Der Klimawandel und der Wintersport – ein Plädoyer für klare Fakten

Nein, er ist kein Konzept der Chinesen, um die amerikanische Produktion wettbewerbsunfähig zu machen. Und ja, er ist bereits im Gange. Die Rede ist vom Klimawandel, der allerorts Veränderungen einleitet, mit denen sich Menschheit, Natur und Wirtschaft werden arrangieren müssen. Im Alpenbogen bedeutet dies wie überall auf der Welt: es wird wärmer.

In der Kälte liegt das Glück

Gemäß der Statistik der Österreich Werbung verzeichnete Österreich in der Wintersaison 2018/2019 72,9 Mio. Nächtigungen, die tragende Rolle spielen dabei die Wintersportorte. Die Wirtschaftskammer vermeldet, dass Österreich mit über 50 Mio. Skierdays ein Sechstel des Weltmarktes produziert. Bedenkt man, dass der wichtigste Wirtschaftsfaktor in den Alpen die Kälte ist, könnte einem angesichts des Klimawandels durchaus heiß werden. Angeheizt wird die Sorge um die Folgen der Erderwärmung von zahlreichen Spekulationen, die dem Wintersport ein baldiges Aus bescheinigen.

Kühle Fakten

Angesichts der erhitzten Gemüter braucht es kühle Fakten. Diese kommen vom Forum Klima.Schnee.Sport, einem Zusammenschluss von über 20 ForscherInnen aus 14 wissenschaftlichen Einrichtungen der DACH-Region. Ziel des Expertenforums ist es, gesicherte Erkenntnisse zum Klimawandel zu publizieren und Vorschläge für strategische Handlungsansätze zu liefern. Dem Forum ist es gelungen, den aktuellen Forschungsstand zum Thema über Landesgrenzen hinweg in einem gemeinsamen Positionspapier zu veröffentlichen und die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport aufzuzeigen.

Anders, aber kein Aus: der Wintersport von morgen

Das Expertenforum ist sich einig, dass die Jahresmitteltemperatur im Alpenraum und in den Mittelgebirgen bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens weitere zwei Grad Celsius steigen wird. Die Zunahme der Temperatur betreffe alle Jahreszeiten. Als Folge der Erwärmung wird die für den Schneesport geeignete, natürliche Schneedecke langfristig (bis zum Jahr 2100) bis in die mittleren Lagen im Alpenraum und in den Mittelgebirgen weiter zurückgehen. Die klimatologischen Fenster für technische Schneeerzeugung werden kürzer. Das klingt nun kaum nach einer Entwarnung. Dennoch gilt:


Auch wenn sich die Dauer der Schneebedeckung im Früh- und Spätwinter verkürzen wird, sind die eigentlichen wintertouristischen Kernmonate Januar und Februar aus heutiger Sicht kaum betroffen.


Während die alpinen Regionen also mit verkürzten Schneeperioden zu rechnen haben, trifft der Klimawandel die touristisch beliebten Sommerreiseziele im Süden hart. Sie werden laut OECD-Bericht vermehrt mit Hitzewellen, Stürmen und Überschwemmungen zu kämpfen haben. Dass dadurch die Sommerfrische in den Bergen als Urlaubsalternative an Bedeutung gewinnt, ist durchaus denkbar.

Das Klima geht uns alle etwas an

Um wirksam gegen den Klimawandel vorzugehen, braucht es ein Bündel von verschiedenen Maßnahmen – beginnend beim Einzelnen bis hin zum Großkonzern. Das Forum Klima.Schnee.Sport sieht die Notwendigkeit, Partnerschaften und Netzwerke zu etablieren, um interdisziplinär Handlungen einzuleiten, die die Auswirkungen der Klimaerwärmung im Alpenraum eindämmen. Ein solches Netzwerk ist der Verein Vitalpin, ein Zusammenschluss von Wirtschaftskräften aus dem Tourismus und angrenzenden Branchen, der sich unter anderem für mehr Nachhaltigkeit im Tourismus einsetzt und sich beispielsweise bei der Erarbeitung der Charta der Alpenkonvention für nachhaltige Skigebiete einbringt.


Dass Handlungsbedarf besteht, ist auf allen Ebenen angekommen. Vitalpin will nicht nur Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen im Sinne des Pariser Klimaschutzabkommen 2015 anregen, sondern auch das touristische Angebot an die Folgewirkungen des Klimawandels anpassen. Im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit wurden in den Alpen bereits viele positive Maßnahmen umgesetzt, weitere sollen folgen. Hannes Parth, ehemaliger Seilbahnmanager von Ischgl und heutiger Obmann von Vitalpin: „Wir wollen, dass auch nachfolgende Generationen in den Alpenländern erfolgreich leben und wirtschaften können. Der Tourismus soll auch hinkünftig Wert schaffen, damit die Lebensgrundlage in den Alpen erhalten bleibt.“ Um das zu erreichen, muss man den Klimawandel ernst nehmen.

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