicht zu beantworten. Wir führen keine Föhn-Statistik für den Patscherkofel. Das Besondere ist aber sicher seine Exponiertheit gegenüber dem Südföhn. Auch andere Berge sind stark Föhn-exponiert. Der Patscherkofel ist hier sicher auch deshalb so bekannt, weil es eine lange Messreihe gibt und er der Hausberg einer bekannten Stadt ist.

Kann man die Häufigkeit zumindest den Jahreszeiten zuordnen?

Am meisten Föhntage in Innsbruck(!) gibt es eindeutig im Frühjahr, gefolgt vom Herbst. Im Winter und Sommer gibt es etwa gleich oft Föhn, jedenfalls weniger häufig als in den beiden anderen Jahreszeiten. Am Patscherkofel wird es wohl ähnlich sein.

Ab wieviel km/h spricht man von Föhn, aber wann von Orkan? Gibt es hier überhaupt einen Unterschied in der Definition?

Für „Föhn“ gibt es keine klare Definition nach „Geschwindigkeit“. Von Orkan spricht man offiziell ab 118km/h, egal ob es sich um einen Föhnwind handelt, um Gewitterböen oder irgendeine andere Art von Sturm. Die Skala gibt es hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Beaufortskala

Nach dieser Skala gibt es für den Mensch ab knapp 52 km/h, also Stufe sechs merkliche Auswirkungen, ab Stufe sieben (rund 61 km/h) Widerstand und Behinderungen. Was war denn die höchste Geschwindigkeit die jemals am Patscherkofel gemessen wurde?

Offizieller Rekord der ZAMG Wetterstation am Patscherkofel: 216km/h am 6.11.1997 (Messungen stehen seit 1977 zur Verfügung.).

Wie setzt sich die Messung zusammen? Wie wird die Durchschnittgeschwindigkeit in der Regel gemessen?

Heutzutage wird mit Ultraschall-Anemometern gemessen. Als Durchschnittsgeschwindigkeit versteht man im Allgemeinen ein Mittel über 10-Minuten, Böen sind 2-Sekunden-Werte.

Föhn am Patscherkofel – Das sagt der Betreiber

Warum der Patscherkofel und der Föhn unliebsame Freunde sind, wurde uns von Seiten der Klimaexperten nun erklärt. Doch welchen Einfluss nimmt dieses Wetterphänomen auf den täglichen Seilbahnbetrieb? Patscherkofel-Geschäftsführer Adrian Egger gibt Einblick in die Herausforderung Föhn:

 

Sehr geehrter Herr Egger: Der Patscherkofel und Wind – das ist eine unliebsame und vor allem einseitige Freundschaft. Hand auf’s Herz, wie schwierig ist es mit diesen Rahmenbedingungen ein Skigebiet zu betreiben?

Das Schwierige ist immer die kurzfristige Kommunikation an die Gäste, wenn auf Grund der Windgeschwindigkeiten die Anlagen eingestellt werden müssen – wir kommunizieren dies zwar über das Personal, die Kassen, Facebook und Homepage, leider erreichen wir nicht alle Gäste, die auf dem Weg ins Skigebiet sind. Wir verfügen zwar über relativ gute Prognosen, jedoch ist der Wind oft unberechenbar, vor allem wenn der Wind mit starken Böen von Süden her einfällt. Hand auf´s Herz: ab Windgeschwindigkeiten von 50 km/h macht das Skifahren einfach keinen Spaß…

Gibt es eine aktuelle Statistik? Wieviele Föhntage bzw. Sperrtage gibt es über ein Jahr hinweg? Wie groß (in etwa) sind die Verluste?

Meisten Schließtage in einer Wintersaison 16 Tage – wenigsten Schließtage in einer Wintersaison 7. An guten Tagen verfügen wir max. bis zu 2.800 Erstzutritte – bei Windtagen sind lediglich die Anlagen im Tal (Kinderland, Heiligwasser-Schlepplift) geöffnet und da kommen wir auf bis zu 250 Erstzutritte.

Welche Maßnahmen kann man prinzipiell setzen um diese Verluste zu minimieren?

Da sind mir leider, mit unseren Rahmenbedingungen derzeit, keine bekannt…

 

Die Kommunikationsexperten am Patscherkofel reagieren mit Humor auf den unliebsamen „Föhn-Besuch“

 

Wie ist das Verständnis für die Situation am Patscherkofel innerhalb der Bevölkerung? Würde vermehrt Aufklärung etwas bringen?

Die Gäste reagieren unterschiedlich – ein Großteil zeigt Verständnis bzw. geht bei starkem Wind auch nicht Skifahren. Vereinzelt kommt es zu Diskussionen und es wird mit Unverständnis reagiert.

Welchen positiven Effekte hat die neue Bahn seit Inbetriebnahme in diesem Punkt? Stichwort: Sicherheit, Förderleistung etc.?

Durch die stark erhöhte Förderleistung (2.000 Pers./h) kommt es zu keinen Wartezeiten mehr, die neue und barrierefreie (Kinderwägen, Rollstuhl,…) Bahn bedient alle Pistenabschnitte und im Sommer sind zahlreiche Wanderwege erreichbar.

 

Vielen Dank für das Gespräch