Zu Besuch im leergefegten Skigebiet

19 Tage ist es her, dass in Tirol alle Skigebiete und Seilbahnen sowie Beherbergungs-Betriebe auf Basis des österreichischen Epidemiegesetzes zusperren mussten. Wie schaut es jetzt aus, auf den verwaisten Bergen und den leergefegten Pisten? Ein Lokalaugenschein bzw. eine Ferndiagnose.

Nichts ist mehr, wie es war, seit sich das Virus SARS-CoV-2 scheinbar rasend in der Welt verbreitet. In Tirol schlugen die Behörden am 13. März Alarm und veranlassten, dass mit Ablauf des darauffolgenden Sonntags alle Skigebiete und Hotels ihren Betrieb einstellen. Seitdem wirken die Skigebiete wie verwaist. Ein kleines Detail läuft aber doch noch wie gewohnt. Und zwar die 360° Kameras, die vielerorts den Pistenzustand und das Wetter für die Besucherinnen und Besucher dokumentieren und einen Vorgeschmack auf das anstehende Skierlebnis geben sollen.

So sieht es am Donnerstag, dem 2. April 2020, im Skigebiet Galtür aus. Keine Menschen, kein Skibetrieb, nur einzelne wenige Tierfährten © Bergbahnen Silvretta Galtür, silvapark.at

So auch im Skigebiet Galtür, im hinteren Paznaun. „Gerade diese Woche hätten wir traumhaftes Wetter, genügend Neuschnee und bei knapp 4 Grad Celsius beste Bedingungen für traumhafte Skitage“, sagt Hermann Lorenz von den Bergbahnen Silvretta Galtür. Aufgrund seiner Höhenlage von 1.600 bis 2.300 Metern ist Galtür prädestiniert für den Betrieb im Frühjahr. Normalerweise ginge die Saison hier noch bis 19. April. „Aufgrund unserer Höhenlage erzielen wir einen großen Teil des Umsatzes in den Monaten März und April, weil wir hier in der Regel noch viel Schnee haben“, so Lorenz. Er rechnet mit Umsatzeinbußen von gut einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr.

Ein Blick in die Webcam

Ein Blick in die Webcam bestätigt: Niemand ist mehr unterwegs. Auch kein einzelner Tourengeher. „Den Menschen ist der Ernst der Lage schon bewusst. Letzte Woche hat die Polizei noch einen Sportler abgestraft. Aber sonst halten sich alle an die strikten Regeln“, erklärt Lorenz. Da das Paznauntal als einer der ersten Krisenherde unter strenge Quarantäne gestellt wurde, ist nicht nur die sportliche Betätigung im Freien untersagt, sondern auch das Arbeiten am Berg nicht mehr möglich. „Wir konnten zwar noch ein bisschen im Skigebiet aufräumen, eine Revision der Bahnen ist aber beispielsweise nicht möglich.“ Das Skigebiet sieht größtenteils noch so aus, wie es die letzten Gäste verlassen haben. Sogar die Pistenbeschilderungen stehen noch. Die einzige frische Spur, die man auf der Webcam erkennt: eine Wildspur.

Wann der Betrieb wieder weitergehen wird, ist, wie überall, unklar. Am 27. Juni wäre der Start der Sommersaison geplant. 28 Saisonsmitarbeiter wurden mit 31. März abgemeldet, alle Jahresarbeiter sollen mit Mitte April in Kurzarbeit gehen.

Ähnlich sieht es auch in anderen hochgelegenen Skigebieten aus. So zum Beispiel am Stubaier Gletscher. Am letzten Tag der Saison, jenem Sonntag, dem 15. März, haben nach Angaben des Stubaier Gletschers noch etwa 2.200 Gäste Sonne, Schnee und traumhafte Bedingungen genossen. Ab Mittag – als die ersten Verkehrsbeschränkungen ausgegeben wurden – wurde der Skibetrieb dann eingestellt und die Gäste veranlasst, das Skigebiet zu verlassen.

Tag 1 nach dem Shutdown

Wie war die Stimmung an Tag 1, nachdem der Betrieb so plötzlich eingestellt werden musste?  „Gewisse Momente der Ratlosigkeit und der Ungewissheit waren vorhanden, die dann aber sofort durch Informationen, Strukturierung und Aufgabenverteilung beseitigt worden sind“, so DI Andreas Kleinlercher, Seilbahndirektor Stubaier Gletscher.

Aktuell werden Revisionsarbeiten an Bahnen und Liften durchgeführt, Schneedepots gesammelt (als Vorbereitung für die kommende Wintersaison). Alle Pistentafeln und Beschilderungen sind bereits abgebaut. Kein einziger Sportler sei mehr unterwegs, am Stubaier Gletscher.

41 Mitarbeiter mussten verfrüht ihre Saisonarbeit aufgeben. Anders als in tiefergelegenen Skigebieten ist von Mitte April bis 4. Mai am Stubaier Gletscher noch Hauptsaison. Das bedeutet auch hier: Umsatzeinbußen von mindestens einem Drittel. Normalerweise würde der Skibetrieb bis zum 1. Juni durchlaufen, heißt es von Seiten der Gletscherbahnen. Doch heuer ist nicht normalerweise…

Der Sommersaisons-Auftakt ist für den 4. Juli geplant. Wann die Bahnen tatsächlich wieder öffnen werden, steht aber in den Sternen. „Aufgrund der aktuellen Lage können wir keine Prognose für eine Wieder-Öffnung des Skigebiets nennen, da auch wir hier auf behördliche Infos angewiesen sind.“

Was in der Nebensaison passiert

In der Nebensaison findet bei den meisten Seilbahnen die Revision der Anlagen statt. Das bedeutet, alle Lifte werden auf ihre Sicherheit kontrolliert und ausgiebig gewartet. Etwa werden Zugseilprüfungen durchgeführt, Bremsproben gemacht, Abschmierarbeiten an den beweglichen Teilen der Technik erledigt und die Motoren und Getriebe der Seilbahnen geprüft. Außerdem werden bei einer Revision alle Sonderarbeiten durchgeführt, die der laufende Betrieb nicht zulässt. Dazu zählen beispielsweise auch Dinge wie Grundreinigungen und Malerarbeiten.

Zu den Tätigkeiten in der Nebensaison gehört außerdem, das Gebiet vom Winter auf den Sommer und umgekehrt umzubauen. Schneekanonen und Pistenabsperrungen müssen abgebaut und verräumt, Beschilderungen ausgetauscht werden. Bevor die Pistengeräte und Gondeln in den Garagen verschwinden, ist ein ausgiebiger Service nötig. Für den Sommer werden Wanderwege gewartet, Wegweiser und Karten installiert und Sitzbänke aufgestellt. Alles in allem ein ziemlich straffes Programm, das es in der Zeit, in der die Bahnen stehen, abzuarbeiten gilt.