Gemeinsam für den Tourismus ein gutes Wort einlegen

Ruft man „Alpentourismus“, so hallt ein zweifaches Echo wider. Eines lobt den Tourismus in den höchsten Tönen, das andere kritisiert ihn hartnäckig und fordert einen Entwicklungsstopp. Das Lob stammt von den Gästen, die Kritik zunehmend von Medien und Umweltvertretern, die in manchen Regionen zu viele Touristen, zu viel technische Infrastruktur und zu viel tourismusinduzierten Verkehr verorten. Die Lösung ist nicht einfach, berührt sie doch die individuelle Freiheit zu reisen und die Notwendigkeit Betten zu füllen, aber auch die Pflicht sensibel mit Gebieten umzugehen, die kein ungebremstes Wachstum vertragen. Diese besondere Situation ruft nach einem fairen Interessensabgleich von Tourismusbetrieben, der Bevölkerung und der Natur. Dieser kann nur erreicht werden, wenn alle Player miteinander an einem Strang ziehen.

Schlechte Nachrichten machen schlechte Stimmung

Wenn auch jede konstruktive Kritik zum Umdenken anregt, so wird eines durch das Schlechtreden immer negativer: das Meinungsklima in der Bevölkerung über den Tourismus im Allgemeinen und damit der gesellschaftliche Rückhalt für die Tourismusbetriebe, die tagtäglich darum bemüht sind, das hohe Angebotsniveau zu halten. Gastfreundschaft gehört zu den Alpen, wie die Gämsen zum Hochgebirge. Dass sich dieses Prädikat der vorbildlichen alpinen Gastlichkeit hartnäckig hält, erfordert viel Einsatz und eine stetige Professionalisierung im Tourismus. Dieser lässt sich leichter erbringen, wenn der Rückhalt in der Gesellschaft vorhanden ist. Weil der Tourismus in den letzten Jahren in den Medien und der Bevölkerung zunehmend in Kritik geraten ist, bröckelt genau diese gesellschaftliche Rückendeckung. Interessanterweise ist die Kritik nicht in den touristischen Hochburgen am lautesten, sondern in den weiter entfernten urbanen Gebieten. In den Orten des eigentlichen Geschehens arrangieren sich die Menschen mit dem Tourismus so gut es eben geht - der Großteil lebt ohnehin von diesem Wirtschaftszweig.

Vitalpin: mitreden, mitdenken, mitlenken

In der Debatte um den Tourismus und seine Auswirkungen auf Menschen und Natur, gibt es viele Meinungsmacher. Eine Gruppe geriet jedoch ins Hintertreffen – nämlich die Personen, die tagtäglich von und mit dem Tourismus leben. Diesen will der Verein Vitalpin mehr Raum in der öffentlichen Wahrnehmung verschaffen.

Mit Vitalpin bündeln Wirtschaftskräfte, die von und mit dem Tourismus leben, erstmals länderübergreifend ihre Stärken, entwickeln zukunftsweisende Konzepte und sorgen dafür, dass die Bedürfnisse und Standpunkte der Branche in Politik und Gesellschaft gehört werden. Vitalpin will zeigen, dass trotz mancher Herausforderung letztendlich alle vom Tourismus profitieren und setzt unterschiedliche Maßnahmen, um die Tourismusgesinnung in der Bevölkerung positiv zu stärken. Weil der Tourismus in den Alpen Herzenssache ist, macht sich Vitalpin dafür stark, dass er einen angemessenen Stellenwert in den Herzen der Bevölkerung zurückgewinnt. Dazu kann jeder beitragen, indem er ein gutes Wort für den Tourismus einlegt. Einer davon ist Sebastian Keiler, der seit 2011 vom Tourismus lebt.

Wenn man so will, gehören der Tourismus und ich schon immer zusammen. Vielleicht kam es daher, weil meine Mutter in Aschau im Zillertal eine Frühstückspension führte. Der Gast gehörte also selbstverständlich dazu - wie das Skifahren von Kindesbeinen an.

Generell ist der Tourismus natürlicher Bestandteil unserer Region. Das 1845 Einwohner zählende Aschau verfügt über einen großen Campingplatz, fünf Restaurants, einige Beherbergungsbetriebe und viele Privatvermieter. Wir sind stolz, dass wir nicht nur keine Abwanderung verzeichnen, sondern sogar einen Bevölkerungszuwachs. Was uns das zeigt? Dass es sich hier gut leben lässt! Das hat auch mit dem Tourismus zu tun, der ein bedeutender Wirtschaftszweig für uns ist und für mich persönlich die Grundlage schuf, meine Geschäftsideen zu realisieren.

Der Weg zur Skischule Keiler und der FreiLUFT Akademie

Feuer für die Sache fing ich, als ich neben meinem Studium meine Brötchen als Skilehrer und Trainer in der Heimat und in Neuseeland verdiente. 2011 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete die Privatskischule Sebastian Keiler als One-Man-Show. 2013/2014 kamen dann die ersten Angestellten hinzu und in der letzten Saison waren wir in den stärksten Wochen um die 20 Skilehrer. Im kommenden Winter erweitern wir unser Geschäftsfeld um einen Skiverleih mit dazugehörender Servicestation. Wir wachsen also weiter. Besonders spannend ist es, auch das Potential des Sommers auszuschöpfen.

Deshalb schlug im Sommer 2015 die Geburtsstunde der FreiLUFT Akademie, über die ich gemeinsam mit meinen Outdoor-Guides Rafting-, Canyoning- und Tubing-Touren für Personen anbiete, die Wildbäche, Schluchten und die Spannung lieben. Die Idee war nicht nur, Einheimischen und Gästen actionreiche Erlebnisse in der Natur im Sommer in unserer eindrucksvollen Region zu ermöglichen, sondern auch, meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verstärkt nahezu ganzjährig Beschäftigung anbieten zu können.

Mein Wunsch an den Tourismus: mehr Qualität statt Quantität & Ausbau des öffentlichen Verkehrs

Auch wenn der Tourismus seine Schattenseiten hat - denken wir nur an den Verkehr oder unerhört hohe Immobilienpreise - so bin ich doch gerne selbstständig und schätze und nütze die Chance, die der Tourismus mir bietet. Potential und Notwendigkeit sehe ich vor allem in der Verbesserung der Qualität des touristischen Angebotes anstatt nur einer Veränderung der Quantität, sowie im Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs als Alternative zur individuellen Anreise und Fortbewegung vor Ort.

Vitalpin: Gastautor dieses Blogbeitrags ist der Verein Vitalpin, ein Bündnis von Unternehmen und Menschen in den Alpen, die von und mit dem Tourismus leben. Vitalpin möchte die Zukunft des Tourismus in den Alpen positiv mitgestalten und setzt sich dafür ein, dass sich der Tourismus in eine Richtung entwickelt, in der die Bedürfnisse von Bevölkerung, Wirtschaft und Natur fair und ausgewogen berücksichtigt werden.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben