Wenn alles still steht

Von „Firnschnee“ und „Sonnenskilauf“ war in den meisten Skigebiete letzte Woche noch die Rede. Jetzt wurde die Wintersaison abrupt beendet. Was das für die Seilbahnwirtschaft heißt

Blauer Himmel, Sonnenschein, Kaiserwetter, wie man in Tirol so gerne sagt. Nur: Seit Montag stehen in ganz Österreich alle Liftanlagen still. Nachdem in der vergangenen Woche die Corona-Pandemie ausgerufen wurde, haben die Länder nacheinander reagiert und den Skibetrieb vorzeitig eingestellt. Was das für die Seilbahnwirtschaft heißt, kann man nur erahnen.

„Wenn die weltweit wichtigste Wintersportdestination Österreich binnen drei Tagen den Betrieb aller Seilbahnen einstellt und dies ohne Panik und ohne logistische Probleme passiert, sieht man, wie ernst wir alle die Lage nehmen“, sagt Franz Hörl, Obmann des Fachverbands Seilbahnen in der WKO. „Der Tourismus und auch die Seilbahn-Branche tragen eine entscheidende Verantwortung, durch den intensiven Austausch von Menschen aus unterschiedlichen Ländern vielleicht sogar mehr als manch andere Branchen.“

Frühjahrsskilauf fällt flach

Im Interesse der Bevölkerung bleiben die Lifte zu, so viel ist klar. Doch das vorzeitige Ende der Wintersaison hat für die Seilbahnwirtschaft (wie für den gesamten Fremdenverkehr) weitreichende Folgen. In einer ersten Stellungnahme im ORF Tirol rechnet Hörl mit Verlusten zwischen 180 und 200 Millionen Euro pro Woche. Es sei so, „wie wenn man bei einem Zug mit 250 km/h eine Vollbremsung macht.“

Mit Ostern fällt der letzte Höhepunkt der Saison weg. Für viele österreichische „Frühjahrsskigebiete“ ist das fatal. Kein Firnschnee, kein Sonnenskilauf. Das frühe Saisonende trifft vor allem die saisonalen Mitarbeiter, für die es jetzt keine Beschäftigung mehr gibt. Auch ist nicht klar, ob der Sommerbetrieb wie gewohnt stattfinden wird.  

Land der Berge

Österreichs Seilbahnen sind weit mehr als nur Zubringerinnen zu den Skipisten. Die Seilbahnwirtschaft nimmt eine tragende Rolle ein und ist ein essentieller Faktor für das heimische Wirtschaftswachstum. Nicht umsonst wird Österreich auch „Land der Berge“ genannt. Die Berechnung der generierten Wertschöpfung durch die heimischen Seilbahnunternehmen verdeutlicht, dass die Branche in vielen Regionen DEN Tourismus-Motor schlechthin darstellt.

Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 1,55 Milliarden Euro erzielt, was übrigens den Jahresumsätzen der Webshops von Zalando und Apple in Deutschland entspricht. Darüber hinaus sind hiesige Bergbahnen stabile Arbeitgeber von mehr als 17.000 Menschen und tragen gesamt zur Sicherung von etwa 126.000 Arbeitsplätzen bei.

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden tatsächlich ausfallen wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer abschätzen. Die gute Nachricht? Die Betriebe sind gut aufgestellt, um in der nächsten Wintersaison wieder voll durchzustarten.