Zwischen Hoffen und Bangen!

Noch immer ist die Welt im Bann der Corona-Krise gefangen. Noch immer ist der Alltag von Auflagen und nunmehr auch von einer vielzitierten „neuen Normalität“ geprägt. Während in vielen Staaten die Todeszahlen noch immer verheerend sind, wird in Österreich bereits eifrig an der Exit-Strategie gefeilt. Wieviel Lockerungen verträgt die derzeitige Situation? Wie könnte ein Stufenplan für die kommenden Wochen und Monate aussehen? Vor allem die Tourismusbranche wartet sehnsüchtig auf Antworten. Im Kampf um das wirtschaftliche Überleben zählt schließlich jeder Tag.

 

 

Es war ein kollektives Aufatmen zu verspüren. Zumindest zeichnete ÖVP-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger dieses Wochenende (unerwartet) einen ersten Silberstreif auf den tristen Corona-Himmel. Denn der Vorstoß, dass deutsche Urlauber bereits im Sommer nach Österreich reisen könnten kam so unerwartet wie erhofft. Bilaterale Verhandlungen sollen dies ermöglichen. Die eingeschränkte Reisefreiheit für Österreicher werde aber noch einige Monate gelten, so Köstinger in der „Presse am Sonntag.

Die Reaktionen ließen hier nicht lange auf sich warten, der Vorstoß wird seither kontrovers und eifrig diskutiert. Für Tourismusforscher Andreas Reiter wäre eine Grenzöffnung im Sommer überlebenswichtig. „Die Deutschen sind die wichtigste Gästegruppe für österreichische Tourismusbetriebe. Würden die Grenzen geschlossen bleiben, wäre der Fremdenverkehr tot“, erklärte Reiter in einem Interview in der Kleinen Zeitung, mit dem Nachsatz: „Die deutsche Gästeschicht macht mehr als die Hälfte der Umsätze aus.“ Die Chefin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba sieht den heimischen Tourismus vor ganz schwierigen Zeiten. Prognosen die von einem Nächtigungsrückgang von nur 24 bis 31 Prozent ausgehen, seien für Kenner der Branche sehr optimistisch. Die Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), geht von Umsatzeinbußen von „im besten Fall 40 bis 60 Prozent“ aus.

Lockerungen „Schritt für Schritt“

Auch Elisabeth Köstinger ist sich der Lage in der sich die Tourismusbetriebe befinden bewusst. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es in diesem Jahr eine andere Art von Urlaub geben wird. Aber dadurch, dass wir die Ausbreitung des Corona-Virus relativ gut im Griff haben und als Bundesregierung schon Lockerungen der Maßnahmen Schritt für Schritt in Aussicht stellen können, planen wir durchaus auch, dass es im Sommer Ferientourismus geben wird. Eine Öffnung im August bzw. September ist durchaus denkbar“, macht Köstinger Hoffnung.

„Die Einschränkung der Reisefreiheit wird uns in den nächsten Monaten noch erhalten bleiben. Wenn Länder aber auch auf einem sehr guten und positiven Weg sind, wie beispielsweise Deutschland, dann gibt es durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich bilateral einigt“, so Köstinger weiter.

Wie und in welcher Form die Grenzen für die deutschen Touristen geöffnet werden sollen kann Köstinger jedoch (noch) nicht beantworten. „Es gibt keinen Stichtag, es könnte ja zu weiteren Wellen der Infektion kommen. Und dann ist nicht auszuschließen, dass wieder weitreichende Maßnahmen getroffen werden müssen. Bis es Medikamente und einen Impfstoff gibt, werden wir uns auf massive Veränderungen einstellen müssen“. Ende April werde man einen Plan für das langsame und schrittweise Hochfahren der Gastronomie und des Tourismus präsentieren. Auch hier werde es strenge Auflagen geben. Bis man einen Impfstoff zur Verfügung hätte, seien Abstands- und Hygieneregeln notwendig. Man sei dabei das auszuarbeiten, so Köstinger. In einem Bericht von Tirol Heute (19.04.2020) wurden erste mögliche Einschränkungen in Hotels diskutiert. Ob reduzierte bzw. begrenzte Bettenauslastungen, verpflichtender Mund-Nasenschutz bis hin zu gesperrten Wellnessanlagen – der Maßnahmenkatalog könnte umfassend sein.

Die Zeit drängt indes, dessen sind sich die Verantwortlichen durchaus bewusst. Ob Beherbergungsbetriebe, Bergbahnen oder ganze Tourismusregionen – die Branche braucht dringend einen Fahrplan. Besser heute als morgen.